Von Peter Hell
Meine Suche nach Helmut Berger erweist sich als schwierig. Die Fahrt geht über eine Ausfallstraße, raus aus Salzburg. Vorbei an schmucklosen Bürokomplexen, bis zu einer Tankstelle. Gegenüber liegt eine triste Hochhaussiedlung. Wer hier wohnt, gehört nicht zu den Gewinnern der Gesellschaft. Die meisten sind Rentner, die sich keine bessere Wohnung leisten können. Man lebt bescheiden.
Ein Attribut, das man nicht unbedingt mit dem Namen Helmut Berger in Verbindung bringt. Legendär sind dagegen seine Exzesse. Und natürlich seine geniale Schauspielkunst, für die er in den siebziger Jahren hymnisch verehrt wurde. Eine unbändige Lebenssucht, angefüllt mit Alkohol und begleitet von zahlreichen Affären - egal mit welchem Geschlecht.
Aber Bescheidenheit? Das ist nicht sein Ding, obwohl er hier seit Jahren eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung im vierten Stock eines Hochhauses bewohnt. Es ist das Apartment seiner verstorbenen Mutter.
"Ah, geh weg mit dem. Der trinkt und ist immer laut!", beschwert sich eine ältere Dame im Hausflur. "Der war mal richtig fesch, hat aber alles versoffen." Die Glanzzeiten des schönen König Ludwig scheinen vorüber.
Mehrfach hatte ich versucht, telefonisch Kontakt mit dem ehemaligen Weltstar aufzunehmen - doch immer antwortete sein Anrufbeantworter: auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.
Dschungelcamp - endlich wieder eine große Bühne
In seinen besten Zeiten lebte Berger in den teuersten Hotels der Welt. Verprasste seine Gagen in den Geschäften der römischen Via Condotti. Konnte sich nicht entscheiden, zu welcher Party er fliegen sollte. Auf die Yacht der Karajans nach Saint Tropez? Nach Portofino? Zu Brigitte Bardot? Wie fühlt sich einer, der alles hatte?
Helmut Berger fühlt erst einmal gar nichts, als wir ihn vor der Haustür treffen. Er ist angetrunken und war gerade in der Stadt. Ein Freund hat ihn gefahren und bugsiert den torkelnden Filmstar jetzt Richtung Hausflur. Am folgenden Tag soll der einst "schönste Mann der Welt" nach Australien fliegen, ins Dschungelcamp.
Ein Kollege hatte mich vorgewarnt: "Entweder er spricht wie ein Wasserfall, oder er beschimpft dich, im schlimmsten Fall sagt er gar nichts."
Berger sagt nichts.
Am Aufzug scheint es dann doch zu klappen: Helmut Berger will sprechen. "Was erwarten Sie vom Dschungelcamp?", frage ich. "Ich werde sie alle überraschen!" sagt er, bevor sich die Aufzugtür öffnet.
Wir verabreden uns für den nächsten Tag.
Berger spricht über seine Alkoholsucht
Vor unserer Reise nach Salzburg stoße ich im Archiv von SPIEGEL TV auf einen wahren Filmschatz. 1997 hatte sich eine Kollegin mehrere Tage an die Fersen des unberechenbaren Schauspielers geheftet. Entstanden ist ein bemerkenswertes Porträt über einen Mann, dem wohl nichts peinlich ist und der sich nie um Konventionen geschert hat. Offen spricht er über seine Bisexualität und seine große Liebe zu Luchino Visconti, dem Regisseur von Ludwig II. Visconti verliebt sich in den blutjungen Berger. Eine Beziehung, die nicht lange hält. 1976 stirbt der Regisseur und stürzt seinen Lebensgefährten in eine tiefe Sinnkrise. Detailliert berichtet Berger, wie er sich ein Jahr nach dem Tode von Visconti selbst das Leben nehmen wollte - mit einer Überdosis Schlaftabletten.
Eine Haushälterin findet ihn und alarmiert den Notarzt.
Berger spricht über seine Alkoholsucht, den Sex mit Mann und Frau und - höchst bemerkenswert - über seine bis dahin kaum bekannte Ehefrau. 1994 hatte er das italienische Playmate Francesca Guidato geheiratet. Eine Scheinehe, vermutlich aus steuerlichen Gründen. "Die wollte nur mein Geld", poltert Berger im Interview in seiner Küche.
Mittlerweile will die Ex-Frau des Weltstars ein Buch über Helmut Berger schreiben. SPIEGEL TV hat sie besucht, in einem exklusiven Interview gibt sie Details über ihr Leben mit Berger preis.
In Salzburg macht sich Helmut Berger auf den Weg zum Flieger Richtung Dschungelcamp. Ein Fahrer hat bereits seine zwei Louis-Vuitton-Taschen in der schwarzen Limousine verstaut - mehr Gepäck nimmt er nicht mit. "Ist das jetzt Ihre schwierigste Rolle?", will ich wissen. "Pah, ich bin der Bayern-König", sagt er noch. "Wenn ich wiederkomme, machen wir ein anderes Interview. In einem teuren Restaurant in Aix-en-Provence oder in Saint Tropez."
Danach braust der König davon.
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