Dschungelcamp, Tag 11 Ohren anlegen, ihr Spackolackos!

Nach der Dümpelei der vergangenen Tage nimmt das Camp wieder rasant Fahrt nach unten auf: Es wird ordinär!

RTL

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Achtung, beleidigungs-ethische Sonderdurchsage! Bevor das hier heute richtig losgeht, müssen wir noch schnell etwas Grundsätzliches klären, nämlich die aktuellen Beleidigungsrichtlinien für Männer. Eigentlich war die Folge vom Montagabend nämlich nichts anderes als ein immer wieder von lästigem Dschungelgeschehen durchzogenes Schulungsvideo des CWM zu diesem sensiblen Thema.

Akzeptable Beschimpfungen, die man tippitoppi in der breiten TV-Öffentlichkeit gegen jemanden raushauen kann, sind demnach: Stück Scheiße, Kackvogel, dummes Arschloch, Spackolacko. Vollkommen unakzeptabel ist es dagegen, jemanden via Instagram-Story als "schwul" zu bezeichnen, wie es Yotta vormals mit dem CWM getan hat.

Es ist wieder einer dieser Punkte, wo man einfach nur kapitulieren und sich unter seine gewichtsbeschwerte Therapiedecke legen möchte: Der eine verwendet "schwul" ernsthaft als Beleidigung, der andere fasst es als schlimmstdenkbare Düpierung überhaupt auf und wütet über diesen Part noch heftiger als über die Beleidigungs-B-Seite, die Yotta anschließend auflegte: Den Rat, er möge bei seinem Mops beigehen, sexuell gesehen. Aber okay, schließlich flutschte dem CWM selbst in den vergangenen Tagen ja gerne mal ein leger gemeintes "Fick die Henne" raus. Und wer zwischen Henne und Mops nun einen Unterschied macht, ist ein mieser Speziesist.

Comeback des Tages: Vergessen die Null-Sterne-Schmach: Yotta liefert in der Ekelschlingprüfung milde würgend, aber letztlich stabil ab. Und modernisiert nach seiner Rückkehr ins Camp eines der bekanntesten zen-buddhistischen Meditationsrätsel: Jahrhundertelang brütet man ja schon über der Frage, wie wohl das Klatschen mit nur einer Hand klinge. Yotta löst nun immerhin das Mysterium, wie traurig wohl ein High Five mit sich selbst aussehe. Der CWM, das kleine Trotzköpfchen, mag nämlich partout nicht mit ihm abklatschen. Und so feiert sich Yotta eben selbst, er hat da ja Routine: "BÄM! The Machine is back!" Die Küchenmaschine, müsste man nach der bestandenen Fressprüfung genau genommen sagen, ein in der Performance etwas schwankender Testomix, aber das flowt natürlich nicht ganz so gut.

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Dschungelcamp, Tag 11: "The Machine is back!"

Versoftung des Tages: War das ein wahrhaftig menschliches Knacksen in der muskeligen He-Man-Verschalung, oder hat Yotta sein Suggestionssortiment nach dem lawinösen Teilnehmerschwund beim Miracle Morning nun einfach noch um die Manipulationsmidnight erweitert? Unterstellen wir ausnahmsweise einmal einfach nur Ehrlichkeit. Und fühlen mit dem zum Bastian geschrumpften Elendshäufchen, das nachts am Lagerfeuer und im Dschungelcamp von den regelmäßigen, systematischen Vaterprügeln seiner Kindheit erzählt. In den Augen seines Vaters sei immer das Kind schuld gewesen, erzählt Yotta unter Tränen, er habe ihm stets das Gefühl gegeben, "dass ich nicht genug bin". Das spinnt einen feinen Faden zu Sibylles traurigem Automonolog von gestern. Sie tun mitunter alles, damit man es vergisst, aber eigentlich sitzen da im Dschungel doch wirklich nur lauter gebeutelte Menschlein.

Kollateraldachschaden des Tages: "I have Ängst, ein bisschen", meldet Evelyn, die bei einer nächtlichen Schatzsuche als dünnes Pufferscheibchen zwischen den beiden malmenden Feindesmassen platziert wird. Zusammen mit Yotta und CWM muss sie in einem Felsloch auf einen Buzzer drücken, ein adäquat sinnloses Trash-Update des Plato'schen Höhlengleichnisses (Plato? War das nicht der Hund von Micky Maus?). Der CWM hat allerdings so gar keine Lust darauf: "Ich will nicht so tun, als sei ich ein Team mit jemandem, der dich hintenrum in den Arsch fickt."

Während man noch darüber nachdenkt, ob das genau genommen nicht auch einfach nur eine anatomisch etwas quastige Variation des vom CWM doch als völlig inakzeptabel geächteten "schwul!"-Disses ist, versöhnen sich die Streitgockel doch tatsächlich miteinander. Und Evelyns Anfangsfurcht erweist sich als absolut berechtigt: "Du kannst jetzt auch mal die Klappe halten", blafft Yotta sie mitten in den historischen Friedensverhandlungen an: "Wir haben gerade keine Challenge, Mädchen, wir haben ein ernsthaftes Gespräch!" Grob bleibt grob, da helfen keine Pillen.

Reprise des Tages: Der CWM erkundigt sich bei Gisele über ihr "Pafömm", nämlich ein zeitweilig von ihr beworbenes Vaginalsekret-Duftstöffchen, und weckt damit Erinnerungen an ein Schmankerl aus den Trash-Annalen des superprolligen Scheidenekels: 2001 grauste sich der unvergessene Zlatko in der ersten deutschen Big-Brother-Staffel nämlich fast so sehr vor der Menstruation wie vor Shakespeare, und der CWM steht ihm in seiner Abscheu gegen weibliche Körperflüssigkeit nun in nichts nach: "Das ist was Ekelhaftes!" (Leila hingegen erwachte in diesem feuchtwarmen Milieu wie ein aufgetauter Molch zu unerwartetem Leben und erkundigte sich interessiert bei Evelyn: "Verkauft ihr dann auch Eichelkäse?")

Vorher hatte sich der CWM mit geschultem Wurstsachverständigenblick bereits die Lippen der anwesenden Damen besehen und der beharrlich leugnenden Evelyn mit ähnlichem Ekel operative Schnutenexpansion unterstellt. Sie hatte allerdings eine hieb- und einstichfeste Erklärung parat: Alles genetisch! Oder, in ihren Worten: "Mein Papa hat auch alles dick."

Lifehack des Tages: Atmen! Und dann noch mal atmen. Und noch mal. Und schon wieder! "Tief atmen hilft gegen Würgereiz beim Essen und beim Oralverkehr", informierte Leila bei der Dschungelprüfung, bei der sie zusammen mit Sandra und Yotta antrat. Tatsächlich sah man in der langen Ekelgeschichte dieses Formats niemals jemanden gelassener Schweineuterus und Mäuseschwänze verzehren als sie. "Kauen, kauen! Schlucken, schlucken!", geleitete sie auch Yotta durch seinen Pansenwürgereiz. Blinkt da ein neues Sternchen am Coachinghimmel?

Nebenfigur des Tages: Die Currywurstmannmama (CWMM). Nicht nur ein guter Tipp, wenn man sich bei der nächsten Partie Scrabble mal richtig was gönnen will, sondern offenbar auch eine echte Autoritätsperson. "Meine Mutter ist höchst besorgt", ängstigte sich ihr Sohnemann, wie seine gemeinsame Schatzsuche mit Yotta wohl daheim bei Muttchen ankommen würde. "Mit so einem Verbrecher gehst du ins Fernsehen", habe seine Erziehungsberechtigte ihn vor dem Einzug getadelt. Nach der Versöhnung fürchtete er darum auch: "Meine Mutter kriegt nen Affen!" Das schon so gut wie geritzte BMX-Rad zum nächsten Burtsitag kann er sich jetzt wohl abschminken.

Stammelei des Tages: Die Camper sollen ihren Votingaufruf in Reimform abliefern, eine schöne Schikane. Alexandriner? Fehlanzeige. Der CWM kann nur ein fragmentarisch angejandeltes "Wurst - Durst, Curry - Dörri, Chris - Piss - Schiss" abliefern. Nur einer ist mal wieder winning at life: Nämlich Peter, der seinen Namen lässig auf "älligajter" reimt. Mooooment, hat hier jemand "gay" gesagt?

Gnääädenakt des Tages: Gisele ist raus. Oder, mit ihren Worten: "Na dann."



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retterdernation 22.01.2019
1. Charakter-Killer ...
nennt man den Prozess innerhalb der Dramaturgie - wenn Darsteller von Qualität aus dem Drehbuch gestrichen werden. Domenico, Sybille, Alf und natürlich auch Giselle hatten bislang mehr zu bieten, als die nun völlig lästigen Schatten des Dschungelcamps. Selbst die kranke Sybille hatte mehr Ausstrahlung, als das - was RTL - einem, mit der thematisierten Dicklippe, der Weltcupraserin, dem Schwangeren und der grossargumentativen Nymphe - im einstweiligen Ruhestand bietet. Jede Art des Stillstands geht von diesen Valium10 der Unterhaltung aus. Die übrigen Showgrößen, inclusive dieses Peter Pan der DonKosaken, können den maximalen Brei der Dschungelschatten kaum noch anrühren. Charakter-Killer at it‘s best - war dann auch ein Abgang nach dem anderen zuvor. Die Mannschaft ist mittlerweile falsch aufgestellt, möchte man verzweifelt nach Köln oder besser gleich in den Dschungel brüllen. Das Normale braucht man nicht im Fernsehen, wurde gestern hier sehr positiv angemerkt. Die Sendung heißt auch nicht: die vier von der Bockwurst-Station, die das übrige Team, ach was sag ich, eine ganze Fernsehnation ins Bett treiben! Das sind ganz einfach Schlaftabletten, wie sie die chemische Industrie bislang noch nicht erfunden hat. Wer die Lindenstraße braucht, der soll auch in der besagten Straße auftreten, bis sie bald eingestellt wird! Lediglich ein Trost kann es sein, das besonders Evelyn, aber auch Curry und die Yotta abliefern. Die
dasfred 22.01.2019
2. M wie Motta
Die Nachterleuchtung war einfach zu und zuschön. Endlich wieder leben. Was bin ich froh, dass duzende Frauen bestätigen können, der Curryman ist nicht schwul. Die LGBT Community kann aufatmen. Witzig war für mich, das Evelyn zwischen den beiden bissigen Alpharüden kaum eine Möglichkeit hatte, sich noch dümmer zu stellen. Dann als Krönung noch ein Remake von Verzeih mir. Giselle ist zurecht raus. Ohne Prüfung ist sie nur langweilig. Jetzt dürfen die anderen Damen endlich aufdrehen.
mekmekmek 22.01.2019
3.
Leila in der Prüfung fand ich gut, ihre kleinen Anmoderationen und Kommentare. War witzig und durchaus geistreich (und damit genau das, was beim Yotta an allen Ecken und Enden fehlt). Ich vermute ja, dass die durchaus sehenswerten Kram abliefert, RTL zeigt es aber nicht. Wie damals mit Rainer Langhans, den haben sie in der Sendung auch so verschenkt. Nicht krawallig und platt genug. Oder einfach zu schlau für die Zielgruppe.. Die Versöhnung Yotta/CWM fand ich albern, und auch das dann auf diese persönliche Ebene und die schlimme Beleidigung runterzubrechen. Ich dachte, das hatte seinen Ausgang bei Yottas wirklich eher schäbigem Verhalten, bei den Waldbränden in Kalifornien spenden zu wollen, wenn man denn bei ihm Coachingkurse buchen würde. Und ohnehin wirkt dieser ganze Beef zwischen den beiden auf mich aufgesetzt und unglaubwürdig, zumal mit dieser Wendung gestern.
henrich.wilckens 22.01.2019
4. Einfach nur clever
Nachdem im letzten Forum allen Ernstes einige die Meinung äußerten, Queen Anja habe nicht berichtet, wer rausgeflogen sein (was objektiv falsch war), macht die hier vielfach Verehrte für den demenzgeplagte Foristenkreis das einzig Richtig: Sie stellt die Meldung an den Schluss! Grandios! Ansonsten Bewunderung für die saubere Verarbeitung des untersten ever-ever Vokabulars der campierenden Restgemeinde
Peter M. A. Lublewski 22.01.2019
5. Nur eine Frage der Zeit,
"Du kannst jetzt auch mal die Klappe halten", blafft Yotta sie mitten in den historischen Friedensverhandlungen an: "Wir haben gerade keine Challenge, Mädchen, wir haben ein ernsthaftes Gespräch!" bis der Lack der Zivilisation abblättert.
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