Brigitte wird's. Da sind sich ja alle einig. Die hat Glamour, die hat Rumms, die hat Körper und die hat Spirit. Die war schon mal in Hollywood und hatte mal was mit Sean Penn. Kim war schon mal in Hamburg-Harburg und hat mal Dieter Bohlen was vorgesungen. Kim hat keinen Glamour, ihr Rumms ist eher ein Schlurf. Doch Körper hat sie, sogar noch in Original, und einen klugen Kopf. Klug, weil sie es nicht raushängen lässt, ihre Cleverness nicht und ihre Brüste auch nicht.
Deshalb mag an Tag 15, dem vorletzten vor dem großen Finale am Samstag, schon alles klar sein: Micaela ist raus. Rocco, Kim und Brigitte sind die Top drei, ganz so, wie sie es sich gerade am Lagerfeuer ausgemalt haben, als Micaela mal schnell Geschirr spülen war. "Eine ganz jung, ein ganz sexy und ich Big Mama", wie Brigitte es ausdrückt.
Das eigentlich Überraschende aber ist, dass Kim es überhaupt bis zum Schluss geschafft hat. Das Dschungel-Küken, die Irgendwann-mal-Vierte-bei-DSDS, Kim Gloss, überschminkt. Keiner kannte die vorher, keiner wollte die kennenlernen. Jetzt ist sie auf jeden Fall Dritte. Und die Dschungelkönigin des Tages:
Weil sie nicht auf platte Effekte setzt. Weder auf Nippel-Pads noch auf dunkle Geheimnisse aus ihrem traurigen Leben. Als die anderen über die Frage grübeln, ob die Deutschen statistisch im Schnitt sechs oder 18 Sexpartner haben - die richtige Antwort hätte die Schatzkiste geöffnet - hält sie sich zurück. Während Rocco von den Deutschen, die abgehen wie Schmidts Katze, philosophiert und Micaela erst rechnet: "Wenn du mal drei wilde Jahre hast, kannst du schon im Jahr zwei haben" und dann, nach langem Überlegen, erklärt: "Ich komm bei mir nur auf drei Sexpartner", schweigt Kim. Die anderen wählen 18. Ist falsch.
Weil man sie nie im Dunkeln schlecht über andere munkeln hörte. Nie rief sie Freundschaften aus, die nur bis zum nächsten Streit ums Essen hielten, nie erklärte sie "Ich liebe dich", wenn sie einfach nur meinte: "Tschüs, Alter" - so wie Daniel oder Martin. Als Sonja Zietlow ihr Böses über Vincent entlocken will - der hat sich doch bestimmt nie gewaschen! - sagt Kim nur: "Wir stinken alle."
Weil sie sich richtig ekelt - und dann ganz tapfer ist. Erst entdeckt sie eine tote Maus im Camp-Trinkwasser, dann schickt sie sich selbst zur Dschungelprüfung. Mit dem Kopf in einer Glaskugel muss sie Spinnen, dann Krebse, danach Ratten und am Ende 7,5 Kilo Kakerlaken über Gesicht und Haare krabbeln lassen. Sie schließt die Augen, presst die Lippen zusammen, erträgt es einfach, holt alle vier Sterne. Und flippt in den Pausen aus, schreit, schüttelt sich.
Kim ist natürlich, praktisch, sympathisch. Sie plappert so dahin, schweigt, wenn es klüger ist. Etwa, wenn Rocco und Brigitte die Weltkarriere samt Hit ("Was geht los darein, düdüffdada") planen. Und das mit Rocco, das bisschen Rumturteln, da hat sie nie was Dummes draus gemacht. Als Sonja Zietlow sie drängt: "Sag einfach, dass du auch stolz auf dich bist", sagt sie es erst. Und gleich danach: "Ich stinke wie Scheiße." Kim macht sich nichts vor.
Ekelfaktor: Die tote Maus, die im Trinkwassersack vor sich hin verweste
Erotikfaktor: Wie Vincent nach seinem Rausschmiss unter der Containerdusche tiefverschleimt irgendetwas Lateinisches singt und danach frisch geföhnt aussieht wie der Siegfried in einer sehr billigen Nibelungen-Produktion
Entertainmentfaktor: "Wo ist ihre Seele jetzt? Wo beerdigen wir sie? Das ist mir so durch den Kopf gestoßen" (Micaela beschreibt, wie sie über die tote Maus nachdenkt)
Dschungelweisheit des Tages: "Ruhig Mensch ohne Kleider, das ist Micaela für mich" (Brigitte Nielsen)
Die Dschungelkönige unserer Autoren:
(Ein Klick auf die Kronen führt zum jeweiligen Artikel)


HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik TV | RSS |
| alles zum Thema Dschungelcamp | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH