Dschungelcamp ohne Dirk Bach: Er war der Star. Jetzt ist er raus

Von Jan Feddersen

Wie soll es ohne ihn gehen - das RTL-Dschungelcamp ohne Dirk Bach? Er war der Majordomus des Urwalds, der fieseste Morgenwecker aller Zeiten, kurz: die eigentliche Hauptperson. Dirk Bach wird zum Auftakt der siebten Staffel der Show stärker vermisst werden denn je. Ein Trauertext.

Dirk Bach: Der einzige Dschungelkönig Fotos
DPA

Was würde er sagen? Würde er ihm Glück wünschen? Ein von dröhnendem Gelächter untermaltes "Hals- und Beinbruch" etwa? Oder einfach nur ein joviales "Wird schon"? Und wie würde Daniel Hartwich diese Worte empfinden - als noch mehr Gepäck auf dem Weg zu einer gar nicht unwahrscheinlichen Blamage? Denn wie soll er, dieser junge Mann, dem am ehesten noch die für Caffè-Latte-Medienszene-typische Agenturbrille ein Profil verleiht, schaffen, was eigentlich gar nicht zu schaffen ist - in den Schuhen von Dirk Bach zu schreiten, ohne schon nach anderthalb Schrittchen schwer zu straucheln?

Denn wie soll das gehen - eine Show wie "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" erfolgreich zu moderieren, da doch der wahre Star der Chose, Dirk Bach, für immer und ewig aus der "Dschungelshow" genommen wurde, von einer Instanz, die nicht per Telefonabstimmung jeden Menschen aus seiner persönlichsten Show abruft, sondern als höchste Autorität?

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"Ich bin Star": Wo geht es zur nächsten Kamera?
Aber die Show muss ja weitergehen, wird man sich bei RTL gesagt haben, und vielleicht ist dies auch das Credo, der Glaube der Sonja Zietlow, dass es mit einem anderen Co-Moderator schon weitergehen werde, wenn doch auch diesmal wieder, wie schon zuvor, ihr Ehemann Jens Oliver Haas und sein Kompagnon Micky Beisenherz als Gagschreiber-Duo die Pointen liefern werden.

Hawaiioid anmutendes Kostüm

Dennoch: Liegt der Irrtum nicht in der Idee selbst? Dass einer wie Dirk Bach ersetzbar sein könnte? Hat sich nicht über sechs Staffeln des peinsamen Selbstentblößungsentertainments im australischen Busch herausgestellt, dass kein Gewinner, keine Gewinnerin dieses Kampfes um Ekelnahrung, Kleinstgetier und wider das Eingepferchtsein, dass keiner von diesen B- bis H-Promis, nicht Desirée Nick, nicht Costa Cordalis, nicht Ross Antony und auch nicht Ingrid van Bergen, größer sein konnte als der Zeremonienmeister selbst?

Aber so wahr wie Dirk Bach in jeder Millisekunde seiner Performances immer er selbst blieb, sich nie schauspielernd verstellen musste, so wahr ist doch auch, dass die Dschungelshow erst durch Dirk Bach (und, ja, auch Sonja Zietlow) zu einem Fernsehereignis werden konnte, das zu gucken man sich nicht schämen musste. Bach war der fieseste Morgenwecker aller Zeiten, der freundlich die noch Schlummernden an den Tag heranführte. Dabei ließ er stets offen, ob dieser eine Heimsuchung werden würde - oder Süßes bereithalten sollte. Der kugelige Dirk Bach konnte in hawaiioid anmutenden Kostümen, mit Tropenhelm, mit fidelster Wachheit offenlassen, ob er Arges oder Freundliches oder beides zugleich als Aufgabe für die Camp-Insassen bereithielt.

Hopp oder top - das Publikum entscheidet

Bach, das war der Majordomus des Dschungels, dessen Talent zur Ironie selbst beim Anblick von übelstem Gewürm nicht versagte. Er hatte die Sache im Griff, als sei's das Leichteste, Beifälliges locker zu bringen - er beließ den Kandidaten das, was man als Würde bezeichnen kann. Und wenn sie sich selbst verletzten, dann eben auf eigene Rechnung, dann eben im vollsten Bewusstsein und getrieben von dem Wunsch, nicht aus der Show zu fliegen.

Dass RTL nach dem plötzlichen Tod Dirk Bachs am 1. Okober vorigen Jahres während der Probenzeit für ein Theaterstück in Berlin das "Dschungelcamp" nicht wenigstens für ein Trauerjahr schloss, könnte sich daher als so mutig herausstellen wie alles, was die Kandidaten der Show selbst zu riskieren bereit sind: Hopp oder top - das Publikum entscheidet.

Klammert man sich an die Zuversicht im sentimentalen Lied Trude Herrs, das Dirk Bach so liebte - "Niemals geht man so ganz"? Dass also Bach irgendwie von einer Wolke im Himmel auf das dschungelige Geschehen herunterschaut und seinen Segen stiftet, gütig und voller Anteilnahme? Ist "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" in dieser siebten Auflage durchweht vom Geiste Dirk Bachs?

Abwarten und Kölsch trinken!, könnte Bach darauf antworten, das Leben geht weiter. Es gab schon so viele Shows, deren Lebendigkeit, deren Erfolg von der Person abhing, die das Dirigat innehatte. "Einer wird gewinnen" - ohne Kulenkampff war das nix; "Was bin ich?" ohne Robert Lembke ging auch nicht. Oder "Wetten, dass..?": Das musste ohne Thomas Gottschalk und Frank Elstner schon schiefgehen, als es Wolfgang Lippert probierte - und wird auch für Markus Lanz zumindest schwierig bleiben. Leichtigkeit, diese Mixtur aus natürlicher Wärme und professioneller Advokatur im Sinne des Publikums, ist kaum zu erlernen.

Dirk Bach wird in den ersten Minuten der neuen Staffel aus dem Dschungel stärker vermisst werden denn je. Er ruhe in Frieden!

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insgesamt 137 Beiträge
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1.
Meckermann 11.01.2013
Zitat von sysopWie soll es ohne ihn gehen - das RTL-"Dschungelcamp" ohne Dirk Bach?
Ich hatte ja gehofft, dass sein Tod wenigstens ein Gutes hat und diese nervige Sendung nicht weitergeführt wird...
2.
Micha123 11.01.2013
Zitat von sysopWie soll es ohne ihn gehen - das RTL-"Dschungelcamp" ohne Dirk Bach? Er war der Majordomus des Urwalds, der fieseste Morgenwecker aller Zeiten, kurz: die eigentliche Hauptperson. Dirk Bach wird zum Auftakt der siebten Staffel der Show stärker vermisst werden denn je. Ein Trauertext. "Dschungelcamp" ohne Dirk Bach: Die Show muss weitergehen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/dschungelcamp-ohne-dirk-bach-die-show-muss-weitergehen-a-876825.html)
Dirk wer?
3.
Lebostein 11.01.2013
Na? Traut sich niemand der ach so intelligenten Spon-Leser diese Sendung zu kommentieren?
4. Zum Kotzen
gierth 11.01.2013
Ob mit oder ohne Bach - diese Sendung ist zum Kotzen. Brot und Spiele fürs dekadente Volk.
5.
Andreadeia 11.01.2013
Dschungelcamp rangiert bei SPON unter Kultur? LOL Irgendein genauso fieser Ersatz für Bach wird sich schon finden. Wohl bekomm's, Würmerfresser!
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