Dschungelcamp - Tag 1 "Ach sooo, das ist der hintere Schwanz!"

Sinkende Promiboote, verfehlte Kloschüsseln und Schwanzverwechslungen - oder, wie wir es nennen: Hurra, das Dschungelcamp hat wieder angefangen!

RTL/ Stefan Menne

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Ist das überhaupt noch der echte Dr. Bob oder hat man ihn nach elf Staffeln längst unbemerkt, ähnlich wie bei Lassie, gegen einen jüngeren, elastischeren ausgetauscht?

Wie viele Fliegen, Raupen, Kleinsäuger atmet Klaffmundschläferin Tina York bei einem durchschnittlichen Nickerchen lebendig ein?

Und warum hat Daniele Negroni ein Tattoo-Porträt vom Matthias Mangiapane auf seiner Brust, obwohl sich die beiden doch gerade erst im Camp kennengelernt haben?

Und mit diesen Großmysterien herzlich willkommen zur zwölften Auflage von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!", das es wie immer sofort vermag, seinen Zuschauer zum Grübeln anzuregen. Und zum Träumen: Wie sehr müsste man das Saallicht wohl dimmen, wie sehbeinträchtigt müsste das Publikum sein, dass man damit durchkäme, mit Matthias und seinem Lebensgefährten Hubert erfolgreich schlawinernd als Siegfried-und-Roy-Doubleshow über die Provinzkleinkunstbühnen zu tingeln? Die eher ereignisarme Einzugssendung bietet ja traditionell genug Gelegenheit, um mit den Gedanken ein bisschen abzudriften.

Ganz sanft nagen schon die Vorstellungsfilmchen der Camper an den Nerven, herrlich, wie das kitzelt! Wenn Sydney Youngblood in jeder Einstellung penetrant einen seiner zwei Hits ansingt und mit dem Verzweiflungshumor eines Famehinfälligen sagt: "Jeder glaubt, dass ich hab gestorben, aber ich lebe noch."

Wenn Tatjana Gsell so triefäugig, wie ihre solide festgezurrte Gesichtshaut es eben ermöglicht, ihren Wunsch ans Publikum hervorseufzt, dass sie vom Zuschauer endlich mal liebgehabt werden will.

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Überleben im Dschungelcamp: Der Tag 1

Wenn Ansgar Brinkmann ein paarmal zu oft "Bäm!" sagt und man nur ahnen kann, dass der Dschungelcamp-Imageberater, der für ihn dieses Trademark-Wort als Nachfolger des legatschen "Kasalla" vorgesehen hat, die Häschenschule relativ oft geschwänzt hat.

Geile Idee! *notier*

Und dann produziert bereits der Abmarsch zum Camp einen wunderschönen Dialog, als ein berufsbeschreibungsgemäß harter Ranger Jenny Frankhauser abholte und dabei minimal überrumpelte.

Jenny: Whats with my phone?
Ranger: Don't need a phone.
Jenny: What's with my mother?
Ranger: Don't need a mother.

Die Anreise zum Camp in Vierergruppen hatte man dann, hübsche Idee, als kleines Allegorienspiel auf die bisherigen Karrieren der Teilnehmer gestaltet. Ein Trupp musste mit dem Fallschirm abspringen - ein rasanter Fall. Eine Gruppe paddelte vergeblich in einem tragschwachen Bötchen - und ging ordentlich baden. Die letzte Camper-Partie, zu der auch Ex-Topmodel-Kandidatin Giuliana Farfalla gehörte, musste schließlich über einen schmalen Laufsteg in eine dunkle, ungewisse Zukunft gehen: Am Ende der Planke blieb nur der Sprung in den Abgrund. (Und Heidi Klum zu Hause so: Geile Idee! *notier*)

Die Camper meisterten ihre jeweilige Schikane relativ kreischfrei, nur die gesunkene Tina musste von Natascha Ochsenknecht aus dem See gezogen werden - Szenen, als müsse man die Ophelia-Darstellerin bei der "Hamlet"-Sommertheater-Inszenierung des Seniorenheims Kleinklopsenhausen aus dem Dorfteich fischen. Schließlich landen zwei der Reisetrupps wohlbehalten im Camp, wo sich die Gruppen überhaupt zum ersten Mal sehen, eine gute dramaturgische Neuerung.

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Dschungelcamp 2018: Das sind die Kandidaten der 12. Staffel

Die dritte Gruppe muss zuerst noch unterwegs in einer Höhle übernachten, zusammen mit einer Rattensippe, die freilich niemals so unappetitlich sein könnte wie das rinnende Urinbächlein, das sich nach Giulianas Klogang im Dunkeln seinen Weg in die Schlafkammer bahnt - hätte ihr ja auch mal jemand sagen können, dass man beim Pinkeln vorher den Klodeckel hochklappen muss.

Eine erste Möpperrunde

Zur ersten Dschungelprüfung müssen wie immer alle antreten, es gibt die üblichen Unappetitlichkeiten zu verzehren und mit dem Kopf in Mehlwurmglitsch zu wühlen, alles nichts aufregendes, die Camper sagen stolz ihre vorbereiteten Peniswitzchen auf, alles wie immer. Unschön ist allein, wie Ansgar grob in den Ratten wühlt, die er blind zählen soll ("Ansgar ist ein lieber Mensch, denn er geht über Leichen", wird Ex-Camper Legat später in der Nach-Dschungelshow auf RTL plus sagen).

Wer sich aber darüber echauffiert, dass ausgerechnet Giuliana und "Bachelor"-Kattia in Bikinis in einen Fischabfallzuber steigen müssen, um dort nach Täfelchen mit internationalen Sehenswürdigkeiten zu tauchen, der hat das Dschungelcamp nie geliebt.

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Überleben im Dschungelcamp: Der Tag 1

Die ergatterten Bauwerkbildchen müssen die beiden dann auf einer Weltkarte auf dem dazugehörigen Land befestigen. Dass Kattia den Taj Mahal in Usbekistan verortet, ist eine kleine Lässlichkeit. Noch lange wird man in dieser Nacht aber grübelnd über der Frage wach liegen, ob Giuliana nun dachte, der Big Ben stünde in Kanada - oder ob sie der Meinung war, Großbritannien sei dieses verhältnismäßig großflächige Land, dass da oben an die USA drangepappt ist.

Eine schöne Dümmlichkeit darf auch noch Daniele zum Besten geben, als er später im Camp den zum Abendessen gelieferten Känguruschwanz für das Genital des Tieres hält: "Ach soo, das ist der hintere Schwanz!"

Ansgar nimmt besagten Schwanz dann direkt als Anlass für eine erste Möpperrunde, bockig geht er nicht, wie geheißen, zum Interview ins Dschungeltelefon, weil er etwas besseres erwartet hatte. Ein Gefühl, das viele Zuschauer von der Verkündung der Campernamen kennen, aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch.

In die Dschungelprüfung für den nächsten Tag wählten die Zuschauer übrigens Matthias und Jenny, das ist relativ unerwartet, weil sie in der Einzugssendung nicht sonderlich negativ auffiel. Womöglich ist das die Rache der Fans ihrer Halbschwester Daniela Katzenberger, mit der Jenny im Streit liegt.

Wir sollten alle scharf im Auge behalten, wie sich diese möglichen Protestwähler weiter verhalten, die Macht dieser vermeintlichen Minderheit keinesfalls unterschätzen. Wenn Sie einen Katzenberg-Fan kennen: Suchen Sie den Dialog!

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde Ophelia bei Goethes "Faust" eingemeindet. Ophelia gehört natürlich zu Shakespeares "Hamlet". Sorry!



insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
argumentumabsurdum 20.01.2018
1. War zu spät gestern?
Frau Rützel, wie jeder andere hier auch, habe ich großen Respekt davor wie sie aus dem spärlich angebogetenen Rohmaterial immer etwas Lesenswertes schaffen. Aber gestern war es wohl etwas spät; für meinen Geschmack ist ihnen die Satzdrechselei etwas entglitten, zu opulent geraten. Und Ophelia geht mit Faust fremd? Was der gute Hamlet wohl dazu meint?
bernie_witzbold 20.01.2018
2. Ophelia...
... ertrinkt im „Hamlet“ und nicht im „Faust“. Sonst aber schön geschrieben wie immer... - - - - - - - - - Danke, wir haben den Fehler korrigiert. MfG Redaktion Forum
schokohase123 20.01.2018
3. Distanzierung, pünktlich wie die Maurer
Und hübsch pünktlich, wie jedes Jahr, setzt bei Massen von Möchtegerngebildeten der systemimmanente Distanzierungsreflex ein. Sich Boulevardthemen zu nähern, geschieht in der Regel distanziert, per Draufsicht, das Spektrum reicht von ironisch bis angeekelt. Gerade in der Medienkritik greift der vermeintlich gebildete Deutsche oft und gern auf diese Perspektive zurück und sieht doch dabei nicht, wie albern er sich selbst damit macht.
womo88 20.01.2018
4. Urban Priol zum Camp
"Wenn ich dazu von RTL eingeladen werde und bekomme ein Anruf, dann weiß ich: Jetzt biste ganz unten angekommen."
fleischzerleger 20.01.2018
5.
Zitat von schokohase123Und hübsch pünktlich, wie jedes Jahr, setzt bei Massen von Möchtegerngebildeten der systemimmanente Distanzierungsreflex ein. Sich Boulevardthemen zu nähern, geschieht in der Regel distanziert, per Draufsicht, das Spektrum reicht von ironisch bis angeekelt. Gerade in der Medienkritik greift der vermeintlich gebildete Deutsche oft und gern auf diese Perspektive zurück und sieht doch dabei nicht, wie albern er sich selbst damit macht.
Nach einer Betriebsfeier und dem Gucken der nächtlichen Wiederholung ist das genau das Textniveau, das ich ohne meinen ersten Kaffee gerade noch verstehe.
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