Von Arno Frank
Wie war der Tag? Das Wichtigste aus dem Camp...
...war "das Sams mit der Haarverlängerung". Georgina erklärt, warum sie so schrecklich beleidigt war über diese Formulierung vom Vortag, die in einem Brief an Fiona stand: "Die haben mir diesen Kosenamen gegeben, die haben mich schon vorher das Sams genannt", zumal sie früher, als "dickes Kind", ausgesehen habe wie die nervtötende Kinderbuchfigur. Den Beinamen wird Georgina nicht mehr los, bis ihre 15 Minuten vorbei sind. Derweil könnten echte Journalisten mal recherchieren, ob der Oetinger-Verlag schon über eine neue Auflage oder Paul Maar über ein neues Buch nachdenkt: "Ich bin ein Sams, holt mich hier raus".
Wie schön - die Hoffnungsträgerin des Tages war
Fiona, die wegen ihrer allzu plauderfreudigen Freunde (Stichwort: "Sams") allmählich in die Rolle der "roten Hexe" hineinwächst, daran reift - beziehungsweise so ist wie immer, nur von der Regie eben anders dargestellt wird. Zum Ausgleich sagt Fiona krasse Dinge wie "Ist das scheiße oder ist das scheiße, Alter?", wahlweise auch "Ist das krass oder ist das krass, Alter?", wobei mit "Alter" auch eine Frau gemeint sein kann. Oder halt der handelsübliche "alte Schwede".
Wie unsozial - die Therapieverweigerin des Tages war
Olivia, die sich allen therapeutischen Maßnahmen verweigert und sprichwörtlich rund um die Uhr lästert, sogar im Leerlauf: "Ich hoffe für Fiona, dass sie mal eine Prüfung bekommt, die ihr mal das Maul stopft, egal was." Besonders schön war das nächtliche Getuschel und gedämpfte Gezischel zwischen Georgina und Olivia, ganz leise, quer durch die Boulevardpresse, von Boris Becker über Sabrina Setlur und wen auch immer, bevor Olivia feststellt: "Siehste ma: Wenn man lästert, geht die Zeit auch schneller rum." Womit eines der Betriebsgeheimnisse der Sendung ausgeplaudert wäre.
Wie bitter - Alk? Sex? Pillen? Verboten! Die Abstinenz führte
diesmal in eine "Hütte voller Alkohol", darin Patrick und Georgina übernachten durften. Ein rechtes Liebesnest mit Picknickkorb, Rotwein, richtigen Betten und dem Haken, dass immer wieder Tiere auftauchen, denen man in einer Hütte voller Alkohol nicht begegnen will. Handtellergroße Spinnen, gewöhnliche Ratten, Grashüpfer. Eine "Cabin In The Woods" sozusagen, alptraumhaft in Nachtsicht aufgenommen. "Das ist die Therapie meines Lebens hier", behauptet Georgina: "Die wollen mich fertigmachen." Am Ende schlafen alle, sogar die Ratten.
Wie gefährlich - einen Rückfall in böse Vor-Camp-Zeiten erlebte
Claudelle. Sie hätte einfach das glibberige Fischauge essen müssen, und sie hat es sogar versucht: "Ich kann dir nur raten, fest draufzubeißen", kann der Hartwich nur raten. Claudelle kaut und schlürft und knabbert, allein: "Daff iff total hart", das könne sie unmöglich essen, wie sie mit vollem Mund klagt. Und so bekommt sie, obschon das Auge bis auf den mutmaßlich stahlharten Sehnerv ausgeschlürft ward, nicht einmal den begehrten Stern. Und so kehrte Claudelle weinend und würgend ins Camp zurück, einmal mehr mit der Vergeblichkeit allen Strebens konfrontiert, ausgebrannt, leer
Wie unvergesslich - die schönste Therapiemaßnahme des Tages...
war wieder das Verspeisen entsetzlicher Speisen. Fiona stellt klar: "Ich hab' mir geschworen, ich stecke mir keine Genitalien in den Mund, wenn's nicht mein Mann ist." Und sie denkt sich: "Ich denke mir: Ich habe irgendwann Kinder, und dann sehen die, dass ich einen fremdem Schwanz im Mund hatte", wenn auch nur den eines Kamels, es handelt sich ja nicht um Pornografie. Fiona absolviert die Folter unter viel Adrenalin vorbildlich.
Wie weiter - wenn Georgina zurück ins normale Leben will, muss sie noch lernen
dass ihre Verfügungsgewalt über die Türpolitik in der Ausgehszene der Hauptstadt möglicherweise geringer ist, als sie annimmt. Umso interessanter die milieutypische Rachephantasie, mit der sie den ominösen Gerome oder Jerome (Ja, der sie ein "Sams" genannt hat) bedachte: "Der kommt in Berlin in keinen Club mehr rein, aber sowas von."
Wie treffend - den schönsten Satz des Abends sagte...
Georgina, nachdem sie enthüllt hat, einmal beinahe als Tarnfreundin für einen homosexuellen Fußballer engagiert worden zu sein: "Es gibt ja nix Geileres als eine Beziehung zu 'nem schwulen Fußballer." Weil, "der hat Geld" und man hat als Frau nicht nur seine Ruhe, sondern kann nebenbei auch noch einen Freund haben. Wo sie recht hat
Wie erbaulich - das wichtigste gruppendynamische Ereignis...
blieb aus. Das Wort Dynamik kommt vom altgriechischen "dýnamis" und bedeutet schlicht: Kraft, und genau die scheint im Camp kaum einer mehr zu haben. Ganz bestimmt nicht Iris Klein - die verabschiedete sich nach mauer Performance endgültig aus dem Camp.
Wie anregend - die Reha-Mitglieder Zietlow und Hartwich waren...
...zueinander zärtlich wie immer. Wie nebenbei bemerkt sagt die Zietlow zum Hartwich: "Deine Brille beschlägt", und tatsächlich beschlägt das Fensterglas in der "Instant Intellectual"-Brille. So hot, man hörte es zischen, dagegen wirkte "Die Reifeprüfung" wie die jüngste "Sams"-Verfilmung. Dazu passend und wegen der großen Resonanz daheim in Deutschland trug die Zietlow wieder ihr Dekolleté bis hinunter zum Nabel. Wie tief wird es noch sinken?
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