Dschungelcamp, Tag 15 Hurra, das Ende ist nah

Das RTL-Dschungelcamp ist die größte Therapiemaßnahme für Ex- und Fast-Promis im deutschen TV. Im Reha-Check werden die Chancen der Insassen auf ein neues Leben bewertet. Tag 15: Es geht spürbar dem Ende entgegen, die Dramaturgie macht bereits schlapp.

RTL

Wie war der Tag? Das Wichtigste aus dem Camp...

... war das bevorstehende Ende der ganzen Veranstaltung. Die verbliebenen Gestalten blicken milde zurück und verkaufen sich noch einmal. Joey hat gelernt, "dass ich ein Kämpfer bin". Olivia ist froh, dass sie es geschafft hat, "hier über so viele Tage hinweg als schrilles Huhn zu funktionieren". Am Ende kommentierte Fiona ihre Rauswahl so schwungvoll und optimistisch, als hätte sie zuvor den Kurs "Verlieren - aber gut und richtig" besucht. Ansonsten sorgten 25 Grad im tropischen Regen angeblich für Verdruss und Sehnsucht nach der Heimat. Jaja, die Grünheit des Grases auf der anderen Seite …

Wie schön - der Hoffnungsträger des Tages war…

… Joey, dem endlich auch mal jemand erkennbar auf die Nerven geht (Fiona). Nachdem das sympathische Küken sich bisher hinter dem Schutzschild seiner Schlichtheit aufgehalten hat, lässt er nun seinen Idiosynkrasien ihren Lauf. Immer häufiger schimmert auch der Spießer durch, der er einmal sein könnte, wenn er groß wird: "Wir müssen uns ein bisschen zusammenreißen, weil: Wir sind im deutschen Fernsehen, uns sehen Millionen von Menschen."

Wie unsozial - die Therapieverweigerin des Tages war…

… Claudelle, die sich eigentlich überhaupt nicht "entwickelt" hat. Wo doch die "Entwicklung" der Teilnehmer angeblich das vornehmste Ziel dieser Sendung ist. Claudelle blieb sich in ihrer wie aus purer Ratlosigkeit bewahrten Mädchenhaftigkeit immer gleich. Jüngst gestand sie sogar, weil's eh schon egal ist, ihr wahres Alter ein.

Wie bitter - Alk? Sex? Pillen? Verboten! Die Abstinenz führte…

… zu Ausgelassenheit bei allen Beteiligten, als anlässlich von Claudelles Geburtstag tatsächlich Champagner (oder wenigstens Sekt) spendiert wurde. Wobei die Vorfreude auf das Fastenbrechen mit seinen obligatorischen Euphoriebekundungen ("Whoo-whoo", "Yeah!" und "Alter, wie geil ist das denn?") dann auch schon der Höhepunkt war. Danach wurden nur noch Gassenhauer abgesungen.

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Die RTL-Camper 2013: Was bisher im Dschungel geschah
Wie gefährlich - Einen Rückfall in böse Vor-Camp-Zeiten erlebte…

… Olivia, der man deutlich anmerkt, dass sie bereits weiß, dass sie das Ding gewinnen und die Dschungelkrone holen wird. Kämpft sie doch schon seit zwei Wochen "mit den Mitteln einer Frau und der Brutalität eines Mannes", alle anderen als "Hasen" und sich selbst konsequent als "Mutti" oder "Muddi" bezeichnend - auch wenn niemand ihr den Gefallen tun mochte, diese Selbsteinschätzung zu teilen.

Wie unvergesslich - die schönste Therapiemaßnahme des Tages ...

… war die "Schatzsuche" im strömenden Regen. Die verbliebenen beiden Männer, Olivia und Joey, hatten einen Plexiglas-Sarkophag ins Camp zu transportieren, in dem Kakerlaken die für Claudelle bestimmte Geburtstagstorte verspeisten, bevor Claudelle sie verspeisen konnte. Oder, um es mit Joey zu sagen: "Irgendwelche Müllwürmer und Hardcore-Kakerlaken, die auf den Kuchen kacken."

Wie weiter - Wenn Joey zurück ins normale Leben will, muss er noch lernen …

… die Finger vom Singen zu lassen. Wirklich. DSDS hin oder her. Während beim Geburtstagsfest alle Schlager vom Kaliber "Es steht ein Pferd auf'm Flur" oder "Polonaise Blankenese" intonierten, versuchte Joey immer wieder, mit einer angesoulten Acapella-Version des auch ganz ohne Soul schon bedenklichen Sting-Hits "Fields Of Gold" die Stimmung mit Besinnlichkeit zu torpedieren. Wurde niedergebuht.

Wie treffend - den schönsten Satz des Abends sagte...

Joey sinniert über eine triumphale Rückkehr aller Insassen nach Deutschland: "Ich glaube, die sind froh, wenn sie uns sehen". Olivia: "Die sind froh, wenn sie uns nicht mehr sehen".

Wie erbaulich - das wichtigste gruppendynamische Ereignis ...

… war der Sekt, der anlässlich von Claudelles Geburtstag spendiert wurde. Und die kaum verhohlene Freude auf lukrative "Werbeverträge" nach Ende des Dschungelcamps. Es geht also um die Ökonomie der Aufmerksamkeit und den Verbleib im medialen Quatschzirkus. Aus diesem Anlass fallen dann Sätze, wie man sie vielleicht von der Intensivstation kennt: "Is' okay, is' wirklich okay so" oder "Jeder Tag zählt" oder "Es war wichtig, was ich hier davon mitgenommen haben".

Wie anregend - die Reha-Mitglieder Zietlow und Hartwich waren ...

... am Ende mit Lust und Nerven. Vor allem Hartwich ließ in der Live-Schaltung seinen autoritären Charakter von der Leine und stauchte den etwas unaufmerksamen Joey zusammen wie ein Lehrer seinen Schüler. Umgekehrt macht das affektierte "Ha-lloooo" der Zietlow keinen rechten Spaß mehr, dieses "Ha" im Falsett, gefolgt von einem eine Oktave tiefer geträllerten "llooo" mit Vibrato. Da kann Olivia noch was lernen.

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schnüffelstück 26.01.2013
1. Die Volksseele ist begeistert
Zitat von sysopRTLDas RTL-Dschungelcamp ist die größte Therapiemaßnahme für Ex- und Fast-Promis im deutschen TV. Im Reha-Check werden die Chancen der Insassen auf ein neues Leben bewertet. Tag 15: Es geht spürbar dem Ende entgegen, die Dramaturgie macht bereits schlapp. http://www.spiegel.de/kultur/tv/dschungelcamp-tag-15-a-879715.html
Letztendlich können die heutigen Reality-Shows auf einem reichhaltigen kulturindustriellen Erfahrungsfundus in Manipulation und Verblödung aufbauen. Das hat zu einer stärkeren Ausdifferenzierung dieser Spektakel geführt, die schon aufgrund der immer schnelleren Abstumpfungs- und Abnutzungseffekte beim sedierten Massenpublikum notwendig ist. Folglich muss die Dosis an Sadismus und Ekeleffekten permanent erhöht werden, da sich auch beim Dschungelcamp bereits erste Abnutzungserscheinungen einstellen. Wir können uns folglich sicher sein, dass die Fernsehsender bereits an entsprechend "schärferen" Nachfolgeformaten arbeiten, mit denen ein noch größeres Ausmaß an Menschenverachtung etabliert werden wird. Bloch vs. Dschungelcamp | Telepolis (http://www.heise.de/tp/artikel/38/38405/1.html)
Liechtenstein 26.01.2013
2. Fiona ist raus
Dem Dschungelgott sei Dank: Fiona ist raus. Kann RTL mal den Mann von Fiona vor die Kamera zerren? Möchte mal wissen wer es freiwillig mit Fiona aushält... --- Interessant war noch das Gespräch am Lagerfeuer von Olivia und Fiona. ---- Grundsätzlich sollte RTL mal das Konzept überarbeiten. Es wäre spannender wenn alle "Promis" bis zum Ende im Camp bleiben. Dadurch ist die ganze Sache dynamischer...
tylerdurdenvolland 26.01.2013
3. Die wahrheit, und nichts als die wahrheit....
Zitat von sysopRTLDas RTL-Dschungelcamp ist die größte Therapiemaßnahme für Ex- und Fast-Promis im deutschen TV. Im Reha-Check werden die Chancen der Insassen auf ein neues Leben bewertet. Tag 15: Es geht spürbar dem Ende entgegen, die Dramaturgie macht bereits schlapp. http://www.spiegel.de/kultur/tv/dschungelcamp-tag-15-a-879715.html
"Hurra, das Ende ist nah" Nicht dass ich bei sowas auch nur eine einzige sekunde reinschauen würde, aber wo der SPON recht hat, da hat er recht!
mangeder 26.01.2013
4. Ein Hoch auf den Autor
Jetzt muss ich aber mal den SPON-Autor Arno Frank wirklich loben. Seine Beobachtungen waren bisher immer sehr treffend. Er hat jetzt sogar dieses spezielle "Ha-lloooo" von Frau Zietlow so exakt beschrieben, dass sich selbst Leute, welche das noch nie mitbekommen haben, darunter etwas vorstellen können. Der Spiegel hat hier wirklich einen Autor, der über eine Sendung schreibt.. .Achtung!...die er WIRKLICH AUFMERKSAM VERFOLGT hat! Wer jetzt glaubt, das wäre doch eine Selbstverständlichkeit für einen Journalisten, der hat wohl noch nie die schlechtrecherchierten, unzutreffenden, miserablen Texte von Film und Fernseh Schreiberlingen anderer Medien gelesen.
Social_Distortion 26.01.2013
5.
Zitat von LiechtensteinDem Dschungelgott sei Dank: Fiona ist raus. Kann RTL mal den Mann von Fiona vor die Kamera zerren? Möchte mal wissen wer es freiwillig mit Fiona aushält... --- Interessant war noch das Gespräch am Lagerfeuer von Olivia und Fiona. ---- Grundsätzlich sollte RTL mal das Konzept überarbeiten. Es wäre spannender wenn alle "Promis" bis zum Ende im Camp bleiben. Dadurch ist die ganze Sache dynamischer...
Alle bis zum Schluss im Camp - das hätte was. Und das Ganze mit dauerhaftem Telefonvoting für die Kandidaten, und zum Schluß werden alle Anrufe zusammengezählt. Wahrscheinlich wird das aber nichts werden, denn bei so vielen Leuten im Camp würde das täglich wie Manna vom Himmel fallende Catering zu teuer... ;)
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