Wie war der Tag? Das Wichtigste aus dem Camp...
... war das bevorstehende Ende der ganzen Veranstaltung. Die verbliebenen Gestalten blicken milde zurück und verkaufen sich noch einmal. Joey hat gelernt, "dass ich ein Kämpfer bin". Olivia ist froh, dass sie es geschafft hat, "hier über so viele Tage hinweg als schrilles Huhn zu funktionieren". Am Ende kommentierte Fiona ihre Rauswahl so schwungvoll und optimistisch, als hätte sie zuvor den Kurs "Verlieren - aber gut und richtig" besucht. Ansonsten sorgten 25 Grad im tropischen Regen angeblich für Verdruss und Sehnsucht nach der Heimat. Jaja, die Grünheit des Grases auf der anderen Seite
Wie schön - der Hoffnungsträger des Tages war
Joey, dem endlich auch mal jemand erkennbar auf die Nerven geht (Fiona). Nachdem das sympathische Küken sich bisher hinter dem Schutzschild seiner Schlichtheit aufgehalten hat, lässt er nun seinen Idiosynkrasien ihren Lauf. Immer häufiger schimmert auch der Spießer durch, der er einmal sein könnte, wenn er groß wird: "Wir müssen uns ein bisschen zusammenreißen, weil: Wir sind im deutschen Fernsehen, uns sehen Millionen von Menschen."
Wie unsozial - die Therapieverweigerin des Tages war
Claudelle, die sich eigentlich überhaupt nicht "entwickelt" hat. Wo doch die "Entwicklung" der Teilnehmer angeblich das vornehmste Ziel dieser Sendung ist. Claudelle blieb sich in ihrer wie aus purer Ratlosigkeit bewahrten Mädchenhaftigkeit immer gleich. Jüngst gestand sie sogar, weil's eh schon egal ist, ihr wahres Alter ein.
Wie bitter - Alk? Sex? Pillen? Verboten! Die Abstinenz führte
zu Ausgelassenheit bei allen Beteiligten, als anlässlich von Claudelles Geburtstag tatsächlich Champagner (oder wenigstens Sekt) spendiert wurde. Wobei die Vorfreude auf das Fastenbrechen mit seinen obligatorischen Euphoriebekundungen ("Whoo-whoo", "Yeah!" und "Alter, wie geil ist das denn?") dann auch schon der Höhepunkt war. Danach wurden nur noch Gassenhauer abgesungen.
Olivia, der man deutlich anmerkt, dass sie bereits weiß, dass sie das Ding gewinnen und die Dschungelkrone holen wird. Kämpft sie doch schon seit zwei Wochen "mit den Mitteln einer Frau und der Brutalität eines Mannes", alle anderen als "Hasen" und sich selbst konsequent als "Mutti" oder "Muddi" bezeichnend - auch wenn niemand ihr den Gefallen tun mochte, diese Selbsteinschätzung zu teilen.
Wie unvergesslich - die schönste Therapiemaßnahme des Tages ...
war die "Schatzsuche" im strömenden Regen. Die verbliebenen beiden Männer, Olivia und Joey, hatten einen Plexiglas-Sarkophag ins Camp zu transportieren, in dem Kakerlaken die für Claudelle bestimmte Geburtstagstorte verspeisten, bevor Claudelle sie verspeisen konnte. Oder, um es mit Joey zu sagen: "Irgendwelche Müllwürmer und Hardcore-Kakerlaken, die auf den Kuchen kacken."
Wie weiter - Wenn Joey zurück ins normale Leben will, muss er noch lernen
die Finger vom Singen zu lassen. Wirklich. DSDS hin oder her. Während beim Geburtstagsfest alle Schlager vom Kaliber "Es steht ein Pferd auf'm Flur" oder "Polonaise Blankenese" intonierten, versuchte Joey immer wieder, mit einer angesoulten Acapella-Version des auch ganz ohne Soul schon bedenklichen Sting-Hits "Fields Of Gold" die Stimmung mit Besinnlichkeit zu torpedieren. Wurde niedergebuht.
Wie treffend - den schönsten Satz des Abends sagte...
Joey sinniert über eine triumphale Rückkehr aller Insassen nach Deutschland: "Ich glaube, die sind froh, wenn sie uns sehen". Olivia: "Die sind froh, wenn sie uns nicht mehr sehen".
Wie erbaulich - das wichtigste gruppendynamische Ereignis ...
war der Sekt, der anlässlich von Claudelles Geburtstag spendiert wurde. Und die kaum verhohlene Freude auf lukrative "Werbeverträge" nach Ende des Dschungelcamps. Es geht also um die Ökonomie der Aufmerksamkeit und den Verbleib im medialen Quatschzirkus. Aus diesem Anlass fallen dann Sätze, wie man sie vielleicht von der Intensivstation kennt: "Is' okay, is' wirklich okay so" oder "Jeder Tag zählt" oder "Es war wichtig, was ich hier davon mitgenommen haben".
Wie anregend - die Reha-Mitglieder Zietlow und Hartwich waren ...
... am Ende mit Lust und Nerven. Vor allem Hartwich ließ in der Live-Schaltung seinen autoritären Charakter von der Leine und stauchte den etwas unaufmerksamen Joey zusammen wie ein Lehrer seinen Schüler. Umgekehrt macht das affektierte "Ha-lloooo" der Zietlow keinen rechten Spaß mehr, dieses "Ha" im Falsett, gefolgt von einem eine Oktave tiefer geträllerten "llooo" mit Vibrato. Da kann Olivia noch was lernen.
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