Dschungelcamp Tag 2 Ich hab Konfro!

Nur gemeine Menschen behaupten, Kandidaten bei "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" seien minderbegabte Jobflüchtlinge. In Wahrheit haben die Dschungel-Camper viele verborgene Berufsbegabungen: vom Kopf-Froster bis zum Fummeltrainer.

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RTL/ Stefan Menne

Große Erleichterung am zweiten Dschungeltag: Der Wüste lebt! Am Einzugstag hatte der matte, schwerstüberforderte Gunter in weiten Teilen noch an eine olmige Version des massig herumsitzenden Steinbeißers aus der "Unendlichen Geschichte" erinnert, nun interviewte ihm der erfahrene Heilfrager Ricky die Lebenskraft zurück ins welke Fleisch. Wie war das denn genau mit Gunters Freundschaft zu Johnny Cash, wollte er von ihm wissen, und wie ein moribundes Salamipferd, das plötzlich noch einmal die scheppernde Musik seiner alten Zirkusnummer hört, raffte Gabriel sich auf und trabte zurück in die Manege, ist diese Legendenbekanntschaft doch eines seiner liebsten Paradethemen. "Gigantisch, gigantisch!", ankerte Ricky, während David zum ersten Mal im Leben von Johnny Cash hörte und sogleich Namensexegese betrieb: Ganz klar, das müsse jemand sein, der tüchtig Geld scheffele.

Das war dann also gerade noch einmal gut ausgegangen, Gunters Lethargie hatte bei David fast schon gefährliche Erinnerungen an Berufswünsche aus seiner Kindheit getriggert. "Was hast du eigentlich gelernt", fragte Ricky. "Ich wollte Ding studieren - Medizin, Gentechnik", antwortete David, vor allem in der Vorratsfrostung habe er seine Zukunft gesehen und das auch schon mit seinen Eltern besprochen, die daraufhin vermutlich jede Nacht von innen die Kommode vor die Schlafzimmertüre schoben: "Mama und Papa, irgendwann werde ich eure Köpfe einfrieren, und brauche dafür sehr viel Geld, damit ihr ewig leben könnt!" War das kindliche Technologiegläubigkeit oder doch ein präpubertärer Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Trick des womöglich schon damals extrem auf Geld fixierten Ortega-Knaben?

So viel Trottelgold

Ein (noch näher zu überprüfendes) Abizeugnis von 3,0 legte die Kühl-Karriere auf Eis, auch mit dem ersatzweise für etwa fünf Minuten anvisierten Architekturstudium wurde es nichts, weswegen David nach dem Dschungel nun den einzig logischen, verbleibenden Beruf ergreifen wird: "Ich mach ne Burgerbude auf. Mit allem, was ich liebe: Ketchupburger - alles auf Veganstyle." Veganer nämlich seien "ein hochintelligentes Volk", dusselt David vor sich hin, und zuhause mag man sein Glück gar nicht glauben bei so viel Trottelgold. Alaaf, Helau, Kasallamarsch!

Auch Thorsten überraschte mit bislang verborgenen Berufsideen: Offenbar könnte er sich auch eine Tätigkeit als Beischlaf-Berater vorstellen. Nachdem Menderes erzählt hatte, mit 29 Jahren noch Jungfrau zu sein, nahm sich Testo-Thorsten der Sache an ("Aber du hast doch Klötze in der Hose!") und erklärte ungut plastisch, der noch selig schlummernden Menderes-Männlichkeit auf die Sprünge helfen zu wollen. "Wenn ihn jemand führen würde, mit der Hand!", sinnierte der Gender-Coach - "Ich helf' dem mal gleich, ich mach das schon." Wie sein Koitus-Consulting im Detail aussehen wird, blieb noch im Unklaren, aber vielleicht kann hier der revitalisierte Gunter beispringen und mit Menderes eine neue Version des alten Gabriel-Bespring-Stücks "Komm unter meine Decke" einsingen. Das wäre doch eine schöne Kollaboration.

Mit den Füßen in den Krebsbottich

Beziehungsweise: Eine schöne Kollabo, wie man in Rapper- und vermutlich auch Sozialfahnderkreisen sagen würde. "Ich hatte ne kleine Konfro mit der Nathalie", gab Helena als möglichen Grund dafür an, dass sie von den Zuschauern in die Dschungelprüfung gewählt wurde, und dieses schöne neue Wort trägt man sich doch gerne gleich in das Vokabelheft für all die neu vom Dschungelcamp gelernten Begriffe ein. Zum Glück braucht man dafür nur ein ganz kleines.

Vielleicht, munkelt die finstere Fürstin Höllena mit heiserem Sulfurlachen weiter, ist ihre Nominierung aber auch die Rache der früher mal sendungsbedingt von ihr verfolgten Sozialschmarotzer, vermutlich haben die alle mit ihren feinen, dem betupptem Amt abgerungenen iPhones angerufen, man kennt diese Brüder. Die Prüfung selbst, die Helena nach dem neuen Zwei-Camp-Prinzip im Duell mit Sophia bestehen soll, ist allerdings verhältnismäßig harmlos: Sie müssen verschiedene Tierchen mit ihren diversen Körperteilen erfühlen: mit den Füßen in den Krebsbottich und dem Gesicht in den Echsentrog, dann mit der Zunge im vollen Madenmund herumschlängeln, was irgendwie an erotisches Flipsessen erinnerte.

Helena kommt dabei nur so mittel klar, sie kennt sich von Berufswegen ja auch eher mit Ratenzahlung als mit Rattenzählung aus. Der schönste Moment der Prüfung (gleich hinter Daniel Hartwichs zunehmend wombelartigeren Frisur und seinem kleinen, verräterischen Verplapperer beim Echsen-Count): Sonja Zietlow klaubt hilfreich Kakerlaken aus Sophias Bebusung.

Das mit Schenny ...

Wobei man sie wirklich nicht auf ihr Obenrum reduzieren sollte, auch sie wartet in dieser schönen Berufsberatungs-Sondersendung mit versteckten Talenten auf: beherzte Paarberatung nämlich. Mit eventuell gar nicht mal so übel gespielter Besorgnis nahm Sophia sich nämlich - Entschuldigung - Jenny zur Brust: "Ich muss Schenny ansprechen", hatte sie vorher Brigitte eröffnet - weil sie, Sophia, auf dem Flug beobachtet hatte, wie Schennys Mann sich ausgiebig angeschnapselt hätte, was für Schenny als ehemalige Alkoholikerin doch sicher nicht gesund sei.

Jenny: Du warst doch gar nicht im Flieger! Sophia: Stimmt, aber ich habe Kontakte hier!

"Das mit Schenny und ihrem Mann könnte schon tragisch enden", resümiert am Ende die Puffbesitzergattin, deren Mann Vorstrafen bedingt nicht nach Australien einreisen durfte.

So weit, so prächtig. Einen kleinen Wunsch an die anrufenden Sozialschmarotzer mit ihren Schnorrphonen vielleicht noch: Es wird nun langsam Zeit, Thorsten in eine Dschungelprüfung zu schicken, damit es endlich mal losgeht, Kasalla-mäßig, denn dazu braucht es offenbar den Ego-Schub, den ihm ein Sieg im Prüfungsduell verpassen würde. Was passiert, wenn er versagt, mag man sich gar nicht erst ausmalen. Wird bei Thorsten "Ein Legat"-Legat aber nicht vorkommen.

Eher holt uns alle im Schlaf der Todesfrosch.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

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Dschungelcamp 2016: Kandidaten im Check

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insgesamt 254 Beiträge
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Seite 1
dori67 17.01.2016
1. Klasse Artikel
Super geschrieben, weiter so
tommit 17.01.2016
2. Muss man das auch sehen
um die Inhalte zu erahnen Ist meiner Meinung nach so langsam wie das Promi Dinner und bei Autos.... Je höher der Buchstabe vor dem Promi desto... A B C .... desto mehr muss reingeskriptet werden..
erzrotti 17.01.2016
3. Unterste Schublade
Diese Macher und diese Akteure bilden hoffentlich nicht Deutschlands Zukunft ab?! Ich habe öfters mal die Möglichkeit, mir im italienischen Fernsehen die Unterhaltungssendungen anzusehen. Die haben das gute Niveau, welches auch mal in Deutschland vorhanden war, weiterentwickelt. Aber das hier geht doch gar nicht! Das ist unterste Schublade!
cindy2009 17.01.2016
4. Sehen muss
Das muss man gesehen haben, sonst gibt der Artikel nicht genug her.
steinbock8 17.01.2016
5. diese ganze Sendung ist ein Fake
und hat mit Dschungel überhaupt nichts zu tun das einzigste was ich mir vorstellen kann für die c Promis ist eine therapeutische Wirkung mit Selbsterfahrung bei dem ganzen Mist den sie da freiwillig machen
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