Dschungelcamp - Tag 3 Endlich Kopulationsverhandlungen!

Ein laues, allzu laues Lüftchen weht durch den Dschungel. Und die Camper tun, was Menschen eben so machen, wenn ihnen fad ist: Sie werden anatomisch.

RTL

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Größte Überraschung: Sandra bekommt eine Sprechrolle! "Da sind Kröten! Mehrere Kröten! Fickende Kröten!" darf die heiße Anwärterin auf den Nicole-Mieth-Schweigeorden mit leicht schleifender Overacting-Kupplung skandieren. Und der Zuschauer fällt vor Überraschung angesichts ihrer Existenz synchron mit Giuliana von der Liege.

Melancholischster Moment: Apropos stürzen: Auch Sydney kommt fast zu Fall, als er nachts zusammen mit Tatjana nach der Schlafstätte von Daniele sucht, ächzend bricht er durch die Deckung und zeigt einen schönen Larissa-Marolt-Gedächtnis-Stolperer mit halber Arabeske. Es geht ihr übrigens gut, der Schmerz ist ja immer bei denen, die zurückbleiben, nicht bei denen, die uns verlassen:

Bester Liebe-Kinder-und-das-passiert-wenn-ihr-in-der-Schule-nicht-aufpasst-Moment: David fragt Giuliana, ob sie nach ihrer Geschlechtsanpassungsoperation schwanger werden kann. Als sie verneint, glimmt bei ihm kurz die Erkenntnis auf: "Stimmt, wenn du'n Typ gewesen wärst, hätt's ja auch nicht geklappt." Die Unterrichtseinheit "Wir kennen und benennen Geschlechtsorgane" müsste er eventuell trotzdem noch mal wiederholen: "Da wird dann quasi alles umgeformt aus dem und dann haste dann so was." Insgesamt erstaunlich, wie detailliert David "meine Trennung geht euch nichts an" Friedrich in diese Vaginalsondierungsgespräche geht: "Du kannst mit Männern schlafen, ganz normal, ne?"

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Dschungelcamp Tag 3: Ein sozialkritisches Kammerspiel

Bester Liebe-Kinder-und-das-passiert-wenn-ihr-raucht-Moment: Daniele, das dauerquarzende Zigarettenbürscherl, entdeckt sein Potenzial als Hand-Model für diese schlimmen Bildchen auf den Kippenschachteln: "Mir ist aufgefallen, meine Hand ist so extrem gelb. Warum ist die denn so gelb?"

Wenn die Dschungelprüfung eine Autopanne wäre, wäre sie… ein Kolbenfresser. Matthias orgelt ein Weilchen vergeblich, dann muss der Mann im Maiskolben-Badestrampler (den man vor dem nächsten betrunkenen Onlineshopping dringend noch aus dem Gedächtnis bekommen muss) einsehen: Hier zündet nichts, denn er bekommt schon beim Abstieg in den Teich Beklemmungen. Eigentlich sollte er durch ein Unterwasser-Kammernsystem tauchen, aber der Zehn-Sterne-Krakeeler vom Vortag muss kleinlaut einräumen: "Ich kann es nicht. Ich habe Angst vor gewissen Sachen, und ich kann gewisse Sachen einfach nicht machen, das ist einfach so." Man könnte von so viel gut menschlicher Schwäche gerührt sein, aber wir sind hier ja nicht bei der Heilsarmee: Matthias muss morgen natürlich wieder ran.

Rätselhaftestes Camp-Wesen: Sydney. Ein menschgewordenes Mash-up aus dem (leicht geschlechtsangepassten) "Der immer lacht" und dem herrlichen Udo Jürgens-Schluchzer "Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint". Der gefühlsbinäre Bewohner ist stets entweder sehr glücklich oder sehr traurig - und der singende Patronus von Matthias, der sich immer dann manifestiert, wenn der eine kleine Emo-Stärkung braucht. Vor der Prüfung singt Sydney für ihn den Empowerment-Jingle "Du bist einfach stahaaaahrk!", nach der Generalvergeigung tröstet er ihn mit "Don't you worry 'bout a thing". Hach, Sydney! Jeder sollte einen haben.

Nervigste Szene: Das Dschungelcamp ist ja eigentlich als kleine Parallelwelt gedacht, in der wir bei unseren allabendlichen Besuchen kurz verschnaufen können vor den ganzen belastenden Mistdingen der realen Welt. Aber natürlich stellt der Dschungel auch wie ein sozialkritisches Krippenspiel all das im Kleinen nach, was im Großen so schiefläuft. Etwa, wenn Ansgar noch einmal seine Stumpf-Aussage von vor dem Einzug wiederholt, dass er mit Kattia am liebsten erst schlafen und dann reden wolle. "Frauen ist mit das Coolste, was diese Welt hat", spachtelt er kurz später etwas Kittschmalz über seine Scharte. Aber es bleibt noch viel zu tun, solange Tatjana Matthias' Scheitern völlig überzeugt einfach so erklärt: "So'n Tier wie Legat, klar, der stürzt da rein! Aber der ist ne Kampfmaschine, und du bist ein Mädchen."

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Dschungelcamp 2018: Das sind die Kandidaten der 12. Staffel

Verstörendster Ö-Li-Moment: Die leidenschaftlichste öffentliche Liebesbekundung zeigen zwei Protagonisten, von denen man es am wenigstens erwartet hätte: Nach Matthias' Prüfungsverweigerung macht Daniel Hartwich eine Arschbombe in den kaum angebrochenen See und balgt sich anschließend pudelnass mit Sonja. Ein herzerwärmender Moment, der einen schrecklichen Verdacht nahelegt: Die Moderatoren scheinen Menschen zu sein, und das können wir nun wirklich nicht brauchen.



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docolli 22.01.2018
1. herzerfrischend
Liebe Frau Rützel, ich danke Ihnen! Wenn man Ihren wirklich herzerfrischenden Artikel gelesen hat, kann man sich diesen ganzen Dschungelcamp-Mist sparen.
argumentumabsurdum 22.01.2018
2. Jetzt habe ich es begriffen!
Ich gebe zu, ich habe etwas länger gebraucht um das neue Konzept zu verstehen, aber jetzt hab ich's. Ich war ein wenig entäuscht, dass diesmal keine Prominenten dabei sind; ich kannte nur Sidney Youngblood (und den habe ich noch mit Haddaway verwechselt). Aber die Komik entfaltet sich ja gerade aus dem Umstand, dass man diesen Menschen eingeredet hat, sie wären prominent! Wir sehen einer zweiwöchigen Gruppentherapesitzung zu, bei der Leute die sich für Napoleon halten, miteinander interagieren müssen. Finde ich spannend, in früheren Staffeln gab es immer noch den einen oder anderen ehemaligen Promi, damit die anderen nichts merken. Und jetzt dieses Experiment, ganz darauf zu verzichten. Bin schon gespannt darauf, wann bei den ersten das Bewusstsein einsetzt...
dasfred 22.01.2018
3. Also das überzeugende an Ansgar
war ja die Aussage, wenn man erst mit der Frau schläft, kann man sich entspannter unterhalten. Eventuell das Vorspiel zu gereifter Konversation. Außerdem war die Mathias Show gestern Super. Viel Text, etwas Wasser, keine Viecher und ganz viel Sendezeit. Hochprofessionell, so spielt ein Trash Star die Konkurrenz an die Wand.
fleischzerleger 22.01.2018
4.
Die Tiere im Wasser atmeten erleichtert auf, als Matthias wieder aus dem Becken stieg. Und auch ich, ich hätte die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf bekommen, die entstanden wären, wenn er irgendwo mit seinem Badeleibchen hängengeblieben wäre und ohne diesen Sichtschutz weitergemacht hätte.
Yves Martin 22.01.2018
5. Verehrter Forist "docolli"
Zitat von docolliLiebe Frau Rützel, ich danke Ihnen! Wenn man Ihren wirklich herzerfrischenden Artikel gelesen hat, kann man sich diesen ganzen Dschungelcamp-Mist sparen.
Verehrter Forist "docolli"; so wird das nix. Wenn Sie sich hier durch den Zweiklang "ich würde mir diesen Trash niemals ansehen, aber ich lese die Kolumnen von Frau Rützel" glaubhaft vom tumben Rest der Menschheit abheben wollen, macht das nur Sinn mit voller Adressangabe. Sonst weiss die geneigte Leserschaft ja gar nicht, wo die Leuchttürme der deutschen Kulturbewahrer zu finden sind. PS: Ich rate mal: Vor 20 oder 30 Jahren haben Sie den Playboy auch nur wegen der tollen Interviews und Reportagen gelesen, gell?
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