17. Januar 2013, 00:16 Uhr

Dschungelcamp, Tag 6

Feuer, Wasser, Lagerkoller

Von Arno Frank

Das RTL-Dschungelcamp ist die größte Therapiemaßnahme für Ex- und Fast-Promis im deutschen TV. Im Reha-Check werden die Chancen der Insassen auf ein neues Leben bewertet. Tag 6: Die Masken fallen, die Stimmung ist schlecht, Sport tut gut und das "Küken" bleibt dem Camp erhalten.

Wie war der Tag? Das Wichtigste aus dem Camp...

...ist schnell zusammengefasst. Zwei Weltanschauungen stehen sich gegenüber: "Wenn ma' lügt, sieht's der Zuschauer", sagt treuherzig Iris. Fiona dagegen ist schon einen Schritt weiter: "Lästere und streite, dann kriegste Sendezeit." Zwischen diesen beiden Polen pendelt die Gemeinschaft, oder, wie Olivia erklärt: "Lagerkoller, weil die Karriere am Ende ist. Und dann haben viele noch psychische Probleme, die sie an anderen auslassen. Das ist das Schöne im Moment, dass jetzt die Masken fallen". Vielleicht werden die aber auch nur gewechselt.

Wie schön - die Hoffnungsträgerin des Tages war...

...Olivia Jones. Bei der Verkündung der Kandidaten für die nächste Dschungelprüfung saß sie erstmals ohne Make-up herum. Ein völlig anderer, erfrischend unschriller und gewissermaßen maskenloser Mensch!

Wie unsozial - der Therapieverweigerer des Tages war...

...wieder Arno Funke. Eine Therapie kann nicht funktionieren, wenn der Patient sich verweigert. Und der legendäre Kriminelle nutzt seine Energie erfolgreich, sich unsichtbar zu machen. Wer will's ihm vergönnen? Mit dem Löwenanteil dessen, was er egal wo verdient, muss er noch immer für den bei Karstadt angerichteten Schaden gerade stehen.

Wie bitter - Alk? Sex? Pillen? Verboten! Die Abstinenz führte...

...leider noch immer nicht zu verwackelten Nachtsichtaufnahmen, auf denen verstohlene Küsse oder selige Umklammerungen zu sehen wären - oder zum Aufbau illegaler Brennereien. Und die Pillenlosigkeit? Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn nicht im Dickicht um das Camp herum irgendwo ein paar psilocybinhaltige Pilze wüchsen.

Wie gefährlich - Einen Rückfall in böse Vor-Camp-Zeiten erlebte...

...Joey, zumindest sehnt er sich zusehends zurück in Vor-Camp-Zeiten, die so böse gar nicht mehr erscheinen, wenn man erst einmal im Camp sitzt. Von der Regie wird die Sinnkrise mit einer Version von "Creep" unterlegt: "I'm a creep, I'm a weirdo". Er selbst sieht das anders: "Ich bin ja Sänger. Und ich will wieder nach Hause und singen." Und: "Ich bin viel zu jung für den Scheiß." Nach ausgiebiger Betreuung durch die anderen Jungs ("Lass es raus!") entscheidet er sich aber doch einstweilen fürs Bleiben.

Wie unvergesslich - die schönste Therapiemaßnahme des Tages war es,...

...Allegra in die diesmal recht sportliche Dschungelprüfung zu schicken. Der Tochter von Tony Curtis ging recht schnell die Puste aus, woraus sie ganz ironiefrei lernen könnte, künftig viel häufiger solche oder ähnliche Prüfungen auf sich zu nehmen, um wieder fit zu werden.

Wie weiter - Wenn Fiona zurück ins normale Leben will, muss sie noch lernen,...

...mit ihrer Mutter zu reden. Die leidet nämlich, wie Fiona unter womöglich echten Tränen erzählt, unter einer Trigeminusneuralgie, einem berüchtigten und offenbar besonders schwer erträglichen Gesichtsschmerz. Schlimme Sache, aber vor allem für die arme Fiona: "Ich würde mir auch wünschen, an Weihnachten zu einer Familie zu fahren und das Kind sein zu dürfen." Auweia. Da fiel nicht einmal den Moderatoren "eine glatte Überleitung" ein.

Wie treffend - den schönsten Satz des Abends sagte...

...Georgina. Der Satz, es sträubt sich die Feder, lautete bündig: "Fick dich!", wofür sie denn auch sogleich getadelt wurde: "Das kannst du nicht sagen, es schauen hier auch Kinder zu."

Wie erbaulich - das wichtigste gruppendynamische Ereignis war...

...das "Spiel ohne Grenzen" mit dem Weg durchs Wasser, durchs Feuer, dann wieder durchs Wasser und endlich eine rutschige Plane bergauf, die bei der Dschungelprüfung genommen werden musste. Keine Ahnung, welche Dynamiken das in der Gruppe aus Georgina, Patrick und Allegra ausgelöst hat. Sah aber gut aus, aus solchen Gags zimmert ein Stefan Raab abendfüllende Sendungen.

Wie anregend - die Reha-Mitglieder Zietlow und Hartwich waren...

...ein wenig unterbeschäftigt mit den Vorgängen im Camp. Die Häme kam so routiniert, aber vergleichsweise spärlich. Ersatzweise ventilierten sie fortwährend irgendwelche butterweichen Boulevardthemen aus der Heimat - etwa die Eheprobleme der van der Vaarts, die eigentlich beide auch längst im Camp sein sollten.


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