Dschungelcamp - Tag 7 "Oh fuck, ich hab's im Ohr"

Der Nikotinentzug macht's möglich: Schön langsam gerät zumindest die Raucherfraktion der Camper in feinste Ranzstimmung. Ein Kakerlak findet den Weg nah zum Menschen. Und Sydney will, das überrascht: gehen.

RTL/ Stefan Menne

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So teuer kann das ja nicht sein, man müsste sich mal erkundigen. Und dann eben flugs ein kleines Crowdfunding starten, über ein Handwerker-gesucht-Portal einen Landschaftsarchitekten oder so buchen, der in Besitz einer kleinen Planierraupe ist und husarenhaft genug, damit sämtliche Sperren und Zäune rund um das Dschungelcamp zu durchbrechen.

Der Raupenführer würde sich seinen Weg zum Lagerfeuer platt bulldozern und dann vorsichtig, sehr vorsichtig, Sydney mit dem Stahlschild der Maschine einfach aus dem Camp schieben. MAN KANN ES EINFACH NICHT MEHR HÖREN, sein tägliches "Ich kannniemeh, ich kannsni!", vorgetragen mit Sterbeschwanstimme im Dschungeltelefon, die ewige Auszugsankünderei, der dann doch niemals der inzwischen heiß ersehnte Auszug folgt.

Sydney Youngblood
RTL

Sydney Youngblood

Immerhin ist seine hängende Platte gestern kurz in eine neue Rille gehüpft, statt neuer Unzertrennlichen-Beteuerungen, wie sehr er doch seine Frau vermisse, gab es ein neues Argument, warum er so dringend gehen wolle: "Die Fußnägel wachsen ein, und ich bin traurig." Am Ende heißt es freilich, wie alleweil: "Naja, also, ich werde noch ein paar Tage bleiben, mal schaun, was passiert", und man darf sich schon mal auf den Zusammenschnitt von Sydneys besten Szenen freuen, wenn er irgendwann, eines fernen Tages, doch noch einen Rest Würde unterm Fingernagel findet und tatsächlich geht.

Wenn noch Geld übrig sein sollte von der Planierraupenmiete, könnte man damit vielleicht noch einen Bernhardiner finanzieren, der mit einer Schachtel Zigaretten am Halsband ins Camp schnuffeln würde. Daniele, der Nikoteenie im Geiste, würde sich weinend vor Glück auf ihn stürzen - um nach dem ersten Freudentaumel zu merken, dass es sich dabei nur um ältlich angebröckelte Schokoladenzigaretten handelt, haha!

Dr. Bob, Daniele Negroni, Kakerlake (in Negronis Ohr)
RTL/ Stefan Menne

Dr. Bob, Daniele Negroni, Kakerlake (in Negronis Ohr)

Aber auch ohne Hund und Fakestengel dürfte es nur noch ein ein, zwei Tage dauern, bis Danieles Nerven vom Nikotinentzug vollständig freipräpariert sind. "Eigentlich müsste ich schon jeden einzelnen von euch anficken, bis der Arzt kommt", malte er einem unschöne Bilder in den Kopf. Als schließlich ein neuer Regelverstoß - unerlaubte Gespräche über die Plauderei im Dschungeltelefon - geahndet und ein Luxusgut je Camper eingezogen wird, droht das Männeken Angepisst gar mit Schlafstreik: "Ich werde hier 24 Stunden am Tag schlafen, das wird die langweiligste Sendung, die sie je hatten, von mir kriegen die gar nichts mehr, kein O-Ton, nichts!"

Bevor er sich aber zum Protestpoofen betten kann, muss Daniele noch mit Matthias in die Dschungelprüfung, die dieses Mal lauter musikalische Aufgaben bereithält. Die beiden müssen mit Ekelzeug im Mund bekannte Lieder gurgeln, Matthias gluckert dabei zur Melodie von "Biene Maja" mit Hilfe von sehr viel Buschschweinsperma eine ziemlich lebensechte Imitation eines unsachgemäß bedienten Milchaufschäumers.

Wunderbar ist sein Gesangspart im gemeinsamen "I Will Always Love You"-Duett, vorgetragen unter einer mit Kriech und Fliegen befüllten Astronautenglocke: Matthias jodelt in Glaszerspring-Oktaven, während Daniele verzweifelt tremoliert. Danach muss Dr. Bob zu einem Noteinsatz ansprinten: "Oh fuck, ich hab's im Ohr", jammert Daniele, eine Kakerlake hat sich in seinem Gehörgang verschanzt - schöner wurde das Gefühl, morgens anlasslos plötzlich mit einem "Deutschland sucht den Superstar"-Ohrwurm im Kopf aufzuwachen, der einen den ganzen Tag begleiten soll, nie metaphorisch dargestellt. Wenn das nächste Mal "Take Me Tonight" dauerhaft im Ohr klingelt: Einfach Wasserspritze ansetzen und den Unrat rausspülen.

Natascha Ochsenknecht und Ansgar Brinkmann
RTL

Natascha Ochsenknecht und Ansgar Brinkmann

Zur Schatzsuche müssen Ansgar und Natascha antreten, die lieber weiter unter ihrem Diskretionstuch verborgen Pickel ausdrücken würde. "Leute, was soll'n der Scheiß, warum denn ich schon wieder, ich war doch erst", zetert die Motivatorin, die kurz darauf auch an der gestellten Aufgabe - einen langen, langen Wollfaden durch die Strickliesel jagen - verzweifelt: "Das schaffen wir sowieso nicht, schaffen wir eh nicht, können wir auch gleich aufgeben." "So, genug verarscht, Abfahrt!", bläst auch Ansgar schnell zum Aufbruch, aber ein Ranger bedeutet den beiden, dass sie über Nacht bleiben müssen. Natascha fasst neuen Verlieselungsmut: "Wir ziehen das jetzt durch und holen uns die Belohnung! Und wenn es nur zwei fucking Scheiß-Hagebuttenteebeutel sind oder von mir aus auch Blasentee."

Übermotiviert versucht sie es sogar mit Smalltalk:

Natascha: Wie lang ging deine längste Beziehung?

Ansgar: Ist privat.

Als die Wolle schließlich aufgebraucht ist und die beiden sich schon kindlich freuen, erscheint ein Ranger und kippt ihnen neue Wolle hin: "Enjoy!". Bis jetzt konkurrenzlos die beste Szene im diesjährigen Camp, die fassungslosen Gesichter der beiden: "Aufs Maul, enjoy!", blafft Ansgar, aber dann freuen sich die beiden doch über ihr halbes Toastbrot, das sie zur Belohnung bekommen.

Weil nun die Rauswahlphase beginnt, folgen schließlich die "Anrufen!"-Aufrufe im Dschungeltelefon. "Ah, ich geh sowieso morgen raus", sagt Sydney, und Jenny offenbart mit ihrem Sprüchlein ein augenscheinliches Problem der diesjährigen Besatzung: "Ich will bleiben, ich habe mein Wunschgewicht noch nicht erfüllt", sagt sie. Hier liegt offenbar ein grundsätzliches Missverständnis vor: Es geht nicht darum, was das Camp für seine Bewohner tun kann, sondern was die Bewohner für das Camp leisten.

Die erste Abwahl trifft schließlich Sandra, die kaum in Erscheinung getreten war. Man hat schon unglücklichere Menschen bei der Verkündigung gesehen als sie.



insgesamt 29 Beiträge
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Peter M. Lublewski 26.01.2018
1.
Ich schlage vor, dass ab jetzt bei jeder Einblendung von Sydney "Should I stay or should I go" gespielt wird. Das nervt dann mit der Zeit so wie er selbst.
m82arcel 26.01.2018
2.
Ich möchte vorschlagen, nächstes Jahr nur noch 'Stars' unter 30 zuzulassen (Bachelor, DSDS, Topmodel-Versager, 'Youtouber'). Die denken noch, sie könnten da was für ihre 'Karriere' tun und wollen nicht ausschließlich ihre Zeit des Geldes wegen absitzen. Mit jüngeren Teilnehmern könnte man auch mal neue, herausfordernde Prüfungen abhalten - Sperma und Urin gurgeln will ich nicht nochmal sehen. Und bitte mal die Klamotten und das Camp neu designen - das ist mir alles zu 2005 und optisch eine Zumutung.
hsenzel 26.01.2018
3. Wieso muss ich das wissen?
Wieso beschäftigt sich ein journalistisches Qualitätsmedium mit diesem Mist. Ich habe das Dschungelcamp noch nie gesehen, Frau Rützels Beschreibungen reichen mir. Aber ihre feine Ironie ist in diesem Fall doch Perlen vor die Säue. Nichts gegen seichte Unterhaltung und platte Scherze, aber das scheint mir doch so absolut unterirdisch, dumm und ein Verbrechen an der Fernsehunterhaltung, dass man es nicht noch adeln sollte.
luckygas 26.01.2018
4.
wenn er weiter so rumheult wird er noch Dschungelkönig... ich vermisse Typen wie Daniel Ortega... fürs nächste Jahr sollte man vielleicht ein 'best of' der bisherigen Kandidaten casten.
miriam_rosenstern 26.01.2018
5. Fame, Babe!
Es ist nur ganz wenigen Herren vergönnt, unter Tränen Glamour zu verbreiten. Nero konnte das, als er sitzend und wartend auf das brennende Rom blickte und nach seiner Tränenvase verlangte. Bereitet sich denn eigentlich niemand auf diesen Urlaub vor? Es gibt sie doch, die großen Vorbilder. Man kann natürlich Frau Ochsenknecht bleiben oder sich aber zu Caligulas Lieblingskonsul emporarbeiten. Am Zaumzeug strickt sie ja schon. Man muss auch ein Star sein wollen. Mit Tränen von Swarovski. Umlodert von des Ruhmes Flammen. Flame-Babe! Fame, Babe! Wozu bist du da? Work, bitch!
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