Dschungelcamp Tag 9 Ricky? Hat die allerdööfste Rolle

Endlich passiert es: Der kurz vor dem Bersten befindliche Kasalla-Mann Thorsten darf in die Dschungelprüfung. Und muss danach erst mal weinen. Genau wie Ricky.

RTL

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Diese Schmerzen muss man teilen: Nachdem David gestern katastrophaler Weise die wenigsten Zuschaueranrufe bekommen hatte, rieben die Szenen seines Auszugs noch mal schön ein Salzbergwerk in die klaffende Wunde, die der Abgang des Universalgelehrten grob ins Gaff-Fleisch gerissen hat.

"The winner is the winner - ne?", gab er auf den letzten Metern noch einen möglicherweise entscheidenden Anstoß für die postpostmoderne Sprachkritik und schubste die Weltbiologenschaft auf ein neues heißes Forschungsobjekt, indem er den Gorillas des Dschungels ein überschwängliches Lebwohl in den Wald rief - bislang hatte man fälschlicherweise geglaubt, in Australien gebe es gar keine.

"Schön!", seufzte der Ästhetikologe und schlug ein letztes Mal mit kleinen, hänsel-gretelhaft hingestreuten Denkbröckchen eine Brücke zwischen Natur und Kultur. Apropos Brücke: "Schöne Brücke auch", attestierte der Hobbyingenieur bei seinen letzten Metern auf dem Ausmarschsteg. "Viel hochwertiger als die andere."

Geh nicht, wollte man ihm beim hastigen Mitstenografieren seiner generös geteilten Weisheiten zurufen, bleib bei uns, belehre uns!" Vergebens, sie brachten ihn weg. "Hier gibt es viel mehr Bäume, als ich dachte", teilte er als Letztes im Taxi mit: "Die Bäume hier sind aber anders als in Deutschland. Auch höher und dichter. Die Bäume sind exotischer irgendwie, so rein wirken die einfach, richtig rein sind die!" Sein Vermächtnis schließlich, gesprochen über einem reichen Sortiment spanischer Frittier- und Fettspeisen: "Das Leben ist einfach so sonderbar, aber auch wunderbar."

Keine Spur mehr von Furzfrauen-Fehde

Als hätten es die Zurückgebliebenen im Camp gehört, starteten sie friedlich in den Tag. Auch Thorsten und Helena vertrugen sich plötzlich ganz wunderbar, keine Spur mehr von Furzfrauen-Fehde, sodass man schon mal anfing, über einen möglichen Shippingnamen für die beiden nachzudenken, sollte ihr Verhältnis noch inniger werden - Hashtag: "Hellegat". Dramatischstes - und metaphorischstes - Ereignis: Jürgen verliert seine Eier, namentlich die von Nathalie und David bei ihrer nächtlichen Schatzsuche erbeuteten Straußenrühreikrümel.

Zur Dschungelprüfung durften die Camper erstmals wieder selbst einen Abgesandten wählen, und natürlich war das Thorsten. "Versagen ist, einen Kriech zu verlieren", beschied er im Vorfeld.

Er schwamm und tauchte dann so ausführlich durch ein enges, tierbefülltes Höhlensystem, dass man zum ersten Mal in dieser Staffel wieder die dramaturgischen Nachteile einer ordnungsgemäß absolvierten Prüfung bemerkte: Es kann einem dann doch arg lang werden, obwohl Thorsten sich score-mäßig redlich Mühe gab: In seiner engen Röhre, die an einen Geburtskanal erinnerte, produzierte er so ausdauernd brünftige Gebär- und Schnorchelgeräusche, dass Fips Asmussen sich zu Hause sogleich einen neuen Witz notierte: Welchen Schriftsteller stellt Legat hier akustisch dar? - Prust.

"Früher haben sie immer zu mir gesagt, ich wäre ein Versager"

"Hömma, da ist ja Krokodil", stellte Thorsten in seiner letzten Wasserkammer so leidenschaftslos fest, als habe er gerade einen verlorenen Erdnussflip in der Sofaritze entdeckt. Natürlich holte er alle neun Sterne, und freute sich darüber so sehr, dass der Hartschalige dann doch zum Träner wurde. "Ich vermiss meine Kinder", schluchzte er, dass ihn sein Vater stets gedrillt habe, keine Angst zu haben. "Früher haben sie immer zu mir gesagt, ich wäre ein Versager. Aber das bin ich jetzt nicht mehr." Rührend und abgrundtief traurig zugleich, was ein paar ertauchte Plastiksterne in einem Menschen bewegen können.

Dass Thorsten ein Yin-Yang-Mensch erster Güte ist, dass selbst der Daller-Lama persönlich mit den Ohren schlackern würde, zeigte er dann bei seiner triumphalen Rückkehr ins Camp. "Aufstehen, ihr Pisser!", herrschte er die Lungercamper an, um dann in Brigittes Armen ganz buttrig zu werden: "Ich hab geweint, ey, zum ersten Mal. Ich hab geweint, Brigitte!" Und, bevor einen die Rührung übermannt: Gepieselt hat er auch. "Ich hab da im Becken noch mal Pipi gemacht, ich hab Muffe gehabt." Wie hätte David gesagt? "Alles fließt, ne."

"Ich brauch es nicht, dass der böse Mann hier sitzt"

Das musste auch Ausrasta-König Ricky erfahren, der nach seiner vorgestrigen Brüll- und Schwindelaktion im Camp nicht mehr sonderlich gut gelitten war. "Ich brauch es nicht, dass der böse Mann hier sitzt", sagte Brigitte bei der nächtlichen Feuerwache, "Ricky hat mich angeschaut wie ein Züchopath", meldete Sophia.

Feiner Nährboden für ein schönes Psychospiel, wie es windige Hirnquacksalber auf ihren Wochenendfortbildungen üben: Sophia und Jenny müssen getrennt von den anderen überlegen, welches Tier sie charakterlich welchem Camper zuordnen würden, die Restgruppe tut derweil dasselbe.

Manche Zuschreibungen könnten offensichtlicher nicht sein: Thorsten ist der Gorilla, Brigitte das Pferd, Menderes das Lamm. Doch ist die von akutem Moosbefall bedrohte Nathalie ein schöner Schwan oder ein gammliges Faultier? Ist Jenny die Katze, weil man auch sie gerne streicheln würde - oder doch Helena, weil auch sie immer wieder auf ihren Pfoten landet?

Jenny flog

Mittelstufen-Pflichtlektüren-reif wird das gruppendynamische Spielchen, als es um die Zuteilung der Schlange geht. Eigentlich würden die anderen sie gerne Helena ans Leibchen heften, doch die erhebt erfolgreich Einspruch: "Seit gestern würde ich sagen: Ricky!" "Ich möchte keine Schlange sein", weint der dann gleich darauf im Dschungeltelefon, als habe er im Kindergartenkrippenspiel die allerdööfste Rolle abbekommen. "Ich habe das Gefühl, dass alles hier ganz, ganz schiefläuft", reut er ausführlich vor sich hin, während die anderen versehentlich ohne ihn alle Bananen auffressen.

Bananen satt hat nun auch wieder Jenny: Sie bekam die wenigsten Anrufe und flog aus dem Camp. Irgendwie überraschend, tatsächlich aber auch ausgesprochen egal.

Das putzigste Detail des Tages lieferte übrigens Sophia: Die "wollte eigentlich gar nicht erzählen", dass sie ihrem Puffbetreiberehemann (der hartnäckig so aussieht, als habe sich Studio-Braun- und Fraktus-Mann Heinz Strunk mit Bordmitteln als Rod Stewart verkleidet) monatlich 50 Euro Taschengeld zuteilt. "Das bunkert er manchmal und behauptet, er hat nichts mehr." Vielleicht trinkt er gerade während ihrer Abwesenheit auch heimlich Cola und bleibt bis nach 23 Uhr auf, der Schlingel.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 363 Beiträge
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Seite 1
DCCL 24.01.2016
1. zu Risiken und Nebenwirkungen
fragen Sie Ihren Arzt oder Ihren Ortega... Er wird mir fehlen
fleischzerleger 24.01.2016
2.
Guten Morgen - Sie haben es geschafft - erster zu sein und nicht zu bemerken, daß Ihre Bemerkungen schon seit einigen Staffeln hier rumgeistern. Das nenne ich Ignoranz oder Einzelfallverblödung
fiftysomething 24.01.2016
3. Bert Wollersheim
hat 50 € Taschengeld im Monat? In einer Doku über seine Frau wurde auch in ihrer gemeinsamen Wohnung gedreht. Wer nun so richtig Düsseldorfer Bling-Bling erwartete, wurde eines Besseren belehrt. Viel Bling-Bling....sehr viel Bling-Bling.. ich habe nicht eine freie Stelle in dieser Wohnung gesehen, wo noch kein Bling-Bling hing,stand oder lag. "Und in dem Moment, wo die Läden zu waren, war ja auch kein Umsatz mehr da..." Wenn ich es nicht vorher gelesen hätte, hätte ich auf Schuhe getippt oder eben....Bling-Bling... 50 € Taschengeld....Pfff...
ninotschka1 24.01.2016
4. Taschengeld
Herrn Wollersheim bleibt nur zu wünschen, dass er nicht nochmals ins Gefängnis muss. Die Taschengeld-Geschichte könnte ihn in der Hackordnung ganz nach unten katapultieren. Warum manche Menschen ihre Partner öffentlich so bloßstellen müssen? Ist wohl eine Frage von Intelligenz und Niveau.
steffmuc 24.01.2016
5. Volksverblödung auf Platz 1!
Ich folge diesem Forum ja hauptsächlich als Leserin, aber jetzt muss ich doch meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass ein Kommentar über die Volksverblödung heute tatsächlich mal an erster Stelle steht. Und zum Beweis auch gleich einen Interpunktionsfehler liefert. Das tröstet doch ein wenig über den Verlust von David hinweg...
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