Es gibt Leute, die halten das Dschungelcamp für einen spaßfaschistischen Demütigungsporno, und diese Leute haben natürlich recht. Wirklich weh tut das Zuschauen nur dann, wenn man noch so etwas Altmodisches empfinden kann wie Mitgefühl, und sei es für Delinquenten.
Die aber stecken in ihren selbst gewählten Rollen wie in Zwangsjacken, weshalb das Auge des Betrachters bald so kalt wird wie das der Kamera - und er sich unversehens auf Seiten der Täter wiederfindet. Milde Folter? Ein paar Krabbeltiere können schon nicht schaden! Die wahre Hölle, das sind eh die anderen. Oder, wie Jazzy sagt: "Mir war völlig bewusst, worum diese Sendung hier geht, aber mir war nicht bewusst, dass ich es hier mit Vollidioten zu tun habe."
Wer sagt was über wen? Hinter wessen Rücken? Wem ins Gesicht?
Das sind so die Fragen, und diesmal entzündeten sie sich an der erledigten TV-Moderatorin Ramona Leiß. Deren Regiment über das Lager ist aufreizend autoritär und auch physisch so übergriffig, dass es überall Gegenwehr provoziert. Da steckt die Jazzy im Busch der verdutzten Radost Bokel, wie sehr sie von der Ramona genervt ist ("Die hat nichts für die Gemeinschaft getan, nichts, nichts, nicht nichts!"), während die Ramona mit einem in die Runde gemurmelten Satz ("Diese Unruhestiftung ist enorm") um Bundesgenossen wirbt. Tatsächlich sorgt Ramona Leiß für eine solch bleierne Ruhe im Camp, dass selbst der freiwillige Abgang von Martin Kesici ("Ich bin wie ein Tiger im Käfig, ich muss hier raus") und die Abwahl von Daniel Lopes ("Geil, eine Woche im Hotel!") nicht weiter kommentiert werden.
Auf diesem finsteren Tableau ist Brigitte Nielsen ein echter Sonnenschein - oder wenigstens Profi genug, so zu tun als ob. Die Dänin macht seit über zehn Jahren kaum etwas anderes, als von Show zu Show zu tingeln und dort ihren kümmerlichen Restruhm zu Markte zu tragen. Die kann das also. Eher erlebt man Brigitte Nielsen gar nicht als mit schlechter Laune, und die gute Laune kann sie nach Bedarf anknipsen. Dann gellt ihr fröhliches "Whoooooooooow!" durch den Dschungel, als wolle sie fragen: "Wo ist die Party? Wo das Koks? Ist das alles nicht geil?"
Diese druckbeschwipste Heiterkeit mag man einschüchternd oder zudringlich finden, die Show hat sie an diesem Abend jedenfalls gerettet. Nur eine echte Dschungelkönigin scheut keine Schlangen, mag Maden, kann mit Kakerlaken, verschmäht einzig den Cocktail aus Taubenblut. Und gibt uns das ebenso trügerische wie beruhigende Gefühl, es nicht mit einem spaßfaschistischen Demütigungsporno zu tun zu haben - sondern nur mit Spaß.
Ekel-Faktor: Brigitte Nielsen küsst, vollverschleimt und mit Geziefer im Dekolleté, Dirk Bach. Auf den Mund.
Erotik-Faktor: "Rocco und Kim is' etwas ganz Wunderbares" (Brigitte Nielsen).
Entertainment-Faktor: Wie kleinlaut und servil Sonja Zietlow plötzlich wird, wenn sie Brigitte Nielsen einmal persönlich gegenübersteht.
Dschungelweisheit des Tages: "Don't fucking touch me, echt!" (Jazzy zu Ramona)
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