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Fall Edathy bei Maybrit Illner: Selbstverteidiger Oppermann

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SPD-Fraktionsvorsitzender Oppermann bei Illner: Eintracht mit CSU-Mann Hermann Zur Großansicht
imago/ Müller-Stauffenberg

SPD-Fraktionsvorsitzender Oppermann bei Illner: Eintracht mit CSU-Mann Hermann

Fehler gemacht? Ach was. Sich irgendetwas vorzuwerfen? Keine Spur. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wehrt beim Illner-Talk zum Fall Edathy alle Angriffe routiniert ab. Da kam es ihm gelegen, dass auch die Gastgeberin an ihre Grenzen stieß.

Mit der Haltbarkeitsdauer politischer Skandale ist es hierzulande bekanntlich so eine Sache. Und wenn es dann um solch eine ebenso schlimme wie komplexe, teilweise aber auch bizarre Angelegenheit geht wie die Edathy-Affäre, kann es schon mal passieren, dass selbst eine gewiefte Talkmasterin wie Maybrit Illner an gewisse Grenzen stößt.

Dabei hatte sie doch keinen Geringeren unter ihren Gästen als Thomas Oppermann, den unter Rücktrittsdruck geratenen SPD-Fraktionschef, ferner jemanden von der CSU, aus der entsprechende Forderungen kamen, weil schließlich einer der Ihren hatte geopfert werden müssen, und dazu noch ein gemischtes Sortiment von Experten.

Es war kaum zu übersehen, dass Illner intensiv bemüht war, dem Regierungskrisen-Szenario möglichst viel neue Brisanz abzuringen.

Das wollte aber nicht so recht gelingen, zumindest, was den rein parteipolitischen Bereich anbelangt. Direkt neben Oppermann saß Bayerns Innenminister Joachim Hermann, und beide boten die ganze Zeit ein Bild relativ ungetrübter Eintracht. Zwar grummelte der Christsoziale etwas von beschädigtem Vertrauen, gab aber vor allem die Devise aus, dass Union und SPD jetzt, bei allem fortbestehenden Aufklärungsbedarf, in erster Linie mal ordentliche Regierungsarbeit zu leisten hätten.

Professoraler Eifer des Experten

Derweil lieferte Oppermann ein durchaus eindrucksvolles Beispiel für die hohe Kunst der rhetorischen Selbstverteidigung ab und referierte in großer Ausführlichkeit noch einmal alles, was über sein Agieren und speziell das eigenartige Telefonat mit BKA-Chef Ziercke in den vergangenen Tagen überall zu hören und zu lesen war.

Das tat er mit treuem Blick und in solch überzeugend ernstem Ton, dass auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir, der die Stimme der Opposition zu verkörpern hatte, an Gegenrede nicht viel mehr zustande brachte als ein verhaltenes Drohen mit einem Untersuchungsausschuss. Als er dann auch noch erwähnte, dass ja selbst Horst Seehofer von einem solchen gesprochen habe, hakte gleich der CSU-Mann ein und stellte klar, dass das so nun auch wieder nicht gemeint gewesen sei.

Nein, an Rücktritt habe er nie gedacht, denn er habe sich nichts vorzuwerfen, ließ Oppermann wortreich wissen - und weigerte sich strikt zuzugeben, dass er mit dem Anruf einen Fehler gemacht habe. Hier nun kam der Strafrechtsgelehrte Wolfgang Merkel ins Spiel, wodurch die Sendung eine insofern problematische Wende nahm, als es für normale Zuschauer noch schwieriger wurde, der Erörterung der ohnehin komplizierten Sachverhalte zu folgen.

Man konnte sogar den Eindruck haben, dass dies auch für einen Volljuristen wie Oppermann nicht ganz leicht war, denn der professorale Eifer, mit dem Merkel seine zweifellos sehr sachkundigen Anmerkungen zu den filigranen Fragen des Verrats von privaten und dienstlichen Geheimnissen und entsprechenden Unterschieden bezüglich der Strafbarkeit vortrug, war dann doch beachtlich. Immerhin gab es von ihm eine Art informellen Freispruch sowohl für Oppermann als auch für den Ex-Minister Friedrich.

Illners Witz zündet nicht

Als der Rechtskundler aber dann noch erklärte, auch eine Information an die Kanzlerin durch einen ihrer Minister könne im Prinzip einen Geheimnisverrat darstellen, wurde es Hermann wie Oppermann schlichtweg zu viel, so dass sie unisono den Professor fragten, in welcher Welt er denn eigentlich lebe. Frau Illner wiederum sah sich zu der Frage bemüßigt, weshalb denn eigentlich der telefonierfreudige Herr Oppermann nicht auch die Kanzlerin angerufen habe.

Doch der Witz zündete nicht mehr so richtig, denn inzwischen war man bei jenen anderen Fragen angelangt, die abzüglich des Kleinteiligen womöglich den eigentlichen Kern der Affäre ausmachen - den Skandal im Skandal. Und der handelt von dem, was Kindern angetan wird mit den neuen Mitteln des Missbrauchs in der digitalisierten Welt. Als Praktiker kamen André Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter zu Wort sowie Julia von Weiler, die die Kinderschutzorganisation "Innocence in Danger" leitet.

Sie zeigte sich tief befremdet von der Art des Umgangs der SPD mit dem Fall Sebastian Edathy - bemerkenswerterweise auch mit Blick darauf, dass es gegenüber diesem Menschen ja auch eine Fürsorgepflicht gebe. Auslagern ließen sich die Probleme im Zusammenhang mit der Pädophilie jedenfalls nicht, schon gar nicht per Parteiausschluss. Vielmehr müsse man sich darüber klar sein: "Wir sind umgeben von Missbrauchstätern wie von Missbrauchsopfern."

Man möchte hoffen, dass von dieser trüben Affäre am Ende zumindest eines übrig bleibt - ein geschärftes Bewusstsein dafür, dass künftig tatsächlich mehr für den digitalen Kinderschutz getan werden muss, so wie es bei Illner auch gleich versprochen wurde.

Die Talkerin konnte es nicht lassen, noch einmal Herrn Oppermann wegen seines Fehlers anzugehen. Ohne das F-Wort selbst in den Mund zu nehmen, antwortete dieser mit einem nonchalanten Lächeln: "Ich würde ihn nicht wieder machen." Das wirkte da längst nicht mehr angemessen. Aber es war der passende Schluss einer Talkshow, in der so manches nicht zusammenpasste.

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insgesamt 88 Beiträge
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1. Unglaubwürdig
Kritische Sicht 21.02.2014
Ein trauriges Bild, daß hier Herr Oppermann und die SPD bieten. Arrogant, Tatsachen verdrehen, überhaupt kein Unrechtsbewußtsein. Was ist nur aus dieser Arbeiterpartei geworden. Machtgeile Politiker, Nur auf den eigenen Vorteil bedacht.
2. Es handelt sich um keine Affäre, ...
jautaealis 21.02.2014
... sondern um ähnliche rein psychologische Aufwallungen wie bei der sogenannten Finanzkrise Ende des vergangenen Jahrzehnts! Aber auch wenn mir Herr Oppermann menschlich alles andere als sympathisch ist: Einen Grund, ihn als “Selbstverteidigungskünstler” zu verspotten, gibt es nicht – hier hat sich der Autor (wie auch viele sonstige Debattenbeiträger) im Tonfall ganz klar vergriffen...
3. Oppermann muss weg.
kaiserudo 21.02.2014
Zitat von sysopDPAFehler gemacht? Ach was. Sich irgendetwas vorzuwerfen? Keine Spur. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wehrt beim Illner-Talk zum Fall Edathy alle Angriffe routiniert ab. Da kam es ihm gelegen, dass auch die Gastgeberin an ihre Grenzen stieß. http://www.spiegel.de/kultur/tv/edathy-talk-bei-illner-thomas-oppermann-verteidigt-sich-a-954782.html
Der Typ hat jede Glaubwürdigkeit verspielte. Im dschungelcamp wäre noch ein Platz frei. Maden essen und känguruhhoden. Und kakerlakenpüree mit aalsosse.
4. Oppermann = Dilletant
FKassekert 21.02.2014
von welchen Politikern werden wir eigentlich regiert? Weit und breit nur Nieten in Nadel, Oppermann bestaetigte sich gestern mal wieder hervorragend dieser Kategorie anzugehoeren. 2017 gemeinsam mit den Linken und Gruenen- ich kann nur davor warnen!
5. Selbstgerecht
bumminrum 21.02.2014
Herr Oppermann hat alles richtig gemacht. Es ist völlig normal über andere Menschen bei Verdacht Erkundigungen beim BKA einzuholen und sie auszuforschen. Politiker dürfen das, weil sie immer im Auftrag und zum Wohl des Volkes handeln. Dies gilt auch bei ihrer eigenen Diätenerhöhung oder ihrer Luxusrente. Sie stehen über dem Gesetz... Herr Kohl nennt keine Spender als Kanzler und Herr Friedrich +SPD Konsorten verhindern die Verfolgung von Kinderschmudelbildbetrachtern. Gut gemacht! Dafür wurden sie gewählt.
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