Biopic über Alfred Nobel Liebe wie eine Bombe

Nichts ist so paradox wie die inneren Antriebe: Ein Fernsehfilm zeigt die verhinderte Romanze zwischen der Friedenskämpferin Bertha von Suttner und dem Dynamit-Erfinder Alfred Nobel.

ARD

Von Thomas Andre


Alfred Nobel war ein Mann voller Hoffnungen. Er wollte mit seiner Erfindung, dem Dynamit, eine so verheerende Waffe, ein so mächtiges Instrument schaffen, dass wegen der abschreckenden Wirkung alle Kriege künftig verhindert würden. Nobel wurde reich mit seinem explosiven Nitroglycerin, weil es sich im unruhigen und gewalttätigen Europa prächtig verkaufen ließ. In Nobel bündelte sich jedoch auch der Widerspruch eines Jahrhunderts, das Kunst und Kultur auf der einen und Krieg auf der anderen Seite hervorbrachte: Er war Unternehmer und Kriegsgewinnler - aber eben auch Wissenschaftler, Philanthrop, Schöngeist.

Und in Liebesdingen ein zaudernder, unglücklicher Mensch, der die Chance seines Lebens verpasste. So erzählt es jedenfalls das nur im Titel herrlich verblasene Biopic "Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner und Alfred Nobel", das am Samstag in der ARD Premiere feiert und nicht nur von Nobel, sondern vielleicht sogar noch etwas mehr von der aus armem österreichischen Adel stammenden Friedensaktivistin und Schriftstellerin Bertha von Suttner ("Nieder mit den Waffen") handelt. Als die noch nicht berühmt war, zog sie einst als Privatsekretärin in den Pariser Großbürgerhaushalt Nobels. Man fühlte sich voneinander angezogen, kam aber nicht recht zusammen.

Die selbstbewusste Bertha heiratete einen anderen, vor allem aber wurde sie zu einer der Begründerinnen der Friedensbewegung, die eigentlich gegen alles kämpfte, wofür Nobel stand. Birgit Minichmayr spielt die burschikose Idealistin in Urs Eggers Fernsehfilm, der ihre übervolle Lebensgeschichte ebenso wie die Nobels (Sebastian Koch) auf die handelsüblichen anderthalb Stunden formatiert. Ein bisschen schmonzettig, ein bisschen historisch, viel Zeitraffer, viel Drama. Vor allem aber ist "Eine Liebe für den Frieden" die Geschichte einer unwahrscheinlichen Wahlverwandtschaft, die zwei Jahrzehnte währte und sich als TV-Plot nun zu einer epochemachenden Beziehung zweier historischer Schwergewichte verdichtet.

Romantische Mehrfachverlierer

Es ist Nobel, der die Gräfin zum Schreiben animiert. Und Suttner, die Nobel für die entstehende Friedensbewegung finanziell einspannt. Wo Nobel als romantischer Mehrfachverlierer mit bedröppelter Miene in Pariser Parks gezeigt wird, darf die unstete Suttner mit ihrem Mann Arthur von Suttner, dem später ebenfalls monetär deklassierten Blaublüter, ein langes osteuropäisches Abenteuer erleben, währenddessen das Ehepaar Zeuge des Russisch-Türkischen Krieges wird.

Genau dorthin verortet der Film das pazifistische Erweckungserlebnis Suttners. Im Pulverdampf des nationalistischen Zeitalters wird eine Frau mit Widerspruchsgeist geboren, die beruflich erfolgreicher ist als ihr Mann und die in den Salons vor der Jahrhundertwende auf die bestens informierten männlichen Agenten des Bornierten trifft ("Frauenhirne sind physiologisch zum Denken ungeeignet"). Ihrem Verehrer von einst geht sie indes auch nicht aus dem Kopf - wobei den Drehbuchschreibern der Part der Frau, die sich für die gängigen Rollenvorgaben nicht interessierte, zu Recht wichtiger erschien.

Ein Gutteil des Filmes geht für die immer wiederkehrenden Lektüre-Momente drauf, in denen Suttner und Nobel sich in Depeschen und Briefen ihrer gegenseitigen Wertschätzung versichern. Beide lesen viel - er empfiehlt ihr "Krieg und Frieden". Tatsache.

"Eine Liebe für den Frieden" ist aufwendig produziert und will als Breitwand-Melodram den Zuschauer unbedingt packen. Da steht Minichmayr schon mal mit blutigen Händen im Lazarett, während im Hintergrund zum wabernden Grauen eine dramatische Geige spielt. Als Symbol taugt diese Szene natürlich in Wirklichkeit gar nicht, weil Krieg Männersache war (und beinah immer noch ausschließlich ist), und manchmal, in den als amourös markierten Teilen des Films, muss die Suttner auch allzu banal daherreden.

Das denkt man jedenfalls, bis einem einfällt, dass auch in der Welt der großen Ideen und Neuerungen Gefühliges zu Hause war. Und so ist "Eine Liebe für den Frieden" ein dramaturgisch geschickt aufgezäumter Film, der in enger Taktung und mit vielen Szenenwechseln davon Zeugnis ablegt, dass nichts so paradox ist wie die inneren Antriebe, die einander Ausschließendes miteinander verbinden können.

Nobel starb 1896, Suttner 18 Jahre später und nur wenige Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. In dem wurden Waffen eingesetzt, so gewaltig und allesvernichtend, wie sie in niemandes Albträumen hätten vorkommen können. Alfred Nobel hatte sich getäuscht. Kriege lassen sich nicht verhindern, weder durch Dynamit noch durch sonst irgendetwas. Sein Vermächtnis sind die nach ihm benannten Preise. Den Friedensnobelpreis - "für das beste Wirken zur Verbrüderung der Völker" - erhielt Suttner 1905.

Die Preisverleihung ist die Anfangsszene des Films; "wir waren füreinander bestimmt", lässt das Drehbuch die Heldin da vieldeutig sagen.


"Eine Liebe für den Frieden - Bertha Suttner und Alfred Nobel", Sonnabend, 3. Januar, 20.15 Uhr, ARD.



insgesamt 4 Beiträge
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hendrikr 02.01.2015
1.
Das Buch heißt "Die Waffen nieder!" und nicht "Nieder mit den Waffen". Ist es eigentlich so schwer, mal kurz zu recherchieren?
JSBL 02.01.2015
2. Kriege lassen sich verhindern...
Die Atombombe hat uns sehr wahrscheinlich vor dem 3. Weltkrieg bewahrt.
Freiberufler 02.01.2015
3. Es heisst nicht 'Biopic', s...
...sondern "Biographie". Geht's blöder? Denglisch verblödet!-------
1694 02.01.2015
4. Was zu beweisen war :
"Alfred Nobel hatte sich getäuscht. Kriege lassen sich nicht verhindern, weder durch Dynamit noch durch sonst irgendetwas." Besonders aber der Teil, wo apodyktisch festgestellt werden muß: "noch durch sonst irgendetwas." UNGLAUBLICH !
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