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Einflussnahme der Parteien: Brender prangert "Spitzelsystem" bei Öffentlich-Rechtlichen an

Heftige Kritik an der Einflussnahme der Politik auf die Öffentlich-Rechtlichen: Der scheidende ZDF-Chefredakteur Brender geißelt im SPIEGEL-Gespräch das "Proporzdenken" und die "Rückgratlosigkeit" der Parteien im Verwaltungsrat der Sender. Es gebe im ZDF Spitzel - vergleichbar mit den IM der Stasi.

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Journalist Brender: "Schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen"

Hamburg - Nikolaus Brender rechnet ab: Wenige Wochen vor seinem Abschied prangert der scheidende ZDF-Chefredakteur im Gespräch mit dem SPIEGEL die parteipolitische Dominanz über ARD und ZDF an. Er attackiert das "Proporzdenken" der Parteien und die Rückgratlosigkeit jener Unionspolitiker wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch, die über den ZDF-Verwaltungsrat seine Abwahl betrieben haben, sowie ein internes "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen".

Brender spricht von "Inoffiziellen Mitarbeitern" der Parteien, "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". Da sei ein "feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten" entstanden, "aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten lassen". Er selbst habe "versucht, solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten".

Vor wenigen Monaten hatte sich die Unions-Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat durchgesetzt, Brenders Vertrag nicht mehr zu verlängern. Laut Brender "gibt es in der Union ein dunkles Schattenreich, das sich im Verwaltungsrat eingenistet hat und ihn mittlerweile zu dominieren versucht". Nun sei "auch das ZDF beschädigt. Das Ganze hat der Glaubwürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen einen schweren Schlag versetzt", so der Top-Journalist gegenüber dem SPIEGEL.

Brender über seinen Abschied vom ZDF: "Es fällt eine große Last von mir ab"

Das Bundesverfassungsgericht sei nun "die einzige Institution, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Staatsferne, Form und damit Zukunft sichern kann". Brender weiter: "Parteipolitische Methodik droht gerade den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu okkupieren."

Dazu zählt er "das Denken in Mehrheits- und Minderheitsmustern sowie in Freund-Feind-Schemata. Fraktionszwang. Intransparentes Hinterzimmergeklüngel. Das alles darf es im Journalismus nicht geben".

Brender zeigte sich gegenüber dem SPIEGEL "erleichtert", dass es für ihn persönlich "jetzt zu Ende geht. Es fällt eine große Last von mir ab". Er selbst "tauge nicht zur Ikone" und weiß, dass er auch intern bisweilen aneckte mit seinem Führungsstil. "Einigen bin ich auf die Füße getreten. Das bringt der Job mit sich", so Brender.

"Ich wollte hier Kämpfer, keine Schlappschwänze." Er selbst sortiere jetzt erst mal Angebote, könne aber wohl "vom Journalismus nicht lassen". In öffentlich-rechtlichen Sendern kann der 61-Jährige sich aber nicht mehr vorstellen: "Das System hat mit mir abgeschlossen. Das werde ich respektieren."

anr

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 71 Beiträge
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1. Naja
Wanaka, 20.02.2010
In der Sache hat er wohl Recht,wäre aber schön gewesen wenn er schon mal was gesagt hätte wo er noch in Amt und Würden war.Trotzdem ein sehr guter Journalist. Alles Gute.
2. Brender
nettozahler 20.02.2010
Zitat von sysopHeftige Kritik an der Einflussnahme der Politik auf die Öffentlich-Rechtlichen: Der scheidende ZDF-Chefredakteur Brender geißelt im SPIEGEL-Gespräch das "Proporzdenken" und die "Rückgratlosigkeit" der Parteien im Verwaltungsrat der Sender. Es gebe im ZDF Spitzel - vergleichbar mit den IM der Stasi. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,679247,00.html
3. Einflussnahme der Politik
Berta, 20.02.2010
Die Putschisten haben den Rundfunk unter ihre Kontrolle gebracht. Bald haben wir Mielke2 Nachrichtensendungen sehen auch schon so aus wie die Aktuelle Kamera.Jeden Tag Aufschwung und weniger Arbeitslose.
4. Hätte
evolut 20.02.2010
Brender hätte wissen müssen, worauf er sich einläßt. Im Nachhinein läßt sich trefflich lamentieren, wie Peter Voß, der sein bislang geschätztes CDU-Parteibuch zurückgegeben hat. Ob das ZDF jemals über die Zustände im eigenen Haus berichtet? Wohl kaum. Solange der Futtertrog voll ist, wird er nicht umgeworfen.
5.
magickmina 20.02.2010
Wie weit wir schon sind, kann man seit einiger Zeit beim HR-Fernsehen verfolgen. Der blaue Bock wird nur noch von den schönsten hessischen Burgen, Peter Alexander und Roy Black oder dem großen Hessen-Quiz unterbrochen.
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