Kündigung von Kabelverträgen: ARD und ZDF wollen gratis zum Zuschauer

Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen nicht mehr dafür zahlen, dass ihre Programme via Kabel übertragen werden. Die sogenannten Einspeiseentgelte seien ein Relikt, finden ARD und ZDF. Die Netzbetreiber drohen nun, das fehlende Geld bei ihren Abonnenten einzutreiben.

TV-Übertragung per Kabel: Noch müssen Programmanbieter und Endkunden dafür zahlen Zur Großansicht
dapd

TV-Übertragung per Kabel: Noch müssen Programmanbieter und Endkunden dafür zahlen

Mainz/Köln - ARD und ZDF wollen nicht länger für die Verbreitung ihrer Programme in den drei großen privaten Kabelnetzen zahlen. Die Verträge mit den Netzbetreibern seien fristgerecht zum 31. Dezember gekündigt worden, teilten die beiden öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten am Montag in Mainz und Köln mit.

Wer jetzt allerdings befürchtet, er müsse künftig auf die "Tagesschau" oder das "Aktuelle Sportstudio" verzichten, kann beruhigt werden. Der Rundfunkstaatsvertrag sichert über eine sogenannte "must carry"-Regel zu, das die wesentlichen Angebote von ARD und ZDF über Kabel verbreitet werden müssen. Das gilt zumindest für die Hauptprogramme. Allerdings könnte es bei einigen Dritten Programmen der ARD oder für die digitalen Spartensender beider Anstalten Probleme geben.

Betroffen sind mehrere Millionen Haushalte, die ihre Angebote von Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW erhalten. Die drei Firmen können die Programme von ARD und ZDF auch künftig verbreiten, sofern sie entsprechende Lizenzen besitzen. Nach dem Willen der beiden Öffentlich-Rechtlichen sollen sie aber kein Geld mehr dafür erhalten.

"Alimentierung aus Gebührentöpfen"

Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass die Rundfunk-Anstalten für die Verbreitung ihrer Programme Geld an die privaten Netzbetreiber zahlen müssten, erklärte die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Karola Wille. Das Zahlen sogenannter Einspeiseentgelte an die Kabelnetz-Betreiber sei "historisch begründet gewesen". Diese Regelung stamme aus der Zeit, als die frühere Bundespost die Kabelinfrastruktur aufgebaut habe.

Spätestens mit Übernahme der Kabelnetze durch Finanzinvestoren sei aber "eine Alimentierung aus den Gebührentöpfen der Rundfunkanstalten ... nicht mehr marktgerecht". Ähnlich äußerte sich ZDF-Intendant Thomas Bellut. "Soweit erkennbar" kassierten die Kabelbetreiber in keinem vergleichbaren europäischen Land sowohl bei den TV-Sendern als auch bei ihren Kabelkunden, sagte Bellut.

Schon bei der sogenannten Bedarfsanmeldung für ihre Etats in der neuen Gebührenperiode ab 2013 hatten ARD und ZDF nicht mehr die Kabeleinspeisungskosten angegeben, was auf eine Kündigung der Verträge hindeutete. Bisher zahlen die Sender den Konzernen rund 60 Millionen Euro.

Die Kabelnetzbetreiber hatten daraufhin verschiedene Droh-Szenarien entworfen. Man werde zukünftig weniger Angebote der öffentlich-rechtlichen Anstalten verbreiten - und die fehlenden Einkünfte werde man mit höheren Kosten für die Endkunden kompensieren müssen. Doch hierbei sind den Unternehmen Grenzen gesetzt: Die Konkurrenz durch alternative Übertragungswege - per Satellit, DVB-T oder übers Internet - ist groß.

Dennoch halten die Kabelnetzbetreiber an der Bezahlung fest. Man sei guter Hoffnung, dass sich beide Seiten in den kommenden Monaten aufeinander zubewegen, sagte Kabel-Deutschland-Sprecherin Insa Calsow. Sie müssen befürchten, dass andernfalls auch die privaten Sender nicht mehr zahlen wollen - die derzeit noch abwarten, wie der jetzige Konflikt ausgeht. Auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten seien zu Gesprächen mit den Kabelfirmen bereit, betonte Wille.

feb/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Netcologne
WolArn 25.06.2012
Zitat von sysopBetroffen sind mehrere Millionen Haushalte, die ihre Angebote von Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW erhalten.
Netcologne, die ja hier ihr eigenes Glasfasernetz gelegt haben, wird da nicht aufgeführt, und ist von dieser Maßnahme wahrscheinlich auch gar nicht betroffen, denke ich mal. :)
2. Rundfunkgebühr
ron_ben_david 25.06.2012
Ich empfinde die Rundfunkgebühr auch als historisch unbegründet. Man sollte sich alternative Finanzierungskonzepte zum kommenden Modell überlegen. Eine Abgabe auf Receiver oder Fernseher (oder vergleichbares) langt. Die öffentlich-rechtlichen stehen qualitativ konträr zu der zu zahlenden Monatspauschale.
3. Historisch
pussinboots 25.06.2012
Zitat von ron_ben_davidIch empfinde die Rundfunkgebühr auch als historisch unbegründet. Man sollte sich alternative Finanzierungskonzepte zum kommenden Modell überlegen. Eine Abgabe auf Receiver oder Fernseher (oder vergleichbares) langt. Die öffentlich-rechtlichen stehen qualitativ konträr zu der zu zahlenden Monatspauschale.
Historisch unbegründet eher nicht, aber auf jeden Fall in der jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß. Und wieso die öffentlich rechtlichen plötzlich keine Einspeisegebühr mehr zahlen wollen ist mir schleierhaft. Naja, vielleicht denken die, der Schrott, den sie da einspeisen, ist es nicht wert :-) Griechenland wäre vielleicht ein Modell. Dort hängt die Gebühr von der Höhe der Stromrechnung ab. Da bei uns ja demnächst wegen fehlender AKWs kein Strom mehr da sein wird, wird das dann billig werden.
4.
mythreecents 25.06.2012
Zitat von WolArnNetcologne, die ja hier ihr eigenes Glasfasernetz gelegt haben, wird da nicht aufgeführt, und ist von dieser Maßnahme wahrscheinlich auch gar nicht betroffen, denke ich mal. :)
Stimmt; es sind nur die dicken, fetten Kabelmonopolisten, die doppelt gepudert werden--mit Staatsknete aus Rundfunkgebühren und von ihren Kunden, in vielen Fällen von zwangsverkabelten Mietern. Wer die Möglichkeit hat und rechnen kann, stellt sich für die Kosten eines Jahrsabos eine Satantenne aufs Dach.
5. Prima Idee:
AndyDaWiz 25.06.2012
Zitat von ron_ben_davidIch empfinde die Rundfunkgebühr auch als historisch unbegründet. Man sollte sich alternative Finanzierungskonzepte zum kommenden Modell überlegen. Eine Abgabe auf Receiver oder Fernseher (oder vergleichbares) langt. Die öffentlich-rechtlichen stehen qualitativ konträr zu der zu zahlenden Monatspauschale.
Damit ist die GEZ auch historisch unbegruendet und nicht mehr zeitgemaess. Weg damit. Schliesslich sparen die ja jetzt sogar 60 Millionen. Oder soll es dafuer dort neue Stellen geben ? PS: schon mal ueberlegt, was eine Stelle bei ARD/ZDF fuer ein CO2-Aequivalent hat ? Die sollten Zertifikate kaufen muessen dafuer...
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