Von Arno Frank
Irgendwann im Verlauf dieser Sendung äußert der schmerzhaft unlustige Simon Gosejohann, der sonst nur verkrampften Unsinn redet, etwas sehr Aufrichtiges: "Ich glaube, das ist der beste Kindergeburtstag, auf dem ich je war", ruft er freudestrahlend, bevor er in einen Miniaturpanzer steigt, durch einen Parcour fährt und mit der Paintball-Kanone auf einen Papp-Elton schießt. Vorher durfte er mit Alexander Duszat alias Elton bereits Bälle irgendwo reinwerfen, Gegenstände mit der Zunge ertasten und Glasscheiben zertrümmern. Also mal was für junge, begeisterungsfähige Zuschauer. Wer über die Filme von Bud Spencer und Terence Hill lachen kann, der kam hier voll auf seine Kosten. ProSieben hatte die Live-Übertragung am Samstagabend als Abschiedssendung für Elton deklariert, der sich mit 41 mittlerweile zu alt fühle für solche Spiele.
Tatsächlich ist "Elton vs. Simon", diese Kreuzung aus "Jackass", "Schlag den Raab" und "Spiel ohne Grenzen", auf eine pubertäre Weise sogar ganz lustig. Immer dann, wenn es physisch wird. Und physisch wurde es unter der Schirmherschaft des Ex-Handballers Stefan Kretschmar sehr oft, weshalb vor allem Elton die komischere Figur machte. Im Wettstreit zwischen dem Pykniker (Elton) und dem Leptosomen (Simon) macht der unbeholfene Untersetzte immer die komischere Figur, wenn es etwa darum geht, sich im Overall an einer Holzwand festzutackern, oder ein Bett mit rhythmischen Bewegungen zu verrücken. Die Folgen: Schwindel, Anstrengung, Übelkeit, und irgendwann musste Elton ein roter Eimer gereicht werden, in den er sich übergeben konnte. Womit er genau den körperlichen Einsatz zeigte, um den es in solchen Sendungen geht. Der Dicke wird für sein Dicksein bestraft, und der Dünne steht feixend daneben.
Aufrichtiges Lachen über sinnfreien Unfug
Dabei waren die einzelnen Spiele allesamt so kurzweilig und einfältig wie ein kleines Computergame zum Zeitvertreib. "Elton vs. Simon" mochte es hauptsächlich auf Schadenfreude abgesehen haben, produzierte nebenbei aber auch ganz anständigen Slapstick. Was vor allem an den beiden bewusst anticharismatischen Gewöhnlichkeitsdarstellern Elton und Simon lag, die stellvertretend für uns in einer Badewanne über offenem Feuer aushalten oder sich gegenseitig den Ast absägen mussten. Das ist natürlich kindischer Quatsch. Aber ist es denn wirklich kindischerer Quatsch als, sagen wir, auf Brettern über gefrorenes Wasser zu rutschen und mit Kleinkaliber auf Scheiben zu schießen und das Ganze dann Biathlon zu nennen? Das allgegenwärtige Konkurrenzprinzip unserer sportlichen Gesellschaft, hier wurde es von professionellen Idioten auf eine alberne Spitze getrieben und damit ad absurdum geführt.
So weit, so gut - und dann aber auch wirklich mal gut. Allein, die abendfüllende Sendung zog sich über satte vier Stunden und war so abendfüllend dann doch nicht. Es stellte sich vielmehr der Effekt ein, den Eltern kennen, deren Kinder ausgelassen über alle Stränge schlagen. Zuerst lacht man aufrichtig über den sinnfreien Unfug, dann betrachtet man ihn immerhin noch wohlwollend. Nach ein bis zwei Stunden weicht das Wohlwollen einer gewissen Ratlosigkeit. Spätestens nach drei Stunden stellt sich lähmende Langeweile ein und der sehnliche Wunsch, der Kindergeburtstag möge nun bitte bald vorbei sein. Aber dann muss noch eine fünf Meter lange Nudel aufgesaugt, der Körper mit der Tennisballmaschine beschossen oder irgendein Topf geschlagen werden. Und die Strapazen der Kontrahenten übertragen sich auf fernmagische Weise auf das Publikum vor den Bildschirmen.
Als das Theater dann gegen Mitternacht mit dem Sieg von Elton tatsächlich ein Ende findet, ist der Zuschauer längst in jenen hypnotischen seelischen Zustand versunken, den man wohlwollend als Trance bezeichnen könnte. Oder, realistischer, als Ramdösigkeit.
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