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15. Juni 2012, 16:41 Uhr

Löw-Bilder im TV

Uefa verteidigt sich in Balljungen-Affäre

"Live ist live" - klingt irgendwie nach achtziger Jahre, ist bei Berichten von der EM 2012 allerdings nicht garantiert. Das zeigen die in die TV-Übertragung montierten Balljungen-Bilder von Jogi Löw, die vorher aufgezeichnet worden waren. Nun nimmt die Uefa Stellung und das ZDF beschwert sich.

Hamburg/Charkiw - Die TV-Bilder des scherzenden Bundestrainers Joachim Löw mit einem Balljungen sorgen weiter für Ärger. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) schnitt die Szene in der 22. Minute in die Live-Übertragung der EM-Partie gegen die Niederlande (2:1), obwohl sie sich bereits vor dem Match abgespielt hatte. Auf den Bildern sieht man Löw, wie er in Lausbubenmanier einem Jungen den Ball aus dem Arm schlägt.

Das ZDF wies den Vorwurf der Bilder-Manipulation zurück. "Der Regisseur des Weltbildes hat die Szene in die Live-Übertragung eingespielt. Die Verantwortung liegt ausschließlich bei ihm", erklärte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. ZDF-Chefredakteur Peter Frey wurde deutlicher: "Wir haben bei der Uefa moniert, dass tatsächlich der Anschein erweckt wurde, es handele sich um Live-Bilder".

Auch WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn, ARD-TV-Koordinator für die EM, äußerte sich. Die Kritik an der Uefa insgesamt sei überzogen. Manipulationen am Livebild seien allerdings nicht tragbar: "Live ist live und muss live bleiben."

Die Uefa hatte eine Produktionsfirma mit der Erstellung der international gezeigten TV-Aufnahmen beauftragt und sieht sich unter anderem mit dem Vorwurf konfrontiert, unliebsame Motive wie etwa provokative Plakate bewusst auszublenden. Der Deutsche Journalisten-Verband forderte ZDF und Uefa auf, "die Manipulation der Fernsehbilder" umgehend aufzuklären.

Die Uefa verwies im Bezug auf Löw auf die alleinige Verantwortlichkeit des für das Spiel zuständigen Regisseurs. "Es ist nicht unüblich, dass solche Szenen auch mal in die Live-Übertragung eingespielt werden", sagte ein Sprecher der Europäischen Fußball-Union. Die Uefa könne diese Vorgänge aber aktuell nicht kontrollieren und steuern.

sha/dpa/sid

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