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Giovanni di Lorenzo: "Zeit"-Chef offenbart sich bei Jauch als Wahlbetrüger

"Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo: "Ich muss zugeben, dass ich zweimal gewählt habe" Zur Großansicht
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"Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo: "Ich muss zugeben, dass ich zweimal gewählt habe"

Überraschendes Geständnis von Giovanni di Lorenzo bei Günther Jauchs Talk zur Europawahl: Er habe zweimal abgestimmt, plaudert der "Zeit"-Chef aus - in Italien und in Deutschland.

Hamburg - Der Sonntagstalk von Günther Jauch zur Europawahl plätschert eine Zeitlang relativ unaufgeregt dahin. Bis der Moderator den "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo fragt, ob er in Deutschland oder Italien abgestimmt habe. Die Antwort: "Ich muss zugeben, dass ich zweimal gewählt habe. Einmal gestern im italienischen Konsulat und einmal heute in einer Hamburger Grundschule." Schließlich habe er ja auch zwei Pässe.

Doppelt hält besser? Bei Wolfgang Schäuble (CDU), der früher als Innenminister auch für die Verfassung zuständig war, stößt di Lorenzo auf wenig Verständnis. "Ich gönne es Ihnen ja, ich freue mich ja, dass Sie so eifrig sind", sagt der heutige Finanzminister. Aber es könne nicht sein, dass manche Bürger zweimal wählen.

Im Europawahlgesetz ist klar geregelt, dass auch Doppelstaatler nur einmal ihre Stimme abgeben dürfen. "Das Wahlrecht darf nur einmal und nur persönlich ausgeübt werden. Das gilt auch für Wahlberechtigte, die zugleich in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union zum Europäischen Parlament wahlberechtigt sind", heißt es in Paragraf 6.

Di Lorenzo sollte das eigentlich wissen. Zumal die Online-Ausgabe der "Zeit" sich erst vor wenigen Tagen mit dem Thema befasst hat - mit einem Fokus auf Deutsch-Italiener. Wegen mangelnder Kontrollen könnten Wähler mit doppelter Staatsangehörigkeit Wahllokale in zwei Ländern aufsuchen, heißt es in dem Artikel.

Dies könne nach Paragraf 107a des Strafgesetzbuches wegen Wahlfälschung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Letztlich sei das Gewissen der Wähler der einzige Schutzmechanismus gegen die Doppelwahl. "Jeder Wähler trägt selbst die Verantwortung: Wenn er redlich ist, wird er seine Stimme wie alle anderen nur einmal abgeben", wird der Sprecher der italienischen Botschaft in dem Artikel zitiert.

In Günther Jauchs Talksendung sagt Schäuble später frotzelnd zu di Lorenzo: "Ins Gefängnis müssen Sie deshalb nicht." Und dieser gelobt Besserung: "Ich lasse nächstes Mal eine Wahl weg, Herr Schäuble."

wit/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 255 Beiträge
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    Seite 1    
1. gleiches Recht für alle
der_querdenker 26.05.2014
Die dafür fällige Strafe regelt das Gesetz, das ja angeblich für alle gleich ohne Ansehen der Person gelten soll. Wenn der Rechtsstaat ernst genommen werden will, muss dieser Wahlbetrug geahndet werden.
2. ein Mann = eine Stimme
angelina10 26.05.2014
mit diesem Slogan wurde einst für das allgemeine Wahlrecht gekämpft. Heute heißt es: 1 Pass = 1 Stimme. 2 Pässe = 2 Stimmen.... Wer in Deutschland macht sich für die Einpässer stark? Ich fordere MINDESTENS 2 Stimmen für den gemeinen einpassigen Deutschen!
3. Unverschämtheit oder Betrug?
david_crocket 26.05.2014
Zitat von sysoppicture alliance / dpaÜberraschendes Geständnis von Giovanni di Lorenzo bei Günther Jauchs Talk zur Europawahl: Er habe zweimal abgestimmt, plaudert der "Zeit"-Chef aus - in Italien und in Deutschland. http://www.spiegel.de/kultur/tv/europawahl-giovanni-di-lorenzo-outet-sich-bei-jauch-als-wahlbetrueger-a-971635.html
Schon unverschämt das Verhalten des Herrn di Lorenzo. Vielleicht äussert sich ja auch der recht bekannte Herausgeber des Blattes dazu. Eine strafrechtliche Würdigung dieses Verhaltens würde ich begrüssen, für mich rückt er schon recht nah ran - an Herrn Berlusconi.
4. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht
bbär 26.05.2014
Und genau deshalb hoffe ich, dass sich jemand findet, diesen Vorgang zu verfolgen und ein Exempel zu statuieren. Wie kommt Schäuble zu der Bahauptung, sein Bilderberg-Kollege müsse deshalb nicht ins Gefängnis? Das haben hoffentlich noch andere zu entscheiden. Zumal die Arroganz des Gespanns -vor allem gegenüber Steinbrück- kaum zu ertragen war.
5. Erbärmlich
viwaldi 26.05.2014
Zitat von sysoppicture alliance / dpaÜberraschendes Geständnis von Giovanni di Lorenzo bei Günther Jauchs Talk zur Europawahl: Er habe zweimal abgestimmt, plaudert der "Zeit"-Chef aus - in Italien und in Deutschland. http://www.spiegel.de/kultur/tv/europawahl-giovanni-di-lorenzo-outet-sich-bei-jauch-als-wahlbetrueger-a-971635.html
Und da wundert sich noch jemand, dass "Alternativen" wählbar werden, wenn auf allen Ebenen geschummelt und betrogen wird? Ist di Lorenzo noch bei Trost? Was ist das den für eine "demokratische Gesinnung", sich über andere Normal-Wähler mit einer doppelten Stimmabgabe zu erheben? Der Wert dieser Europa-Wahl nähert sich damit einer Kirmes-Veranstaltung immer mehr an. Das urdemokratische Prinzip "one man - one vote" wird nicht nur über den Verteilungsschlüssel der einzelnen Länder gebrochen, sondern durch die einfache Schummelmöglichkeit a la di Lorenzo zusätzlich veralbert. Lese ich dann noch über die Pläne des SPON Mitarbeiters von "Die Partei", gibt sich das Europäische Parlament selbst der Lächerlichkeit preis. Tut mir leid, dieses sog. Parlament ist eine Lachnummer, es hat sich selbst dazu gemacht. Es darf weder mehr Macht und Einfluss bekommen, noch sollte man es ernst nehmen. Di Lorenzo tut das ja offensichtlich auch nicht.
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