Eurovision Song Contest 2018 China zensiert ESC-Ausstrahlung

Weil zwei Männer sich umtanzen und Händchen halten, wurde der irische Beitrag in China komplett nicht gezeigt. Nun reagiert der europäische Sendeverbund - und verbietet die Übertragung des Finales in dem Land.

Tänzer im ersten Halbfinale
ESC

Tänzer im ersten Halbfinale


Zwei Männer laufen Händchen haltend über eine Brücke, sie schauen sich tief in die Augen und tänzeln um eine Bank herum, während Ryan O'Shaughnessy seinen Song "Together" singt. So inszeniert der irische Sänger seinen Beitrag im ersten Halbfinale des ESC (Lesen Sie hier einen Nachbericht des 1. Halbfinales). Das verstößt offenbar gegen ein Gesetz in China, deshalb verschwand der Beitrag aus Irland komplett aus der dortigen Übertragung.

Kurz vor Beginn des zweiten Halbfinales beim Eurovision Song Contest hat die European Broadcasting Union (EBU) daraufhin mitgeteilt, sie werde die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Streaming-Dienst Mango TV mit sofortiger Wirkung beenden. Mango TV, das zum staatlichen Sender Hunan TV gehört, konnte deshalb nun weder das zweite Halbfinale ausstrahlen, noch wird es das Finale zeigen dürfen.

Der chinesische Streamingdienst hatte den Beitrag zensiert, weil letztes Jahr ein Gesetz in China erlassen wurde, nach welchem keine "abnormalen" sexuellen Aktivitäten mehr behandelt werden dürfen - die Darstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe in Onlinevideos falle darunter. Zwar ist in China Homosexualität seit 1997 straffrei, aber viele Lesben, Schwule, Bi- und Trans*Menschen (LGBT) sehen sich immer noch mit einem Tabu belegt und flüchten in Scheinehen. Erst im April wollte Weibo, das chinesische Twitter-Pendant, homosexuelle Inhalte verbannen und ruderte nach einer großen öffentlichen Empörung wieder zurück.

Sänger Eugent Bushpepa
Andres Putting/ ESC

Sänger Eugent Bushpepa

Auch der Beitrag Albaniens fiel der Zensur bei Mango TV zum Opfer. Der Grund? Die Tattoos des Sängers Eugent Bushpepa verstoßen gegen ein anderes Gesetz.

In einem kurzen Statement des europäischen Sendeverbundes heißt es zur Zensur in China: "Das steht nicht im Einklang mit den Werten der EBU von Universalität und Inklusivität und der stolzen Tradition, Vielfalt durch Musik zu feiern. Wir bedauern, dass wir mit sofortiger Wirkung unsere Partnerschaft mit dem Sender einstellen müssen."

Wie der irische Sänger O'Shaughnessy der BBC mittlerweile sagte, begrüßt er die Entscheidung: "Von Anfang an sagten wir, Liebe ist Liebe, egal ob zwischen zwei Jungs, zwei Mädchen oder einem Jungen und einem Mädchen."



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