Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Eurovision-TV: Li-La-Launebären in der Lenarena

Von Peer Schader

Judith Rakers leidet unter Moderationsschluckauf, das Achtziger-Urgestein Frank Elstner scheitert am Lena-Interview, und Stefan Raab mutiert vom Entertainer zum Diplomaten. Der Auftakt der Eurovision-Woche im TV zeigte, was ARD und ProSieben bevorsteht: viel Sendezeit mit nichts füllen.

Titelverteidigerin Lena probt ihren ESC-Auftritt - und zeigt wenig Lust auf Frank Elstner Zur Großansicht
dapd

Titelverteidigerin Lena probt ihren ESC-Auftritt - und zeigt wenig Lust auf Frank Elstner

Vielleicht war es eines der schwersten Interviews seiner Karriere: das mit der widerspenstigen 19-Jährigen in der ARD-Lounge oben in der Düsseldorfer Arena. Weil die junge Frau sich schon unter normalen Umständen kaum richtig interviewen lässt. Und erst recht nicht, wenn sie ihren Interviewpartner nicht ausstehen kann.

Insofern ist es eine hervorragende Idee der ARD gewesen, den Auftakt ihrer vorabendlichen "Show für Deutschland" ausgerechnet von Frank Elstner moderieren zu lassen, der mit dem Eurovision Song Contest ungefähr überhaupt nichts am Hut hat. Denn er und Lena haben sich bei ihrem ersten Treffen gehasst.

Das war allerdings herrlich anzusehen: Wie der alte Hase Elstner sich mit seinen "Wetten dass..?"-Showmaster-Gesten an der 50 Jahre jüngeren Göre abarbeitete, die ihm, von dem Freundlichkeitsgetue sichtlich genervt, ständig in die Parade fuhr.

"European Song Contest", verhaspelte sich Elstner mehrmals, und Lena mahnte: "Das heißt Eurovision." – "Das war früher mal ein Fußballstadion", in dem der ESC jetzt über die Bühne gehe, sagte Elstner. Und Lena korrigierte: "Ist es immer noch." – "Sie sind der einsamste Mensch auf der Bühne", meinte Elstner. Und Lena: "Nein, da sind noch fünf Tänzerinnen." – "Wie kommen Sie mit dem Erfolg der letzten zwei Jahre zurecht?", fragte Elstner. Lena: "Wieso zwei?" Elstner: "Letztes Jahr ging's los, dieses Jahr ging's weiter. Wenn ich richtig rechnen gelernt habe." Und Lena kühl: "Naja."

Irgendwann stand der Moderator mit seinem Gast draußen auf einem der Ränge der Arena, mit freier Sicht auf die riesige ESC-Bühne im Hintergrund, redete in seinem freundlichsten Frank-Elstner-Ton auf die Zuschauer ein, und Lena äffte ihn nebendran simultan dazu nach.

Es war das Großartigste, was die ARD seit langem auf dem Sendeplatz um 18.50 Uhr gezeigt hat.

Und eine der wenigen sehenswerten Szenen der zahlreichen Sondersendungen und -berichte, die seit Montag zur Vorbereitung des Eurovision Song Contest auf die deutschen Fernsehzuschauer herabprasseln. Im ARD-"Morgenmagazin" lieferte Moderatorin Judith Rakers bereits eine detaillierte Aufgeregtheitsanalyse ihrer ersten Hallenbesichtigung: "Im ersten Moment hab ich richtig Herzrasen bekommen, das hat sich nach fünf Minuten gelegt. Dann hatte ich drei Besprechungen, kam wieder in die Halle, dann war es wieder da, ungefähr fünf Minuten, ging dann aber wieder weg." Also eine Art Moderationsschluckauf.

Stefan Raab hingegen fand, er sei gar nicht aufgeregt: "Du fragst doch auch einen Melonenkäufer nicht: Biste aufgeregt, weil du heute so 'ne große Melone verkaufen musst?"

Das hat er jedenfalls abends bei ProSieben in "Eurovision total" seiner Vertretung Matthias Opdenhövel verraten, nachdem Raab direkt von der letzten ESC-Showprobe ins improvisierte Studio kam, genau dasselbe übrigens, in dem er vorher schon bei Elstner gesessen hatte, weil die ARD und ProSieben so dicke sind, dass sie sich nicht nur einen Song Contest teilen können, sondern auch eine winzige Promi-Loge mit Balkontür, aus der man die günstigsten Live-Shows der Welt senden kann.

Und in der gerade mal 20 Zuschauer Platz haben, was die Aktionsmöglichkeiten für so eine Show nicht unwesentlich einschränkt.

Busserln mit der georgischen Delegation

Im Vergleich zu der Zeit in Oslo im vergangenen Jahr fehlt der Melonenverkäufer Raab diesmal deutlich. Zum einen steht er permanent selbst auf der Bühne und hat deshalb keine Zeit für die eigene Show; zum anderen darf er sich als offizieller ESC-Moderator nicht über Lena oder ihre Mitbewerber äußern. "Dieses Jahr sind alle super", ist das Einzige, was aus ihm rauszukriegen ist. Die ironisch-lockere Konkurrenzanalyse mit Lena, einer der Höhepunkte der heißen ESC-Phase in Norwegen, fällt diesmal komplett weg. Ebenso wie die Einspielfilme, in denen Lena und Raab die Gastgeberstadt unsicher gemacht haben.

Also versuchen die ARD und ProSieben, bis zum Samstag so viel Sendezeit wie nie zuvor mit so wenigen Inhalten wie möglich zu füllen.

"TV total"-Elton durfte für ProSieben ein bisschen auf der Euroclub-Party herumturnen und die komplette georgische Delegation bebusserln. Im Ersten ließ Frank Elstner die Ex-Grand-Prix-Teilnehmerin Katja Ebstein und einen allwissenden Fan in einem Quiz gegeneinander antreten. Dazu lief ein mäßig inspiriertes "Lena-Tagebuch", das aber nicht so heißen darf, weil der Name schon für dieselbe Rubrik in "Eurovision total" auf ProSieben reserviert ist.

Da half's auch nicht, dass Sabine Heinrich sich mit ihrem Backstage-Bericht als offizielle Statistikerin des Wettbewerbs bewarb: 104 Stufen muss Lena bis zur Garderobe laufen! 18 Minuten braucht sie zum Umziehen! 14 Zentimeter sind ihre Absätze hoch!

Hätte es die lustigen Verstimmungen zwischen Lena und Elstner nicht gegeben, wäre die ARD-"Show für Deutschland" nur schwer erträglich gewesen. So aber ließ sich beobachten, wie wenig Elstner mit seinem Achtziger-Jahre-Moderationsrhythmus in die Kulisse passte. Lena nannte er "Prinzessin von Deutschland", die Halle dichtete er zur "Lenarena" um, und wenn ihm hinter seinem Rücken jemand einen Blumenstrauß für die Dame zugeworfen hätte, hätte Elstner, der sich ernsthaft als "Mister Entertainment" ankündigen ließ, ihn wahrscheinlich blind gefangen.

Noch ein bisschen peinlicher kann's eigentlich nur werden, wenn ProSieben am Dienstag mit täglichen Spezialausgaben seines Klatschmagazins "red!" in die nachmittägliche ESC-Vorberichterstattung einsteigt. Es sei denn, die ARD entscheidet sich noch kurzfristig, den "Countdown für Lena" am Vorabend doch nicht von wechselndem Personal moderieren zu lassen und Elstner zum täglichen Prinzessinnengespräch zu verpflichten.

Sieht aber nicht so aus: "Morgen wird die Sendung noch schöner", versprach Elstner am Ende. "Mit Barbara Schöneberger." Top, die Wette gilt.


"Die Show für Deutschland. Countdown für Lena" (Das Erste, bis Freitag täglich 18.50 Uhr), "red! Eurovision Spezial" (ProSieben, Dienstag & Mittwoch 16 Uhr), "Eurovision total" (ProSieben, Dienstag & Donnerstag 23 Uhr, Mittwoch & Freitag 22.10 Uhr)

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 178 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Es rockt
wanderprediger, 10.05.2011
Zitat von sysopJudith Rakers*leidet unter*Moderationsschluckauf,*das Achtziger-Urgestein Frank Elstner scheitert am*Lena-Interview und*Stefan Raab mutiert vom Entertainer zum Diplomaten.*Der*Auftakt der Eurovision-Woche im TV zeigte, was ARD und ProSieben bevorsteht: viel Sendezeit mit nichts füllen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,761623,00.html
Lena rockt Europa Pippa rockt England und Merkel trägt Hosenanzug
2. ...
Rodri 10.05.2011
Diese Göre zu sehen war letztes Jahr schon allerschlimmste Folter. Leider kam man ja teilweise nicht drumrum. Nunja, ich denke sie wird weit hinten landen. Irgendwann fällt jedem auf, dass sie einfach nichts kann außer sich in Gesprächen wie der letzte Steinzeitmensch zu benehmen.
3. ARD & ZDF Zwangsabschalten durch Veruntreuung von Geldern!
!!!Fovea!!! 10.05.2011
Zitat von sysopJudith Rakers*leidet unter*Moderationsschluckauf,*das Achtziger-Urgestein Frank Elstner scheitert am*Lena-Interview und*Stefan Raab mutiert vom Entertainer zum Diplomaten.*Der*Auftakt der Eurovision-Woche im TV zeigte, was ARD und ProSieben bevorsteht: viel Sendezeit mit nichts füllen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,761623,00.html
Und für sowas zahlt man dann jeder ab 2013 eine Zwangssteuer.....(heutzutage noch GEZ genannt, ich sage dazu nur "modernes Raubrittertum" bzw. "Wegelagerei".... Eine Unverschämtheit!
4. Ein Jammer...
relies 10.05.2011
Ein Jammer, dass soetwas (oder z.B. auch diese Hochzeit neulich) immer derart ausgewalzt wird, bis es einem zu den Ohren herauskommt. Das mit der Grundversorgung durch zwangsgebührenfinanziertes Fernsehen war doch irgendwie andersgemeint, oder?
5. .
biobanane 10.05.2011
Zitat von !!!Fovea!!!Und für sowas zahlt man dann jeder ab 2013 eine Zwangssteuer.....(heutzutage noch GEZ genannt, ich sage dazu nur "modernes Raubrittertum" bzw. "Wegelagerei".... Eine Unverschämtheit!
Und für so ein Geheule verschwenden Sie den teuren Festplattenplatz von SPON.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Vom Fußballstadion zum Fernsehstudio

Fotostrecke
Lenas Karriere: Die Akte Axt

Vote
Schafft es Lena?

Vor einem Jahr hat Lena den Eurovision Song Contest gewonnen. Aber wie sieht es wohl diesmal aus?

Der Eurovision Song Contest
Abstimmungsverfahren
Am 14. Mai steigt in Düsseldorf das Finale des 56. Eurovision Song Contests. Lena Meyer-Landrut ist als Titelverteidigerin wieder mit dabei.

Der Sieger des Eurovision Song Contest wird ermittelt, indem jedes der 43 Teilnehmerländer aus den 25 Finalisten seine Top Ten auswählt und Punkte vergibt: Der beste Interpret bekommt zwölf Punkte, der zweite zehn, der dritte noch acht Punkte, und dann runter von sieben bis zu einem Punkt. Für den Beitrag aus dem eigenen Land darf man nicht stimmen.

Wer die meisten Punkte einer Nation bekommen soll, bestimmt in jedem Land eine fünfköpfige nationale Jury zusammen mit dem Fernsehpublikum per Telefon oder SMS - ihre Wertungen gehen jeweils zu 50 Prozent in die Gesamtwertung einer Nation ein.

Schließlich werden alle Punkte, die ein Teilnehmer von anderen Ländern erhält, summiert. Gewonnen hat das Land mit dem Interpreten, der am Ende die meisten Punkte bekommen hat.

Wenn zwei oder mehr Teilnehmer die gleiche Punktanzahl haben, gelten weitere Unterscheidungskriterien - vor allem, wie viele Länder für einen Kandidaten votierten, und schließlich auch, wie viele Höchstwertungen sie bekommen haben.
Teilnehmer und Halbfinals
2011 beteiligen sich 43 Länder am Eurovision Song Contest . Fünf Länder sind automatisch für das Finale qualifiziert: die großen Geldgeber der veranstaltenden Europäischen Rundfunk-Union (EBU) Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

Alle anderen müssen sich in zwei 19er-Halbfinalrunden am 10. und 12. Mai qualifizieren - ein Finale mit 43 Sängern oder Bands wäre zu ausufernd. Die zehn Besten beider Halbfinals kommen weiter. Beim ersten Halbfinale dürfen deutsche Fans nur mitfiebern, beim zweiten Halbfinale können sie aber per Telefon oder SMS für ihren Kandidaten stimmen.

Beim Finale am 14. Mai sind dann alle 43 Teilnehmerländer aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Nur für den eigenen Beitrag darf man nicht anrufen - außer man befindet sich im Urlaub auf Mallorca oder anderswo im Ausland.
Erfolgreichste Länder
Grand-Prix-Rekordsieger ist Irland mit sieben Triumphen, zuletzt 1996 mit Eimear Quinn und ihrem Song "The Voice". Dahinter folgen Großbritannien, Frankreich und Luxemburg mit je fünf Siegen.

In den 55 Grand-Prix-Jahren gewannen zweimal deutsche Teilnehmerinnen: Im letzten Jahr Lena Meyer-Landrut mit ihrem Song "Satellite" und 1982 Nicole mit dem Lied "Ein bißchen Frieden".
Veranstaltungsort
Der Grand Prix wird immer in dem Land des Vorjahressiegers ausgetragen. Da Lena den Preis 2010 nach Deutschland holte, findet der Eurovision Song Contest 2011 in der Bundesrepublik statt - in Düsseldorf in der Arena, in der sonst Fortuna Düsseldorf spielt.
Regeln für die Interpreten

Das Lied darf nicht länger als drei Minuten sein.

Die Interpreten müssen mindestens 16 Jahre alt sein.

Jeder Interpret darf pro Jahr nur für ein Land antreten.

Es dürfen nicht mehr als sechs Personen auf der Bühne mitwirken.

Das Lied muss live gesungen werden, die Instrumentalmusik wird dazu als Playback eingespielt.

Das Lied oder der Auftritt dürfen keine politische Botschaft enthalten oder dem Wettbewerbsimage schaden.

Beim Auftritt dürfen keine Tiere mitwirken.

Die Lieder dürfen frühestens am 1. September des Vorjahres veröffentlicht werden.

Es muss sich um einen Originalsong handeln, darf also keine Coverversion eines älteren Liedes sein.


Eurovisions-Gewinner seit 1995
2010
Lena Meyer-Landrut aus Hannover mit "Satellite"
2009
Alexander Rybak aus Norwegen mit "Fairytale"
2008
Dima Bilan aus Russland mit "Believe"
2007
Marija Serifovic aus Serbien mit "Molitva"
2006
Lordi aus Finnland mit "Hard Rock Hallelujah"
2005
Helena Paparizou aus Griechenland mit "My Number One"
2004
Ruslana aus der Ukraine mit "Wild Dances"
2003
Sertab Erener aus der Türkei mit "Everyway That I Can"
2002
Marie N aus Lettland mit "I Wanna"
2001
Tanel Padar & Dave Benton aus Estland mit "Everybody"
2000
Olsen Brothers aus Dänemark mit "Fly On The Wings Of Love"
1999
Charlotte Nilsson aus Schweden mit "Take Me To Your Heaven"
1998
Dana International aus Israel mit "Diva"
1997
Katrina & the Waves aus Großbritannien mit "Love Shine A Light"
1996
Eimear Quinn aus Irland mit "The Voice"
1995
Secret Garden aus Norwegen mit "Nocturne"
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: