Streit um Äußerung zur NS-Zeit: Eva Herman scheitert vor Verfassungsgericht

Der Rechtsstreit zwischen Eva Herman und der Axel Springer AG ist entschieden. Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin hatte gegen den Verlag geklagt, weil dieser ein Zitat Hermans über das Familienbild in der NS-Zeit falsch wiedergegeben habe. Jetzt ist sie in Karlsruhe gescheitert.

Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Herman: Niederlage in Karlsruhe Zur Großansicht
dapd

Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Herman: Niederlage in Karlsruhe

Karlsruhe - Eva Herman ist endgültig mit ihrem Versuch gescheitert, sich gegen ein angebliches Falschzitat zur Familienpolitik der NS-Zeit zu wehren. Das Bundesverfassungsgericht nahm in einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss die Verfassungsbeschwerde der ehemaligen "Tagesschau"-Sprecherin nicht zur Entscheidung an.

Herman hatte gegen die Axel Springer AG geklagt, weil das von dem Verlag herausgegebene "Hamburger Abendblatt" eine bei einer Pressekonferenz im Jahr 2007 getätigte Äußerung der Moderatorin ihrer Meinung nach falsch wiedergegeben habe.

Herman hatte am 6. September 2007 bei der Vorstellung ihres Buches "Das Prinzip Arche Noah - warum wir die Familie retten müssen" vor Journalisten wörtlich gesagt: "Wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das - alles, was wir an Werten hatten - es war 'ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle - aber es ist eben auch das, was gut war - das sind die Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben."

"Herman war es nicht gelungen, sich unmissverständlich auszudrücken"

Das "Hamburger Abendblatt" fasste diese Äußerung damals folgendermaßen zusammen: "In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat. Kurz danach war diese Buchvorstellung Gott sei Dank zu Ende."

Herman sah sich falsch zitiert und schwerwiegend in ihrem Persönlichkeitsrecht betroffen. In einer früheren Instanz hatte das Oberlandesgericht Köln die Axel Springer AG zu 25.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt, weil die Zeitung die umstrittene Äußerung nicht richtig wiedergegeben habe. Im Revisionsverfahren entschied jedoch der Bundesgerichtshof im Oktober 2011, dass diese Berichterstattung "das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Klägerin nicht beeinträchtigt" und gab damit dem Verlag Recht.

Das Bundesverfassungsgericht betonte jetzt: "Der Leser erkennt, dass es sich um eine verkürzende und verschärfende Zusammenfassung der Buchvorstellung handelt." Das allgemeine Persönlichkeitsrecht von Herman müsse hier "hinter die Meinungsfreiheit des Zeitungsherausgebers zurücktreten". Die Buchautorin, "der es nicht gelungen war, sich unmissverständlich auszudrücken", müsse die streitgegenständliche Passage als zum "Meinungskampf" gehörig hinnehmen.

syd/dapd/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Eva Herman
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback