Ex-NDR-Fernsehspielchefin Heinze bestreitet verbotene Absprachen

Doris Heinze zeigt sich im Prozess um mutmaßlich veruntreute Drehbuch-Honorare schuldbewusst. Ihre Produzentin aber nimmt die Ex-Fernsehspielchefin des NDR in Schutz. Geheime Absprachen mit ihr habe es angeblich nicht gegeben.

DPA

Hamburg - Bestechlichkeit, schwere Untreue und Betrug: Die Vorwürfe gegen Doris Heinze wiegen schwer, die frühere NDR-Fernsehspielchefin hat bereits Fehler eingeräumt. Absprachen mit ihrer Filmproduzentin will Heinze aber nicht getroffen haben, gab sie am Freitag vor dem Landgericht Hamburg zu Protokoll. "Es war - mal abgesehen von den Pseudonymen - eine ganz normale Zusammenarbeit", so die 63-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft hingegen wirft Heinze unter anderem auch verbotene Absprachen vor: Die Produzentin Heike Richter-Karst soll unter Decknamen geschriebene Drehbücher von Heinze und deren Ehemann gekauft haben. Im Gegenzug soll Heinze versprochen haben, sich dafür einzusetzen, dass der NDR genau diese Produktionsfirma beauftragt. Diesem Vorwurf widersprach die Ex-Fernsehspielchefin. Zwar habe Richter-Karst gewusst, wer hinter den beiden Pseudonymen steckt, sagte Heinze, aber: "Wir hatten gar nichts vereinbart, wie das laufen soll. Darüber haben wir nie gesprochen." Auch die Produzentin Richter-Karst und Heinzes Ehemann Claus Strobel sitzen auf der Anklagebank.

Heinze soll mit Drehbüchern, die sie unter falschem Namen verfasste, das volle Honorar von rund 26.000 Euro kassiert haben - obwohl ihr als NDR-Mitarbeiterin nur die halbe Gage zustand.

Sie habe gewusst, dass ihr als NDR-Mitarbeiterin nur die Hälfte des Honorars zustehe, sagte Heinze. "Was ganz klar war, war die 50-Prozent-Regel - wobei die unterschiedlich gehandhabt wurde. Es gab ganz viele Möglichkeiten, die zu umgehen." Die Regelwerke des NDR mit den Dienstanweisungen hätten zwar in ihrem Büro gestanden, im Wortlaut habe sie sie aber nicht gelesen. Sie habe aber dennoch gewusst, dass es nicht in Ordnung war, Pseudonyme nicht offenzulegen oder Geschäfte mit Angehörigen zu machen.

Der Prozessauftakt war turbulent verlaufen: Kurz nach Beginn hatten sich Verteidiger, Staatsanwälte und Richter zurückgezogen, um über einen Deal zu verhandeln. Dieser scheiterte jedoch, offenbar zur Überraschung der Verteidigung.

bos/dpa/dapd

zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.