ARD-Sondersendung So viele "Brennpunkte" wie seit 1999 nicht mehr

Der Anschlag auf "Charlie Hebdo", die Flüchtlingskrise, der IS-Terror: 2015 war ein ungewöhnliches Nachrichtenjahr. Das schlägt sich auch in der Bilanz der ARD-Sondersendung "Brennpunkt" nieder - 43 Ausgaben gab es in diesem Jahr davon.

Demonstrationen nach dem "Charlie Hebdo"-Anschlag: 43 "Brennpunkte"
REUTERS

Demonstrationen nach dem "Charlie Hebdo"-Anschlag: 43 "Brennpunkte"


Wenn die ARD einen "Brennpunkt" kurzfristig einplant, ist es eigentlich kein gutes Zeichen. Das heißt zumeist, dass es wieder irgendwo einen Anschlag gab, ein Hochwasser oder eine andere Krise oder Tragödie. Davon hatte das laufende Jahr offenbar mehr als genug zu verzeichnen: Von der Sondersendung wurden 2015 so viele Ausgaben produziert wie seit 16 Jahren nicht mehr, teilte die Programmdirektion des Ersten in München mit.

Demnach hat die ARD 2015 bislang 43 "Brennpunkt"-Ausgaben ausgestrahlt. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor wurden 28 Sondersendungen des Formats gezeigt, im absoluten Rekordjahr 1999 waren es 70 - in erster Linie zum Kosovo-Krieg. Der "Brennpunkt", der nach der 20-Uhr-"Tagesschau" läuft, hat meist die höchste Aufmerksamkeit unter den Sondersendungsformaten.

Doch auch die anderen großen Sender - ZDF, RTL, Sat.1 - änderten 2015 aus aktuellem Anlass öfter ihr Programm. Das ZDF strahlte 2015 bislang sogar 47 Mal ein "ZDF spezial" im Anschluss an die 19-Uhr-"heute"-Sendung aus.

vks/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
silenced 16.12.2015
1.
Liegt vielleicht auch daran, daß zur Zeit einfach Quote über Inhalt geht. Irgendwas muss eben immer als Brennpunkt herhalten. Wird nächstes Jahr mit Sicherheit nicht anders werden.
dmenz 16.12.2015
2. Naja, Inflation nennt man das.
Wir tippen ja teilweise schon, ob das und das Thema aus der Tagesschau nicht garantiert nen Brennpunkt nach sich zieht. Und manchmal wundert man sich schon auch. Die Rücktritte von Niersbach , Blatter und Winterkorn zum Beispiel muss man nun nicht auch noch in einer Extrasendung durchgekaut haben... Das ist eine Nachricht und gut.Ein paar andere kann man drüber streiten ob sie überflüssig sind oder nicht...
zahndochro 16.12.2015
3. Endlose Wiederholungen
Die Nachrichten werden nicht dadurch interessanter, indem man sie in so genannten "Brennpunkten" ständig wiederholt - wenn ich mir den geplanten Fernsehabend zerstören will, dann schalte ich auf einen Nachrichtensender. Alles andere nervt und nähert sich dem Niveau der Privaten.
erst nachdenken 16.12.2015
4.
Man sollte die Brennpunkte endlich mal reduzieren, es nervt nur noch. Nach den Pariser Anschlägen kam fast eine Woche lang jeden Tag einer, obwohl es keinerlei Neuigkeiten zu berichten gab, die nicht in einem 2 Minuten Beitrag in der Tagesschau vollumfänglich hätten gesendet werden können.
Hyperboraeer 16.12.2015
5. Wie wär´s mit einem Extra-Brennpunkt über den Brennpunkt?
Ich mache eine Sondersendung, also bin ich. Die mediale Selbstbeschäftigung und Aufgeregtheit haben wir beim ehem. BPräs Wulff ja kennenlernen dürfen, nur noch zu toppen durch die Nicht=Null-Berichterstattung beim German Wings-Absturz: alle 5 Minuten eine 10minütige Sondersendung, in der berichtet wurde, dass es derzeit noch nichts neues zu berichten gäbe. Die Medien befinden sich halt alle im Wettkampf um die Zuschauergunst und im Wettlauf, der Erste sein zu wollen - oder zu müssen. Die Spekulationen in Sachen abgesagtem Fußballspiel in Hannover sprechen ja Bände! Geradezu pawlowsch: einer hält einen Köder hin und alle schnappen bereitswillig danach. Verlautbarungen als Selbstzweck, ohne jegliche Verifizierung oder Erhöhung des Erkenntnisgewinns. Die Brennpunkt-Manie die ARD hat bei jedenfalls sehr deutlich den Eindruck hinterlassen, dass da einige bildschirmgeile Moderatoren doch auch endlich mal zum Zuge kommen wollten - und sollten. Der Zugewinn an Erkenntnissen direkt nach der Tagesschau war denkbar gering, im allg. nicht nachweisbar - aber hüsch, dass wir nochmals darüber berichtet haben. Hochgradig lächerlich, das ganze. Leider folgt das dem systemimmanenten Fehler der ÖR: Geld ist in Massen da, nun muss man Gründe und Belege dafür finden, warum man es komplett ausgibt und eigentlich noch viel mehr braucht. Jedem Angestellten ein Pöstchen, div. Spartensender in Rundfunk und TV und täglich einen Brennpunkt, so findet man schon Belege für die eigene Wichtigkeit und notwendige Existenz. Solange es andere bezahlen, wird das auch nicht hinterfragt, allenfalls, wie man´s nach außen hin rechtfertigt - und vor der KEF. Insofern unterliegen die ÖR da denselben Zwängen wie der VS: Man muss Sachverhalte notfalls selbst schaffen, um Außenstehende eigener Notwendigkeit zu überzeugen. Ich sondersende, also bin ich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.