Frank Plasberg "Ich will nicht die Demokratie heilen"

Haben die Polit-Talkshows zum Wahlerfolg der AfD beigetragen? ARD-Moderator Frank Plasberg äußert sich gegenüber dem SPIEGEL erstmals zu dem Vorwurf - und sagt, er habe keinen "volkspädagogischen Auftrag".

Frank Plasberg (Archivbild)
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Plasberg war in seiner eigenen Sendung "Hart aber fair" von Politikern mit entsprechenden Vorwürfen angegangen worden. Nun verteidigt sich der Journalist.

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Heft 41/2017
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"Niemand kann eine Partei großmachen, wenn es dafür in der Bevölkerung nicht ein Bedürfnis gibt", sagte Plasberg dem SPIEGEL. "Es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, Parteien kleinzuhalten. Das ist, bitte schön, der Job der politischen Konkurrenz. Wir sind nicht dazu da, den Schulterschluss mit den vermeintlich richtig guten Demokraten zu üben, um im Gegenzug das niederzukartätschen, was am rechten Rand entsteht." (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Seine Arbeit als Journalist verstehe er anders: "Ich habe keinen volkspädagogischen Auftrag. Ich will auch nicht die Demokratie heilen, sondern nehme mir die Freiheit heraus, auf keinen Fall zu überlegen, wie eine Wahrheit wirkt - denn sonst ist man schnell dabei, Wahrheiten zurechtzubiegen."

Über das Verhalten von AfD-Politikern in Talkshows sagte Plasberg: "Sie wollen nicht einmal mit den anderen Gästen diskutieren, lieber setzen sie sich mit dem Moderator auseinander, weil so die Opferrolle schneller herstellbar ist. Und das ist ein Dilemma, denn als Moderator müssen Sie sich sehr beherrschen, in der Sache angemessen und konsequent zu fragen, aber kein Tribunal herzustellen."

Plasberg berichtet im SPIEGEL auch über ein Gespräch mit dem AfD-Politiker Alexander Gauland , das er nach einer "Hart aber fair"-Sendung geführt habe. In der Talkrunde hatte Gauland seine Äußerung bekräftigt, man solle die SPD-Politikerin und Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz "in Anatolien entsorgen".

Plasberg: "Ich habe ihm erklärt, dass ich immer der Meinung war, noch bis vor einem Jahr, man könne keinem AfD-Wähler per se böse sein. Und dass mir das zunehmend schwer falle. Ich sagte ihm: Ab heute bin ich jedem böse, der diese Partei wählt, nachdem er Sie, Herr Gauland, heute bei ,Hart aber fair' gesehen hat. Jemand wie Sie, Herr Gauland, der klug ist, der rhetorisch fit ist, der Bücher wie ,Anleitung zum Konservativsein' verfasst hat, die weit in den politischen Diskurs hineingereicht haben - wenn der unter Verleugnung seiner eigenen Intellektualität in der Sendung erzählt, er habe nicht gewusst, was der Begriff 'entsorgen' bedeutet."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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bra/akü

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