"Game of Thrones"-Star Sibel Kekilli: "Bitte töte mich nicht!"

Ein Interview von

RTL2 beginnt mit der Ausstrahlung der dritten Staffel der gefeierten HBO-Serie "Game of Thrones" - und Sibel Kekilli ist als einziger deutscher Star mit dabei. Im Interview erzählt sie von peinlichen Momenten am Set und ihrer Hoffnung auf den Thron.

Sibel Kekilli als Shae: Die Geliebte des Lieblings Fotos
RTL II

ZUR PERSON
  • DPA
    Sibel Kekilli, Jahrgang 1980, gilt nach ihrem Debüt in "Gegen die Wand" (2004) und ihrer überzeugenden Darstellung in "Die Fremde" (2010) als eine der profiliertesten deutschen Schauspielerinnen ihrer Generation. Seit 2010 spielt sie im deutschen Fernsehen im Kieler "Tatort", zuletzt war sie im Kino in der Komödie "What a Man" (2011) und dem ARD-Historiendrama "Die Männer der Emden" zu sehen. Seit 2011 spielt sie die Rolle der Shae in der gefeierten HBO-Serie "Game of Thrones".

SPIEGEL ONLINE: Frau Kekilli, vor ziemlich genau zehn Jahren hatten Sie mit dem Goldenen Bären für "Gegen die Wand" Ihren Durchbruch als Schauspielerin, vor vier Jahren bekamen Sie den Deutschen Filmpreis für "Die Fremde". Jetzt spielen Sie in der global gefeierten HBO-Serie "Game of Thrones". Welcher dieser drei Schritte in Ihrer Karriere war der wichtigste?

Kekilli: Alle drei waren sehr wichtig, jeder für sich. "Game of Thrones" ist ein weltweiter Erfolg. Das Besondere für mich ist, ab einem Zeitpunkt dabei gewesen zu sein, als es die Serie noch gar nicht gab. Man hat mir damals gesagt, unterschreib mal für ein paar Jahre, aber wir wissen noch gar nicht, ob es nach der ersten Staffel überhaupt weitergeht. Und ich dachte, so wie die reden, sterbe ich sowieso in der zweiten Staffel. Und dann ist das explodiert. Was für ein Glücksfall das ist, bemerke ich jetzt erst im Nachhinein richtig, wenn ich mich in den USA mit anderen Schauspielern unterhalte und mitbekomme, wie sich viele abmühen und in Serien mitmachen, die dann leider doch floppen.

SPIEGEL ONLINE: Als Sie 2010 den Filmpreis für "Die Fremde" bekommen haben, hielten Sie eine Dankesrede, die gleichzeitig eine Art öffentliche Bewerbung um interessante Angebote gewesen ist. Haben Sie daraufhin die Rolle in "Game of Thrones" angeboten bekommen?

Kekilli: Nein. Ich dachte damals eigentlich, die Serienmacher David Benioff und Daniel B. Weiss seien auf mich zugekommen, weil wir für"Die Fremde" auch beim Tribeca-Filmfestival ausgezeichnet worden sind. Aber das war es gar nicht. Die hatten "Gegen die Wand" gesehen und mich deshalb gecastet.

SPIEGEL ONLINE: Kannten Sie die der Serie zugrunde liegende Romanreihe "A Song of Ice and Fire" von George R. R. Martin, bevor Sie gefragt wurden, mitzuspielen?

Kekilli: Ich muss zugeben: Nein. Man hat mir beim Vorsprechen gesagt, dass das Bestseller sind, aber ich kannte sie nicht. Ich bin allerdings auch kein Fantasy-Fan.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie die Bücher mittlerweile gelesen?

Kekilli: Nein. Mir wurde am Anfang gesagt, dass meine Rolle ein bisschen größer sein wird als im Buch und auch der Charakter ein wenig geändert wird. Und darum wollte ich mich von den Büchern gar nicht beeinflussen lassen. Ich wollte auf keinen Fall die Buchfigur im Kopf haben, sondern meine eigene Idee von ihr - und die der Serienmacher. Ich will die Bücher aber lesen, wenn die Serie vorbei ist.

SPIEGEL ONLINE: Aber die TV-Serie haben Sie schon gesehen, oder?

Kekilli: Ich habe mich lange geweigert, das anzusehen - obwohl alle davon geschwärmt haben. Ich kenne mich da selbst zu gut: Ich werde viel zu schnell abhängig von solchen Serien, und dann kann ich die Fortsetzung nicht erwarten.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich "Game of Thrones" tatsächlich niemals angesehen? Im Ernst?

Kekilli: Zwei Jahre lang nicht. Wir hatten dann eine riesige Szene, das Set war am Hof in Kings Landing, und ich habe gefragt: Wer ist denn dieser junge Kerl, der hier den Bösen spielt? Und dann haben sie mir gesagt: Das ist der König, Sibel. Völlig peinlich. Und da dachte ich mir: Jetzt musst du dir das langsam mal anschauen.

Fotostrecke

10  Bilder
"Game of Thrones": Köpfen und Kopulieren
SPIEGEL ONLINE: Sie sind die einzige Deutsche in dieser internationalen Produktion. Ist das ein Problem?

Kekilli: Am Anfang hatte ich etwas Angst davor. Ich hatte nicht das Glück, im Ausland studieren zu können, deshalb war ich im Englischen nicht sicher, noch dazu, weil auch einige Schauspieler und Teammitglieder mit schottischem oder irischem Akzent dabei sind - das macht es noch schwieriger, sie zu verstehen. Aber mittlerweile ist es besser. Peter Dinklage meinte vor kurzem: 'Sibel, ich kann keine Witze mehr über dich machen, dein Englisch ist zu gut, du verstehst jetzt alles'.

SPIEGEL ONLINE: "Game of Thrones" ist eine Ensemble-Serie, aber Peter Dinklage als Tyrion Lannister ist der heimliche Star. Sie spielen seine Geliebte Shae. Wie ist die Zusammenarbeit?

Kekilli: Ich glaube, ich kann ihn wirklich als Freund bezeichnen. Wir schreiben uns ab und zu. Am Set erlebe ich ihn als einen ruhigen Menschen, der gerne beobachtet und einen sehr klugen Humor hat. Es macht viel Spaß, mit ihm zu drehen, weil er gar nicht eitel ist, sondern darauf reagiert, wie du agierst und dir zuhört. Es gibt auch Schauspieler, die das nicht tun und schon ihren Satz sagen, obwohl du deinen noch gar nicht zu Ende gesprochen hast. Peter spielt sehr viel mit seinen Augen, auch das ist eine Ausnahme.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Shae scheint ein besserer Mensch zu sein als das Vorbild im Buch.

Kekilli: Das habe ich schon oft gehört. Bevor es überhaupt losging, haben Fans schon kontrovers über meine Rolle diskutiert. Tyrion Lannister ist der Liebling aller Fans, und ein Freund, der alles über "Game of Thrones" im Internet liest, hat mich gewarnt, dass ich nicht so besonders gemocht werde. Dabei hatte ich noch gar nicht angefangen zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie Ihre Figur?

Kekilli: Shae ist eine sehr mutige, furchtlose Frau. Sie redet manchmal, ohne zu denken - das gefällt mir an ihr. Und sie ist sehr loyal. Sonst wäre sie am Ende der zweiten Staffel nicht bei Tyrion geblieben.

SPIEGEL ONLINE: Mehr als in den Büchern hat man in der Serie den Eindruck, dass es eine tatsächliche Liebesbeziehung zwischen Tyrion und Shae gibt. Haben Sie eine Ahnung, wie es mit den beiden in der TV-Adaption weitergeht?

Kekilli: Ich sage mal: Nein. Ich habe unterschrieben, nichts zu verraten.

SPIEGEL ONLINE: Klar. Trotzdem noch ein Versuch: Man konnte lesen, dass sich die Handlung der TV-Adaption von jener in den Büchern entfernen könnte. Ist das so?

Kekilli: Kann schon sein. Immer, wenn ich George R. R. Martin treffe, flehe ich ihn an: Bitte töte mich nicht, falls du es vorhast! Vielleicht werde ich ja noch Königin. (lacht)

SPIEGEL ONLINE: Hm, das wäre allerdings sehr überraschend.

Kekilli: Vielleicht können ihn auch David Benioff und Daniel B. Weiss überreden. So wie damals beim Casting. Die wollten mich unbedingt als Shae haben, und sie haben George gefragt, ob es für ihn in Ordnung ist, dass Shae etwas mehr Akzent bekommt. Und er war einverstanden. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.


"Game of Thrones", Staffel 3, ab Freitag, 28. Februar 2014, 20.15 Uhr, auf RTL2

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 95 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Huch
götzvonberlichingen_2 28.02.2014
Hallo SPON, Sibel Kekilli mag die einzige Deutsche Frau am Set sein, aber zumindest Thomas Wlaschiha, der auch auf der Fotostrecke abgebildet ist, ist auch ein deutscher Schauspieler. http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Wlaschiha
2. Stimmt nicht...
spon-facebook-258000003 28.02.2014
Sibel ist nicht die einzige Deutsche...
3.
omind 28.02.2014
Naja, die Bücher nicht zu lesen...und das in einer komplexen Welt wie der von ASOIAF, das klingt für mich nach einer ziemlichen Ausrede. Ein professioneller Schauspieler wird doch wohl die Romanvorlage von der eigenen Interpretation unterscheiden können. Klingt, böse gesagt, eher nach mieser Vorbereitung. Auch wenn Kekili's Shae durchaus gelungen ist.
4.
Bundesinnenminister 28.02.2014
Es scheint ja extrem wichtig unter den Schauspielern zu sein, dass sie nicht wirklich wissen was mit ihren Charakteren in den Büchern geschieht. Tja Shae, da wissen hier wohl einiges mehr (ohne jetzt aus dem Buch zu spoilern). Nur ein Tipp: Schlafe am besten nicht mit anderen Männern. Letztens habe ich auf Youtube Lena Headey (Cersei) bei (ich glaube) Letterman gesehen. Auch sie kennt - natürlich - die Bücher nicht. Und die hoffen alle (Arya auch), dass Sie noch nicht gleich sterben müssen wie Robb, der darüber auch traurig und schockiert war. Da habe ich bei Lena so gedacht: Na wenn du wüsstest was auf dich zukommt, dann wärst du wahrscheinlich besser gestorben. Fazit: Ich lese / sehe gerne wie die Schauspieler mit Ihren Figuren mitfiebern ohne das Buch wirklich gelesen zu haben. Erst fande ich es eigenartig, dass sie die Bücher nicht lesen, aber jetzt ist es ok. Dafür sind die Interviews einfach zu gut.
5. Schlagzeile?
Darknessfalls 28.02.2014
Also, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Frau Kekilli ist sicher kein "Star" der Serie - dafür taucht sie zu selten auf. Für Dinklage träfe diese Bezeichnung wesentlich eher zu. Allerdings hat sie ihrer Rolle massiv bessere Züge abgewinnen können als in den Büchern, und was Tyrion und sie angeht: fast schon ein Traumpaar, bei dem das Zusehen wirklich Spaß macht. Richtig gute Schauspieler eben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Sibel Kekilli
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 95 Kommentare

Fotostrecke
David Benioff: Der Popstar unter Hollywoods Schreibknechten