"Game of Thrones"-Weltpremiere Thronbesteigung in London

Mit großem Aufwand feierte der Bezahlsender Sky im Tower of London die Weltpremiere der fünften Staffel der HBO-Serie "Game of Thrones". Es hat sich gelohnt. Halbwegs.

Aus London berichtet


In der Raucherecke taucht dann plötzlich Kit Harington auf, bekannt als Jon Snow, und mit ihm Alfie Allen, der spielt Theon Greyjoy, zwei in der Nahansicht erstaunlich junge Typen, die jetzt schnell mal eine Fluppe rauchen wollen, abseits dieses ganzen Trubels, der eben auch zu ihrem Job gehört. Einträchtig und offenbar schon etwas angeschickert stehen sie nebeneinander. Ein ungewohntes Bild: eigentlich spielen sie Todfeinde.

Für Veranstaltungen wie diese ist das Wort Event erfunden worden. Eben noch hat ein britischer TV-Kaufmann seine Deutschkenntnisse an zwei Reportern aus Berlin erprobt, sein Deutschlehrer in München lässt ihn mit dem Wort "Aussichtsturm" üben, ein für Englischsprachige offenbar unglaublich komisches Wort, und das passt ganz gut.

Wahrscheinlich hat es noch nie eine so aufwendig gefeierte Premiere der Fortsetzung einer TV-Serie gegeben wie am Mittwoch in London. Der Bezahlsender Sky, europäischer Partner von HBO aus den USA, hat Geld ausgegeben wie sonst nur das Haus Lannister aus der Fake-Mittelalter-Saga von George R.R. Martin und den sehr real mittelalterlichen Tower of London für einen Abend zum Aussichtsturm umfunktioniert, beziehungsweise: zum Ansichtsturm.

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Weltpremiere: "Game of Thrones" im Tower of London
Tausend geladene Gäste durften hier im Beisein des Ensembles die erste Folge der fünften Staffel von "Game of Thrones" betrachten, der, das kann man wohl so sagen, momentan erfolgreichsten Fernsehserie der Welt. Ein roter Teppich lag bereit, Fans drängten sich hinter Absperrgittern, Schauspieler waren zu jedem Selfie bereit, und um der Sache die angemessene Wichtigkeit zu verleihen, wurde jeder Gast von gefühlt drei Sicherheitsleuten bewacht. Angeblich war die gesamte High Society der britischen Insel eingeladen, nur die Royals nicht, weil das für die dann doch zu gefährlich gewesen wäre, man hätte die Sicherheit wohl auf fünf Personen pro Gast aufstocken müssen.

So weit die Version, die jeder, der dabei war, später seinen neidischen Bekannten erzählen sollte, um sie noch ein wenig neidischer zu machen: "Bei der Premiere von 'Game of im Thrones' warst du? Geil!", rufen die aus, und schieben im besten Fall nach: "Da wäre ich auch gerne gewesen. Aber ich muss noch bis zum 12. April warten. Und dann darf ich mir das daheim ansehen, auf dem Sofa, ohne die Stars, ohne Tower of London."

Sagen die Bekannten. Und sie haben ja recht. Es gab sogar einen Eisernen Thron, auf den man sich als Gast setzen und dort in Herrscherpose fotografieren lassen konnte, auch der Autor dieser Zeilen konnte nicht widerstehen. Das so entstandene Angeber-Foto finden Freunde auf Facebook, allein dafür hat sich die Reise schon gelohnt.

Die andere Seite der Wahrheit konnten allerdings weder Thronbesteigung noch Freibier kaschieren: In London versammelten sich am Mittwoch offenbar ausschließlich Menschen, die entweder vertraglich dazu verpflichtet waren aufzutauchen - oder ihre Teilnahme in einem Preisausschreiben gewonnen hatten.

Der eigentliche Star der Serie, der begnadete Peter Dinklage alias Tyrion Lannister, war abwesend. Die weibliche Hauptdarstellerin Lena Headey: nicht da. Die genialen Schöpfer der Serie, David Benioff und D. B. Weiss: verhindert. Sie meldeten sich nur kurz per aufgezeichneter Video-Botschaft.

Auf dem Sofa wird's besser

Und der schratige Schriftsteller George R. R. Martin, von dem die Romanvorlage stammt, war sonstwo, aber nicht im Tower of London. Wahrscheinlich hatte er schlicht keine Lust darauf, von Fans ermahnt zu werden, gefälligst alle gesellschaftlichen Aktivitäten zu unterlassen und lieber endlich den nächsten Band zu beenden.

Und wie war nun die erste Episode der neuen Staffel? Ach ja. Nicht sehr spektakulär: Erst mal müssen die Zuschauer ja wieder auf Stand gebracht werden, welcher der zahlreichen Charaktere sich gerade wo auf den zahlreichen Schauplätzen der Serie herumtreibt. Das zieht sich etwas - wird aber, wie eine kurze Vorschau am Schluss zeigte, noch spannender. Immerhin sieht man in der ersten Folge die Drachen kurz Feuer speien. Und es stirbt jemand, den man als Kenner der Vorlage an dieser Stelle noch am Leben wähnte.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: "Game of Thrones" ist wie erwartet und wie schon in den vergangenen vier Staffeln spektakulär schön anzusehen, mit viel Liebe zum Detail produziert und behauptet damit souverän den Rang als Maßstab dessen, was im Fernsehen machbar ist, wenn nur genügend Geld für die Suche nach schauwertigen Drehorten und die Bezahlung hervorragender Schauspieler zur Verfügung steht.

Aber ganz ehrlich: Eine tolle TV-Serie in einem improvisierten Kino im Tower of London anschauen, umgeben von Sky-Mitarbeitern, Reportern und Super-Fans? Schön und gut. Aber auf dem Sofa wird's besser.



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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
asentreu 19.03.2015
1. Akuter Z- Promi Mangel?
Ach wie schlimm! Da hat die deutsche Abordnung von Sky wohl darauf verzichtet "Berufs- Bekanntheiten" wie Melanie Müller, Gina Lisa, Micaela Schäfer sowie diverse Bachelors und Bacheloretten mitzuschleppen. Wahrlich enttäuschend! Denn deren fundierte Meinung wäre für mich doch so relevant gewesen! Außerdem fehlt dann doch der Glamour, den diese Bildungselite unseres Landes wohl als "glämma" buchstabieren würde... Wichtige Personen nicht da? Ach, was? Gab es ja auf deutschen Celebrity- Events noch nie, wenn man sich hier gnadenlos überschätzte und irgendwelchen US- Promis so ein dämliches Goldreh nachwarf... Also ich gönne es den Superfans, hier dabei gewesen zu sein. Nächstes Mal sollte man spiegelseitig wohl auch besser einen Autor schicken der die Serie wirklich mal vorher gesehen hat, bevor er anfängt von "Fake- Mittelalter" zu reden.
nurzubesuchhier 19.03.2015
2.
Zitat von asentreuAch wie schlimm! Da hat die deutsche Abordnung von Sky wohl darauf verzichtet "Berufs- Bekanntheiten" wie Melanie Müller, Gina Lisa, Micaela Schäfer sowie diverse Bachelors und Bacheloretten mitzuschleppen. Wahrlich enttäuschend! Denn deren fundierte Meinung wäre für mich doch so relevant gewesen! Außerdem fehlt dann doch der Glamour, den diese Bildungselite unseres Landes wohl als "glämma" buchstabieren würde... Wichtige Personen nicht da? Ach, was? Gab es ja auf deutschen Celebrity- Events noch nie, wenn man sich hier gnadenlos überschätzte und irgendwelchen US- Promis so ein dämliches Goldreh nachwarf... Also ich gönne es den Superfans, hier dabei gewesen zu sein. Nächstes Mal sollte man spiegelseitig wohl auch besser einen Autor schicken der die Serie wirklich mal vorher gesehen hat, bevor er anfängt von "Fake- Mittelalter" zu reden.
So sehr ich Ihre Meinung ansonsten teile, aber den Begriff "Fake-Mittelalter" finde ich durchaus angemessen. Schließlich spielt die Serie in einem mittelalterlich anmutenden Setting. Sagt jemand, der bisher jede Folge dieser Serie gesehen hat.
asentreu 19.03.2015
3.
Zitat von nurzubesuchhierSo sehr ich Ihre Meinung ansonsten teile, aber den Begriff "Fake-Mittelalter" finde ich durchaus angemessen. Schließlich spielt die Serie in einem mittelalterlich anmutenden Setting. Sagt jemand, der bisher jede Folge dieser Serie gesehen hat.
Aber quasi in einer Parallelwelt. Es hat im Mittelalter nie ein Westeros oder Essos gegeben und auch keine Drachen, Menschen die nicht durch Feuer verletzt werden können und dergleichen mehr. Es ist Fantasy, nicht Historie.
Spinnenflicker 19.03.2015
4. Komisch ....
mir gibt diese Serie so absolut gar nichts. Ich habe mir die ersten drei Staffeln angeschaut in der Hoffnung, daß auch mir die Serie gefällt, aber nein, mir ist Game of Thrones total egal. Es reicht aus, wenn man den Trailer für die 5. Staffel sieht, dann hat man alles "wichtige" gesehen. Selbst Peter Dinklage spielt leicht übertrieben. Sorry!
eryx 19.03.2015
5.
@ Spinnenflicker: Wieso bitte schaut man drei komplette Staffeln einer Serie, wenn sie einem nicht gefällt? Ich freue mich jedenfalls auf die neue Staffel - eine einfach großartige Serie zu einem phantastischen Werk.
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