Gebührenverschwendung: Silvester-Doppel bei ARD und ZDF

Von Markus Brauck

Ist Gebührengeld sinnvoll angelegt, wenn sich ARD und ZDF damit nur gegenseitig Konkurrenz machen? Die wiederholte zeitgleiche Übertragung der Silvesterkonzerte bei den Öffentlich-Rechtlichen sorgt bei Politikern für Unmut - die Sender fühlen sich völlig unschuldig.

Gebührenverschwendung: Silvester bei ARD und ZDF Fotos
Getty Images

Das Jahr ist fast vorbei, und doch sorgen ARD und ZDF noch einmal für gehörigen Ärger. Ausgerechnet am Silvesterabend. Ausgerechnet mit den Klassikstars Anna Netrebko, Erwin Schrott, Simon Rattle und Jewgenij Kissin. Und ausgerechnet mit einer Programm-Eselei, die sie fast ganz genauso auch schon am letztjährigen Silvesterabend begangen haben.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben sie es in diesem Jahr erneut nicht geschafft, die umstrittene Parallelübertragung von Silvesterkonzerten zu vermeiden. Die ARD zeigt ab 18.30 Uhr live das Konzert der Berliner Philharmoniker mit Kissin und Rattle, da ist das ZDF noch mittendrin in seiner Übertragung aus der Semperoper in Dresden, die erst um 19 Uhr endet. Hier singen Netrebko und Schrott.

Live-Übertragungen von solchen Konzerten sind zwar prestigeträchtig, aber nicht gerade billig, weshalb schon nach dem parallelen Musizieren im vergangenen Jahr dem CDU-Medienpolitiker Johannes Beermann der Kragen platzte. Er entfachte eine öffentliche Diskussion darüber, ob Gebührengeld sinnvoll angelegt ist, wenn sich ARD und ZDF damit nur gegenseitig Konkurrenz machen. Außer bei den mittlerweile symbolträchtigen Silvesterkonzerten etwa bei Parallel-Übertragungen von Prinzenhochzeiten.

"Eine gewaltige Gebührenverschwendung"

Beermann ist Chef der sächsischen Staatskanzlei und einer der hartnäckigsten Kritiker von ARD und ZDF. Nun ist er empört, dass ARD und ZDF trotz der öffentlichen Diskussion ihre Konzerte nicht entzerrt haben. Was da geschehe, sei "ein Schlag ins Gesicht der Politik", sagt er. "Wir sind in der Medienpolitik gerade dabei, die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen dauerhaft zu sichern, und ARD und ZDF betreiben zum zweiten Mal hintereinander am gleichen Tag und an der gleichen Stelle eine gewaltige Gebührenverschwendung."

Bei der ARD wähnt man sich völlig unschuldig. Die Überschneidung habe "die ARD nicht zu verantworten", sagt Programmdirektor Volker Herres. Er habe "wiederholt versucht, mit dem ZDF eine einvernehmliche Regelung herbeizuführen". Die Berliner Philharmoniker hätten auf Bitten der ARD ihr Konzert deshalb sogar auf eine spätere Uhrzeit verschoben. Dem ZDF jedoch sei es nicht gelungen, den Ablauf des Silvesterkonzerts aus Dresden zu verändern.

Beim ZDF macht man vertragliche Verpflichtungen geltend. Es handele sich um "eine öffentliche Veranstaltung, die eigenen Gesetzmäßigkeiten unterliegt und die man nicht einfach eine halbe Stunde vorverlegen kann". Selbst der dem ZDF eher wohlgesonnene rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat in dieser Frage nicht mehr viel Geduld. "Ich gehe davon aus", sagt er, "dass es im nächsten Jahr keine Überschneidung mehr geben wird."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. "live"
Munku 26.11.2011
Da könnte doch die ARD einfach 30 Minuten später ausstrahlen können. So ein Konzert muss doch nicht auf Biegen und Brechen live sein, man weiß doch schon vorher wie es ausgehen wird ...
2. Ard/zdf
crocodil 26.11.2011
..ist das was Neues, die haben ja genug Geld - und es wird immer mehr - wenn jeder dann GEZ bezahlen muss. Das ganze gehört abgeschafft!!! Zusatz: warum müssen die ÖRA auch noch Werbung bringen - die kriegen einfach den Rachen nicht voll.
3. Gebührenverschwendung?
emdemuc 26.11.2011
Ich würde mal sagen, dass das noch die geringste "Verschwenung von Rundfunkgebühren ist. Hier kommt das Fernsehen zumindest in Teilen seinem Bildungsauftrag nach. Der Rest der so gesendet wird, ist da schon wesentlich deutlichere Gebührenverschwendung: Quizshows, Volksmusik, Seifenopern, etc...
4. Es ist zum Verzweifeln
hierro 26.11.2011
Zitat von sysopIst Gebührengeld sinnvoll angelegt, wenn sich ARD und ZDF damit nur gegenseitig Konkurrenz machen? Die wiederholte zeitgleiche Übertragung der Silvesterkonzerte bei den Öffentlich-Rechtlichen sorgt bei Politikern für Unmut - die Sender fühlen sich völlig unschuldig. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,800048,00.html
ARD und ZDF zeigen dem aufmerksamen Beobachter fast täglich, wie "großzügig" sie mit dem Gebührengeld umgehen. Deshalb wäre es höchste Zeit, dieses System der Senderfinanzierung zu ändern. Doch der Bürger kann sich hier wenig erhoffen. Zu kritisieren sind in erster Linie die verantwortlichen Politiker, die all dem zustimmen und die Gebührenerhebung weiter verschärfen. Selbst das Abschalten des Gerätes bringt keine Veränderung. Das ist brutale Ausbeutung und ist weit entfernt von einem demokratischen Prozeß und System. Hier kann man verzweifeln.
5. Skrupellose Politiker im Selbstbedienungsladen der öffentlichen Sender
oannes 26.11.2011
Was da auf uns zukommt, wenn wir alle erstmal automatisch abgezockt werden, egal ob wir Fernseh/Radio-konsumenten sind, oder nicht, kann man nur erahnen. Die Politiker haben sich mit dem Abnicken der neuen Gebühreneintreibung ihr Showfenster, und die Angestellten bei den öffentlichen Sendern ihren Job gesichert. Wenn die Öffentlichen dann erst mal selbst über die Höhe der Gebühren bestimmen dürfen, wird es kein Halten mehr geben. Zu verantworten haben das unsere skrupellosen Politiker, die auch sonst nicht zögern, wenn es darum geht, dem Bürger zur Sicherung des eigenen Komforts, tief in die Taschen zu greifen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik TV
RSS
alles zum Thema Medienbranche
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 22 Kommentare
  • Zur Startseite