George R.R. Martin vor "Game of Thrones" "Das ist ein Plot, der atmet Weltall"

Wer den Namen George R.R. Martin hört, denkt an die Erfolgsserie "Game of Thrones". Jetzt soll auch sein Frühwerk "Wild Cards" verfilmt werden. Ein Hamburger Fantasy-Kenner freut sich.

Verlagsfoto zu "Wild Cards"

Verlagsfoto zu "Wild Cards"

Ein Interview von


Er ist nicht nur der Kopf hinter "Game of Thrones": Universal hat sich die Rechte an "Wild Cards" gesichert, eine Kurzgeschichtensammlung über Alien-Viren und Superhelden im New York der Vierzigerjahre, deren ersten Band George R.R. Martin vor 30 Jahren gemeinsam mit anderen Autoren veröffentlichte. Über das Frühwerk von R.R. Martin ist wenig bekannt. Ein Anruf bei Richard Meyer, Besitzer des Fantasyshops "Andere Welten" in Hamburg.

SPIEGEL ONLINE: Herr Meyer, wird unser Bild des Autors Martin zu sehr dominiert von " Game of Thrones"?

Richard Meyer: Meins nicht. In der Science-Fiction- und Fantasyszene ist Martin seit den Siebzigern bekannt. Vor allem seine Kurzgeschichten. Martin war auch in Hamburg neulich, ich dachte, er erzählt etwas zu "Wild Cards". Aber es ging nur um "Game of Thrones" und seine Biografie. Eine so öde Veranstaltung. Ich bin dann eingeschlafen.

SPIEGEL ONLINE: Was macht denn den Reiz seiner Kurzgeschichten aus?

Meyer: Viele sind sehr elegisch. In der Geschichte "The Dying Light" zum Beispiel driftet ein Planet, völlig eisverkrustet, durch das Weltall. Und kommt dann in eine Gegend, in der fünf Sonnen stehen, plötzlich gibt es Licht; das Leben erwacht, es wird gefeiert. Aber es ist völlig klar, dass diese Phase nur neun Jahre dauert. Das ist ein Plot, der atmet Weltall und Schicksal und Traurigkeit.

  • Patrick Sun/ Andere Welten
    Richard Meyer, Jahrgang 1948, betreibt seit 33 Jahren den Laden "Andere Welten" in Hamburg. Er verkauft in seinem Shop Bücher und Merchandise aus dem Fantasy- und Science-Fiction-Bereich und gilt unter Kunden als Experte. Er selbst sagt: "Das macht Spaß. Wir haben nichts, was die Leute brauchen. Aber sie kommen trotzdem."

SPIEGEL ONLINE: Klingt ganz anders als "Game of Thrones", da sterben ja alle die ganze Zeit.

Meyer: Martin ist halt mit allen Wassern gewaschen. Sein Lebenslauf ist so wie der von George Lucas, von Spielberg oder Stephen King. Der hat in der Jugend Comics gesammelt, Fernsehen geguckt, Romane gelesen, ist viel ins Kino gegangen und hat Figuren gesammelt - das habe ich alles genauso erlebt. Wir waren alle Nerds, schon damals. Lucas und Spielberg machen Filme, King und Martin schreiben Romane. Und ich habe über diese Erfahrungen meinem Sci-Fi-Laden aufgemacht.

SPIEGEL ONLINE: Verkaufen Sie denn auch Bände der "Wild Cards"-Reihe?

Meyer: Ja, aber nicht besonders gut. Die Anthologie wurden in Deutschland in den Neunzigern schon mal veröffentlicht, das scheiterte aber kläglich. Ich habe hier noch Band 8 rumliegen, der ist von 1998. Heute verkaufen sich die Kurzgeschichten nach meiner Erfahrung noch schlechter - das gilt allgemein für Science-Fiction und Fantasy.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Meyer: Weil man sich immer wieder auf einen neuen Stil und eine neue Welt einstellen muss und die Leute diese Kunst des Lesens nicht mehr so gut beherrschen. Deshalb diese Vorliebe für Romane und Reihen, die für Leser und Autoren gleichermaßen gilt: Wer ein Universum fertig konstruiert und dann eine Reihe startet, muss sich nicht immer wieder etwas Neues ausdenken. Das ist schade - für mich liegt der Reiz von Science-Fiction und Fantasy gerade darin, dass es immer wieder neue Welten und Ideen gibt.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie sich denn von der Serienadaption zu "Wild Cards" wünschen?

Meyer: Dass es nicht überkandidelt mit visuellen Effekten über die Superhelden-Story erzählt wird, davon hatten wir in den letzten Jahren schon zu viel. Sondern über die Humorschiene. Es gibt in dem "Wild Cards"-Universum eine TV-Show, in der die Superhelden gegeneinander antreten, da steckt Kritik an Medien und Kommerzialisierung drin. Oder einen Superhelden, der sich in einen Bienenschwarm verwandeln kann. Ist natürlich praktisch, wenn man Verbrecher verfolgt. Aber wenn er sich danach woanders in einen Menschen zurückverwandelt, sind seine Klamotten natürlich weg. Sie sehen, wo der Humor hingeht.

SPIEGEL ONLINE: Macht einen das als Alt-Fan sauer, wenn der Mainstream den Autoren einnimmt, den man schon ewig schätzte?

Meyer: Es ist für mich als Händler ärgerlich, wenn Thalia und andere, die keine Fachkenntnis von Science-Fiction und Fantasy haben, plötzlich das komplette Werk da stehen haben. Wir hatten "Das Lied von Eis und Feuer" schon im Regal, als die Cover noch entsetzlich waren, so Conan-der-Barbar-mäßig: nackte Frauen im Schnee, barbusige Helden auf Pferden. Da wusste der Verlag noch gar nicht, was er mit ihm anfangen sollte. Wir als Fachhändler aber schon. Martin selbst gönne ich den Erfolg aber natürlich von Herzen. Ich hoffe nur, dass er seine Reihe zu Ende bringt. Er ist ja nicht mehr der Jüngste und hat leider Bluthochdruck und Diabetes.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen sich Sorgen?

Meyer: Es gibt durchaus Serien, bei denen ein Autor verstarb und dann ein anderer das Werk zu Ende brachte.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Meyer: "Das Rad der Zeit", der Fantasy-Romanzyklus von Robert Jordan. Der Autor ist mit 58 gestorben. Ich hoffe insgesamt, dass Martin einen guten Plan für das Ende von "Das Lied von Feuer und Eis" hat. Ist ja mittlerweile schon ziemlich komplex. Und in der Science-Fiction und Fantasy-Literatur gibt es das häufig: Man hat eine tolle Idee und kommt dann aber nicht mehr raus aus der Nummer. Und am Ende sterben dann alle oder es war nur ein Traum. Das wollen wir ja nicht hoffen.

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insgesamt 21 Beiträge
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Aktiong 10.08.2016
1.
Game of Thrones ist nicht komplex. Game of Thrones ist einfach nur schlecht geschrieben. Jedes Mal wenn der Autor sich verzettelt oder er nicht mehr weiter weiß, stirbt diese Figur. Dannach fängt er wieder einen neuen Handlungsbogen an. Bis er wieder zu dem Punkt kommt wo es an seinen Fähigkeiten mangelt. Figur stirbt - neuer Handlungsbogen. Er beherrscht halt nur 40% und zu einem Roman gehören halt die anderen 60% auch. In dem man die helden kazasis vernünftig zu Ende führt.
werner-xyz 10.08.2016
2. Kann den Hype
um das Werk auch nur teilweise nachvollziehen. habe zwar alle bisherigen Bände gelesen, aber teilweise ist es schon sehr zäh. Klar, teilweise auch echt toll, aber irgendwie von allem zu viel. Burgen, Ritter, Mutanten, Zombies, Drachen. Fehlen eigentlich nur noch Aliens (aber die können ja noch kommen) In der letzten Zeit habe ich öfters den Eindruck, dass Autoren Ihre Werke künstlich aufblähen um das Thema wirklich zum letzten auszuquetschen. Gekürzt auf 5 Bände wäre es wohl ein wirklich tolles Machwerk, so ist es nur O.K. Wobei ich die Bücher noch besser finde wie die Fernsehserie. Erinnert mich irgendwie alles an LOST. Ganz übel fand ich "Der dunkle Turm". Teilweise genial, teilweise echt grottenschlecht. Schade drum. Hätte King es nicht darauf angelegt ein epochales Werk zu schaffen, sondern ein gutes Buch zu schreiben, wäre es genial. So Daumen runter von mir.
rendolph3000 10.08.2016
3.
Wildcards ist überhaupt nicht von G.R.R. Martin alleine, er hat nur mitgeschrieben, bzw einzelne Geschichten daraus verfasst.
audioexil 10.08.2016
4. 9 Jahre Leben?
Ich kenne die beschriebenen Kurzgeschichten leider nicht daher meine Frage an Fans, die hier vielleicht mitlesen. Der Eisplanet kommt in eine Gegend mit 5 Sonnen und dann entsteht in 9 Jahren leben?! Dauert es nicht normalerweise Millionen von Jahren bis sich überhaupt nur kleinste Lebensformen entwickeln? Hört sich daher etwas unlogisch an. Aber die Grundidee fand ich gut. Vielleicht wird das in der Geschichte aber auch anders erklärt. Im Artikel klingt das wenig plausibel.
werner-xyz 10.08.2016
5. @audioexil:
Kenne die Geschichte zwar nicht, aber die Idee ist mir naus anderen Büchern nicht unbekannt. da ist es nicht, so, dass sich das Leben erst bilden muss, sondern dass hat vorher schon existiert und war nur "eingefroren". Entweder eine Spezies, dies es übersteht tief gefroren zu sein, oder eine, die die notwendigen Technologien hat um eine entsprechende zeit im Kälteschalf zu überleben.
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