Illner-Talk zum Germanwings-Absturz Schatten des Zweifels an der Suizidtheorie

War doch alles ganz anders? In der Talkshow von Maybrit Illner wurden nach einem aufwühlenden Tag eben gewonnene Erkenntnisse zum Absturz des Germanwings-Airbus wieder in Frage gestellt.

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ZDF

Es war ein verstörender Tag, der aus dem schrecklichen Germanwings-Flugzeugunglück eine monströse Tat von Menschenhand werden ließ. Doch so paradox es auch anmuten mag, er brachte bei aller Fassungslosigkeit auch Entlastung von der Ungewissheit, weil man nun wenigstens eine Antwort hatte. Dann aber, nach dieser dramatischen Wende für Beteiligte und Betroffene wie Medienkonsumenten, gab es am Abend die Talkshow von Maybrit Illner, und unversehens war da eine Irritation ganz anderer Art im Raum.

Es begann etwa so, wie es zu erwarten gewesen war: mit Bekundungen des Entsetzens über "149-fachen Mord und Suizid" (die Moderatorin). "Unfassbar" nannte das Matthias von Randow vom Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft. Andreas Spaeth, Luftfahrtexperte und Journalist, erinnerte daran, dass Selbstmorde dieser Art so selten gar nicht seien und es schon mehrere ähnliche Fälle gegeben habe.

Die Psychotraumatologin Maggie Schauer antwortete auf die Frage, ob durch die Erkenntnis des bewusst herbeigeführten Absturzes alles noch schlimmer werde: "Für die Angehörigen ja - für uns nein." Spaeth pflichtete bei und sprach von Erleichterung insofern, als nun niemand mehr gesteigerte Flugangst aufgrund fehlerhafter Technik haben müsse.

Ramsauer lobte sich selbst

Doch alsbald nahm die Sendung einen Verlauf, der vieles von dem, was in puncto neuer Sicherheitsüberlegungen besprochen wurde, sozusagen unter Vorbehalt stellte, wenn nicht sogar unter Aktionismusverdacht. Den Ruf nach häufigeren psychologischen Untersuchungen der Piloten etwa mochte sich zwar Flugexperte Spaeth zu eigen machen, aber die Forderung nach dem sogenannten Vier-Augen-Prinzip im Cockpit - in den USA gängig und jetzt auch hierzulande prompt von mehreren Airlines angekündigt - stieß auf Ablehnung.

Randow warnte vor "Schnellschüssen" und sprach von "sehr komplexen Fragen", die nun selbstverständlich erörtert würden. Und der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der die Gelegenheit nutzte, eigene Verdienste um die Luftfahrtsicherheit ein bisschen penetrant ins rechte Licht zu rücken, echauffierte sich über aktuell grassierende "Besserwisserei", in der ja wohl auch ein ungebührlicher Unterlassungsvorwurf mitschwinge.

Dass es so kam mit dieser Talkshow, die sich die bisweilen verunsichert wirkende Gastgeberin offenbar anders vorgestellt hatte, dafür gab es einen Grund. Sehr früh nämlich schon war die Diskussion in eine Richtung geraten, die auf all das, was den Tag über unentwegt zu sehen, zu hören und zu lesen gewesen war, einen Schatten des Zweifels fallen ließ.

Markus Wahl von der Pilotenvereinigung Cockpit war es, der gleich Frau Illners Eingangsstatement mit der Gegenfrage konterte, ob denn das Bild, das jetzt vom Hergang der Katastrophe gezeichnet werde, überhaupt schon komplett sei. Man solle doch bitte erst einmal die weiteren Untersuchungen abwarten. Es gebe auch ganz andere Erklärungsmöglichkeiten.

Deutlicher wurde Ex-Minister Ramsauer. Es sei doch gar nicht gesagt, dass die Darstellung des französischen Staatsanwalts vom erweiterten Suizid des Co-Piloten tatsächlich zutreffe. Wenn ein Staatsanwalt etwas behaupte, müsse das schließlich keineswegs stimmen. Oft genug fielen die Urteile später anders aus. Und ausgesprochen kritisch und mit unverhohlener Skepsis äußerte sich Fachjournalist Spaeth.

Will Frankreich Airbus schützen?

Es sei doch sehr verwunderlich, dass der Staatsanwalt so rasch zu derart weitreichenden Schlussfolgerungen gelangt sei - und das allein anhand einer ersten Auswertung der Stimmenaufzeichnung. Klarheit über das, was sich während des Todesflugs abgespielt habe, könne schlichtweg noch gar nicht vorhanden sein. Andernfalls, so Spaeth leicht sarkastisch, bräuchte man nach der viel wichtigeren Datenbox ja gar nicht mehr zu suchen.

Im Übrigen habe es in der Vergangenheit einige Beispiele gegeben, wie französische Behörden sich sehr bemüht hätten, Schaden vom Ruf des Airbus fernzuhalten. Damit wolle er aber nun nicht unterstellen, dass entsprechende Beweggründe auch diesmal bei der Präsentation der Selbstmordtheorie im Spiel seien.

Die Moderatorin versuchte noch, die möglichen Motive des Co-Piloten durch Befragung der Psychologin zu thematisieren, aber das wirkte nach Lage der Dinge eher halbherzig. Und am Ende blieb ihr nur noch die Frage, wieso denn die Vorsitzenden von Lufthansa und Germanwings die Selbstmordtheorie sofort akzeptiert hätten. "Die waren irgendwie froh, ein Faktum zu haben", lautete die Antwort Spaeths.

Sie passte zum Tenor dieses Abends, der nicht nur die Gastgeberin etwas ratlos zurückließ und bei dem man nicht wirklich sicher sein konnte, inwieweit er zur Mehrung der Erkenntnisse beitrug.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 290 Beiträge
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junglejet 27.03.2015
1. es gibt keinen zweifel
denn der co-pilot hat die sollflughöhe am autopiloten um 10.31 uhr von 38000 auf 100 Fuss verstellt. das zeigt die radaraufzeichnung der frz. und italienischen flugsicherung. die sollflughöhe wird von den radaranlagen in mitteleuropa kontinuierlich abgefragt. leider ist das auch den sog. experten nicht bekannt, erst recht natürlich einem verkehrsminister.
georgwupp 27.03.2015
2. Erfahren wir es?
Die wahre Antwort auf den Schuldigen in dieser Sache werden wir sicherlich nie erfahren. Und wer weiß, ob es so auch nicht besser ist.
saitenfreund 27.03.2015
3. Die Wahrheit wird wohl zerschellt bleiben
Die Geschwindigkeit der Erkenntnisse und der Veröffentlichung war schon beeindruckend. Jemand atmet nur noch gleichmäßig, kommuniziert nicht mehr und hat zwei Maßnahmen eingeleitet, für die er einen Knopf um 360 Grad und einen Schalter umgelegt/gezogen haben muss. Zwangsläufig hat er willentlich den Absturz herbeigeführt. Ich fliege sehr viel, auch gerade die Barcelona - Strecke und kann mir nicht vorstellen, dass ein Kapitän unbemerkt von den Passagieren an der Cockpit-Tür herumhämmert, keine Telefonate geführt, keine Sms geschickt werden. Aber all das ist dumpfe Spekulation, denn es gibt keine Chance irgendeinen Beweis zu führen. Eine Autopsie des Piloten ist unmöglich, Kommunikation gibt es keine und ein automatisierter Sinkflug ohne jede weitere Manipulation gibt auch nicht viel her. Mich verunsichert das in höchstem Maße...
needforseat 27.03.2015
4. ich finde es durchaus richtig,
infrage zu stellen, ob die bisher verbreitete Theorie denn die richtige ist, oder ob mam sich aufgrund von Indizien und des öffentlichen Drucks, ein Ergebnis liefern zu müssen, dazu entschieden hat, die naheliegenste Theorie als die richtige zu verbreiten. Wie dem auch sei: um den Familien der angehörigen und der des Piloten das Leben nicht noch schwerer zu machen, als es sowieso schon der Fall ist, sollten wir die Untersuchungsergebnisse bis zum Schluss abwarten.
pepe-b 27.03.2015
5. Zweifel mögen angebracht sein
aber wieso wurde die Tür verriegelt? Es gibt ja nicht nur die Stimmaufzeichnung, sondern auch die Umstände des stabilen Sinkflugs (kein Sturzflug) und, dass selbst die Türöffnung per Notfall-Code scheinbar nicht möglich war. Nach allem, was man so lesen konnte, geht das nur bewusst. Wenn der verbliebene (Co-?)Pilot im Cockpit warum auch immer bewusstlos gewesen wäre, wäre die Crew - vorausgesetzt man wusste den Code und die Technik war fehlerfrei - eben mit diesem Code ins Cockpit gelangt.
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