Neuer GEZ-Name: Zwang heißt jetzt Service

Tolle Idee! Aus der alten Rundfunkgebühr pro Gerät wird 2013 eine Zwangsabgabe pro Haushalt. Grund genug für die Verantwortlichen, auch die bislang zuständige GEZ umzubenennen - sie soll "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice" heißen. Geht das nicht einfacher? Doch.

Gebühreneinzugszentrale GEZ in Köln: Ungute Erinnerungen Zur Großansicht
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Gebühreneinzugszentrale GEZ in Köln: Ungute Erinnerungen

Hamburg/Köln - Umbenennungen haben eine gewisse Tradition, wenn es darum geht, ein eher mittelmäßiges Image aufzupolieren. KarstadtQuelle hieß plötzlich Arcandor, die Hamburg-Mannheimer heißt nun Ergo und die Citibank nennt sich Targobank. Da war es nur naheliegend, dass mit der Umstellung des Finanzmodells für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch die GEZ umgewandelt wird und einen neuen Namen bekommt. Es soll schließlich Deutsche geben, die mit der bisherigen Abkürzung für Gebühreneinzugszentrale ungute Erinnerungen verknüpfen.

Damit ist nun Schluss. Wie der federführende Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Donnerstag in Köln der Nachrichtenagentur dapd bestätigte, wird die bei ihm angesiedelte GEZ in Zukunft "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice" heißen. Ein, wenn die Anmerkung erlaubt ist, etwas sperriger Name, der sich kaum aussprechen und schon gar nicht knapp abkürzen lässt: ARDZDFDRB.

Ginge auch etwas flotter. Nur, weil der Beitragsservice auch das ZDF vertritt, muss er bei der eigenen Benennung ja nicht gleich in den achtziger Jahren stehen bleiben. Wie wäre es mit einer Anleihe bei der Popkultur? Zum Beispiel: The Anstalt formerly known as GEZ - kurz TAFKAG.

Auch nicht allzu frisch, finden Sie? Bleibt nur noch das bloße "Beitragsservice". Ein Name, der geschickt die Tatsache bemänteln würde, dass es sich beim künftigen Beitrag keinesfalls um eine freiwillig erbrachte Leistung für eine exklusive Clubmitgliedschaft oder ähnliches handelt, sondern um eine Zwangsabgabe. "Beitragsservice", das liegt auf einer Linie mit verschleiernden Wortschöpfungen wie Gewinnwarnung, Unterbindungsgewahrsam oder Fähigkeitslücke.

Eine Anschlussverwendung für die alte GEZ, von der die Schleckerfrauen nur träumen können.

sha/dapd

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insgesamt 247 Beiträge
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1.
Walter Sobchak 31.05.2012
Die Haushaltsabgabe ist faktisch eine Steuer und darf als solche nicht Zweckgebunden erhoben werden. Ich hoffe da ist schon eine Klage gegen anhaengig. Dieser Moloch des Staatszwangs-TV gehoert endgueltig abgeschafft. Und kommt mir jetzt nicht wieder mit arte + 3sat. Fuer diese 2 Sender bin ich bereit, on-demand durchaus mehrstellige Betraege zu spenden.
2. Schon jetzt verhasst.
meinmein 31.05.2012
Wir Totalverweigerer, die gänzlich aufs Fernsehen verzichten, fühlen uns betrogen. Die Politik- und Staatsverdrossenheit erreicht demnächst DDR-Niveau. Ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Ich will dieses Indoktrinations und Verdummungsfernsehen nicht und muss es dennoch mitbezahlen. Die Piraten freut's.
3. Überflüssig wie ein Kropf
Hajojunge 31.05.2012
Meine Empfehlung: Diese Anstalt (welch ein treffender Name für deutsche Bürokratiemonster und deren Geisteszustand) abschaffen und die Gebühren, über Steuerzahlungen ohnehin unentrinnbar eingetrieben, entsprechend absenken.
4. Kleine Korrektur
wno158 31.05.2012
Die Citigroup hat die deutsche Tochter nach Frankreich an die Crédit Mutuell verkauft - dadurch wurde die Umbenennung erforderlich; das war also kein typischer Marketinggag. "TAFKAG" ist aber ein schöner Vorschlag für eine umbenannte GebührenAbzwacksZentrale.
5. Gegen eine
Christianp_3 31.05.2012
Ich habe schon vor Jahren meinen Fernseher abgeschafft. Gerne zahle ich eine monatliche Gebühr für das Radio. Daher bin ich gegen eine "Zwangsabgabe", mit der ich das immer niveauloser werdende Fernsehprogramm mitfinanziere soll. Die bisherige Regelung der GEZ, eine geringere Gebühr für das Radioprogramm zu zahlen, fand ich in Ordnung.
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