Golden Globes Sechs Gesichter, die Sie sich merken sollten

"Fargo", "Transparent", "Selma": Bei den Golden Globes am Sonntagabend treten nicht nur herausragende Filme und Serien gegeneinander an. Sie rücken auch einige Darsteller ins Rampenlicht, die 2014 ihren Durchbruch hatten.

David Oyelowo: Für seine Darstellung als Martin Luther King Jr. nominiert
REUTERS

David Oyelowo: Für seine Darstellung als Martin Luther King Jr. nominiert


Comedy und Drama, Kino und TV: Mit ihrem Mix an Genres und Medien sind die Golden Globes, die am Sonntagabend verliehen werden, einzigartig unter den Entertainment-Auszeichnungen. Gerade bei den Schauspielern bietet die Bandbreite an Rubriken - von bester TV-Nebendarstellerin Drama bis bester Kino-Hauptdarsteller Comedy - Raum für Neuentdeckungen. Und weil das Serienfernsehen immer weiter von konventionellen Hauptfiguren abrückt, findet sich darunter auch ein 70-jähriger TV-Veteran, der bei einem Streaming-Service die Rolle seines Lebens spielt.

Jeffrey Tambor: nominiert als bester TV-Hauptdarsteller Comedy für "Transparent"

Von Mort zu Maura: Jeffrey Tambor als Transgender-Trau in "Transparent"
Amazon Studios

Von Mort zu Maura: Jeffrey Tambor als Transgender-Trau in "Transparent"

Als Fan von "Arrested Development" dachte man, man hätte von Jeffrey Tambor schon wirklich alles gesehen. In der legendär anarchischen Sitom spielte Tambor nicht nur den verschlagenen Unternehmenschef George Bluth, der wegen Steuerhinterziehung und Geschäften mit Saddam Hussein im Gefängnis landet und sich dort als Ü-60-Gangleader neu erfindet: Er gab gleichzeitig noch Georges kiffenden Zwillingsbruder Oscar, der Probleme hat, seinen Unterleib bedeckt zu halten. Dass in Tambor mehr als grandioser Slapstick steckt, bewies der 70-Jährige 2014 mit "Transparent", der ersten Serie von Amazon, die aus dem Stand heraus zwei Globes-Nominierungen erhielt. Tambor spielt darin den dreifachen Familienvater und Politikprofessor Mort, der nach seiner Pensionierung beschließt, als Frau zu leben. Als Komödie ausgewiesen setzt "Transparent"-Schöpferin Jill Soloway ein bisschen zu sehr auf Hipster-Ästhetik und Drastik, um die Serie möglichst edgy erscheinen zu lassen. Doch Tambor verleiht seiner Figur - und damit dem Zentrum der Serie - Gewicht und Würde. Die vorsichtigen Gehversuche seiner Maura in ihrem neuen Leben gehören zu den zärtlichsten und ergreifendsten Momenten des TV-Jahres. Eine zweite Staffel ist bereits in Vorbereitung. Hannah Pilarczyk


Ruth Wilson: nominiert als beste TV-Hauptdarstellerin Drama für "The Affair"

Ruth Wilson mit Dominic West an ihrer Seite im TV-Drama "The Affair"
AP/ Showtime

Ruth Wilson mit Dominic West an ihrer Seite im TV-Drama "The Affair"

Warum hat man eigentlich von dieser Frau noch nicht viel mehr gesehen? Im Ehebruchsdrama "The Affair", das auch als beste Drama-Serie nominiert ist, wechselt Ruth Wilson so virtuos zwischen gefährlich und schutzbedürftig, dass ihr nicht nur Dominic Wests Figur hilflos verfällt. Die titelgebende Affäre wird wechselweise aus ihrer beider Perspektiven nacherzählt - und offenbart dabei sehr unterschiedliche Einschätzungen dazu, was ihnen der Sommerflirt wirklich bedeutet. Die 32-jährige Britin verbindet die Undurchdringlichkeit ihrer Figur mit einer rohen Authentizität, der Kraft und Verletzlichkeit gleichermaßen innewohnen. In Nebenrollen von Filmen wie "The Lone Ranger" und "Saving Mr. Banks" durfte sie davon im Kino viel zu wenig zeigen, nur Fans der britischen Serie "Luther" dürften sie womöglich als verführerische Soziopathin Alice Morgen in Erinnerung haben. Ob Wilson den Erfolg von "The Affair" nutzt, um im US-Fernsehmarkt Fuß zu fassen, ist noch unklar. Als nächstes ist die angestammte Theaterschauspielerin an der Seite von Jake Gyllenhaal am Broadway zu sehen. Nina Rehfeld

Colin Hanks: nominiert als bester TV-Nebendarsteller Drama für "Fargo"

Colin Hanks als Gus Grimley in "Fargo": Sympathisches Sensibelchen
AP/ FX

Colin Hanks als Gus Grimley in "Fargo": Sympathisches Sensibelchen

Ein wirklich neues Gesicht ist Colin Hanks nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Abstammung vom Oscar-dekorierten Vater Tom deutlich in den Zügen des 37-Jährigen erkennbar ist. Keine ideale Voraussetzung für eine Hollywood-Karriere, folglich mühte sich Colin Hanks in den vergangenen Jahren durch die Ebenen des Entertainments. Mehr oder minder bemerkenswerten Kino-Auftritten ("Nichts wie raus aus Orange County", "King Kong") folgten einige markante Polizisten-Rollen in Serien wie "Roswell" oder "The Good Guys". Einen Gesetzeshüter gab er auch in der ersten Staffel von "Fargo" (Fox), aber so gut hatte man Hanks bisher noch nicht gesehen: Seinen Gus Grimley, hin- und hergerissen zwischen seinen Pflichten im Dienst und als allein erziehender Vater einer naseweisen Teenager-Tochter, tarierte Hanks so fein zwischen sanftem Slapstick und berühender Sensibilität aus, dass man ihm spätestens zu Füßen lag, als er seiner forschen Kollegin Molly (Allison Tolman, siehe unten) schüchterne Avancen macht. So wurde Hanks zu einer Lieblingsfigur in der mit Billy Bob Thornton und Martin Freeman nicht gerade schwach besetzten Serie. Der Golden Globe wäre Hanks' erster großer Award. Sollte er verdientermaßen gewinnen, wäre für ihn künftig vielleicht auch im Kino mehr drin als Nebenrollen in zweitklassigen Romanzen. Andreas Borcholte


Allison Tolman: nominiert als beste TV-Nebendarstellerin Drama für "Fargo"

Allison Tolman stieg als Polizistin Molly zum heimlichen Star von "Fargo" auf
AP/ FX

Allison Tolman stieg als Polizistin Molly zum heimlichen Star von "Fargo" auf

Aus einem so ikonischen Kinofilm wie "Fargo" eine TV-Serie zu machen, war ein Wagnis für alle Beteiligten. Das größte Risiko trug aber die unbekannte Theaterschauspielerin Allison Tolman - schließlich musste sie in die Fußstapfen der unvergleichlichen Frances McDormand steigen, die für ihre Darstellung einer hochschwangeren Polizistin 1996 den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann. Nach nur einer Folge "Fargo" war klar: Die Serie kann dem Vergleich mit dem Coen-Brüder-Klassiker standhalten und Tolman es mit den größten Komödiantinnen aufnehmen. Ihrer stämmigen Polizeibeamtin Molly verlieh sie eine tragikomische Demut, die sie sowohl zur unglamourösesten als auch zur liebenswertesten Serienheldin der letzten Zeit machte. Bleibt nur zu hoffen, dass nach der ersten Staffel "Fargo", die mit neuen Figuren, neuem Setting und neuen Schauspielern fortgesetzt wird, die nächste aufsehenerregende Rolle auf die 33-Jährige nicht lang warten lässt. Ihre Mini-Biografie auf Imdb.com deutet daraufhin, dass Tolman sich vielleicht am besten selbst eine Rolle auf den Leib schreiben sollte: Die Kurz-Bio hat sie selbst verfasst, und sie gehört zum unterhaltsamsten, das man auf der Filmdatenbank finden kann. Hannah Pilarczyk


David Oyelowo: nominiert als bester Kino-Hauptdarsteller Drama für "Selma"

David Oyelowo (Mitte) im Kinofilm "Selma" als Martin Luther King, Jr.
AP/ Paramount

David Oyelowo (Mitte) im Kinofilm "Selma" als Martin Luther King, Jr.

"Wenn Brad Pitt deinen Namen singt, hast du den Druchbruch geschafft!", sagte David Oyelowo, 38, nachdem Pitt kürzlich dem Publikum vom Palm Springs Filmfestival bei der Aussprache von Oyelowos Namen half (O-Yellow-O). Den Namen des Sohnes nigerianischer Eltern, der in Oxford geboren wurde, muss man sich tatsächlich merken. Im umjubelten Bürgerrechtsdrama "Selma" (Deutschlandstart: 19.2.) macht er mit seiner vielschichtigen, unaufgeregten Darstellung von Martin Luther King Jr. einen übermächtigen Heiligen der amerikanischen Geschichte lebendig - eine Leistung, die kommende Woche höchstwahrscheinlich auch mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt wird. In den kommenden Monaten wird man Oyelowo, der sich seine Sporen einst bei der Royal Shakespeare Company verdiente, noch viel mehr sehen: In "A Most Violent Year" spielt er neben Jessica Chastain, mit Zoe Saldana hat er ein Biopic über Nina Simone abgedreht ("Nina"), und neben Lupita Nyong'o ist er in der von Brad Pitt produzierten Literaturverfilmung "Americanah" besetzt worden. Ausserdem arbeitet er an einem Projekt über den Boxer Sugar Ray Robinson. Nina Rehfeld

Gina Rodriguez: nominiert als beste TV-Hauptdarstellerin Comedy für "Jane The Virgin"

Gina Rodriguez spielt die Titelrolle in der Comedy "Jane the Virgin."
AP/ The CW

Gina Rodriguez spielt die Titelrolle in der Comedy "Jane the Virgin."

Gina Rodriguez hat die Telenovela-Adaption "Jane the Virgin" (CW) zum Hingucker der vergangenen Saison gemacht. Als brave katholische Jungfrau wird sie versehentlich in der Praxis ihrer Frauenärztin inseminiert. Katastrophe! Denn der unfreiwillige Samenspender ist auch noch ein widerlicher Playboy - und Janes alte Jugendliebe. Sehr charmant, wie Rodriguez hier alle Register der hispanischen Seifenoper zieht - samt dramatisch aufgerissenen Augen und verzweifeltem Unschuldslächeln. Und gleichzeitig: Sehr schade, denn jenseits dieser Klischees scheint die US-Entertainmentbranche Latinas kaum etwas zu bieten. Als nächstes ist die Tochter puertoricanischer Eltern in einer Nebenrolle der romantischen Komödie "Sharon 1.2.3." und, ebenfalls in einer Nebenrolle, in dem Drama "Sticky Notes" zu sehen. Am liebsten würde man Rodriguez mal als kompromissloses Weibsstück mit tödlichem Charme sehen. Vielleicht hat Amerikas unverschämteste Fernsehproduzentin Shonda Rhimes ("Scandal", "How to Get Away with Murder") eine Rolle für sie? Nina Rehfeld

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insgesamt 6 Beiträge
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jackie_ma 10.01.2015
1. Fargo
...ist für mich eine der besten Serien der letzten zehn Jahre. Sowohl Hanks als auch Tolman, aber auch Martin Freeman und der geniale Billi Bob Thornton hätten die Auszeichnung mehr als verdient. Für mich war dieses Meisterwerk sogar noch besser als True Detective, was aber ebenfalls eine geniale Serie war.
bennocl 10.01.2015
2. Ruth Wilson
Seit "Luther" schätze ich R.W. sehr und hatte das Glück, The Affair bereits sehen zu können. Die beste neue Serie seit langem. Neben den geschilderten Qualitäten ist R.W. auch noch ungeheuer sexy. Ich drücke ihr fest die Daumen. Übrigens wurde bereits eine zweite Staffel von The Affair bestellt.
dudeldadel 10.01.2015
3. Da kann ich
meinem Vorredner zu 100% zustimmen. Fargo hat uns gefesselt. Ich hoffe wir bekommen von A. Tolman noch mehr zu sehen. Drücke ihr die Daumen.
Lisa_can_do 10.01.2015
4. Nominierte zeigen alles das
was man im Deutschen Fernsehen, privat oder öffentlich-rechtlich, nicht sieht. Keine Typen, keine Plots und Dramaturgien, die sowohl inhaltlich interessant als auch emotional berührend sind, keine oder schlechte Komik. Fargo zeigt alles, was das Zuschauer-Herz sich wünscht - großartig. Mir graust es nur vor der deutschen Übersetzung...
Layo 11.01.2015
5. Selma - ein Triumph
Selma ist der erste absolute must-see Film des Jahres 2015 - fantastisch in jeder Hinsicht. David Oyelowo hat das Wesen von Dr. Martin Luther King eingefangen wie kein Schauspieler vor ihm, und auch die uebrige Besetzung ist hervorragend. Die Cinematographie ist hypnotisierend und geht nahtlos in zeitgeschichtliches Material ueber. Mein Sohn, der die amerikanische Buergerrechtsbewegung nur vom Hoerensagen kennt, war genauso beindruckt wie ich - unbedingt ansehen!
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