Auszeichnung für deutschen Film NSU-Drama "Aus dem Nichts" gewinnt Golden Globe

In Beverly Hills sind die renommierten Golden Globes verliehen worden. "Lady Bird", "The Handmaid's Tale" und "Big Little Lies" gelten als große Gewinner. Freuen kann sich auch der deutsche Regisseur Fatih Akin.

REUTERS

Das deutsche NSU-Drama "Aus dem Nichts" von Regisseur Fatih Akin hat den Golden Globe als bester nicht englischsprachiger Film gewonnen. Das gab der Verband der Auslandspresse am Sonntagabend bei der 75. Golden-Globe-Gala in Beverly Hills bekannt. "Aus dem Nichts" ist in diesem Jahr auch der deutsche Oscar-Kandidat.

Akin dankte auf der Bühne unter anderem seiner Hauptdarstellerin Diane Kruger. "Das ist deine, das ist unsere."

Bei der Verleihung der Golden Globes konkurrierte Akins Thriller unter anderem mit dem Gewinner des Europäischen Filmpreises, der schwedischen Satire "The Square" von Ruben Östlund. Weitere Nominierungen in der Sparte waren der kambodschanische Film "First They Killed My Father" von Angelina Jolie, "Fantastic Woman" aus Chile und "Loveless" aus Russland.

Akins Thriller erzählt von einem Anschlag in Hamburg, bei dem ein Kurde und dessen Sohn ums Leben kommen (eine ausführliche Filmrezension lesen Sie hier). Für ihre Rolle als verzweifelte Ehefrau, die die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen will, hatte Kruger im vorigen Jahr den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Cannes gewonnen. Für den 44-jährigen Akin war es die erste Golden-Globe-Nominierung.

Video zu "Aus dem Nichts": Diane Kruger sucht Vergeltung

DPA/ Warner Bros.

Der aus Frankfurt stammende Starkomponist Hans Zimmer ging hingegen leer aus: Die Trophäe für die beste Filmmusik ging stattdessen an den französischen Komponisten Alexandre Desplat für den Film "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers".

Die besten Filme, die besten Serien

Der Golden Globe für das beste Drama geht in diesem Jahr an den Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" von Regisseur Martin McDonagh. Insgesamt gewann das Werk um Polizeiwillkür und Rassismus vier Golden Globes, darunter auch den für Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin. In der Kategorie Beste Komödie/Musical gewann die Tragikomödie "Lady Bird" von Greta Gerwig den Hauptpreis.

Die dystopische Romanverfilmung "The Handmaid's Tale" gewann den Preis als beste Dramaserie, Hauptdarstellerin Elisabeth Moss wurde beste Schauspielerin. Bei den Miniserien bekam "Big Little Lies" vier Auszeichnungen, darunter den Hauptpreis als beste Reihe in dieser Kategorie und den für Nicole Kidman in der weiblichen Hauptrolle.

Oprah Winfrey wurde für ihr Lebenswerk geehrt und hielt eine kämpferische Rede: "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren. Aber deren Tage sind gezählt!" Sie wurde mit Standing Ovations gefeiert.

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Golden Globes: Diese Stars räumten Preise ab

Seitenhiebe auf Missbrauchs-Debatte und Trump

Die Preisverleihung fand in diesem Jahr zum 75. Mal statt, Seth Meyers moderierte die Gala. Dabei ging es in diesem Jahr besonders politisch zu. "Guten Abend, Ladies und verbleibende Gentleman", sagte Meyers zur Begrüßung ans Publikum gewandt. Und fuhr angesichts der vielen Enthüllungen über sexuellen Missbrauch zu den männlichen Nominierten fort: "Das hier ist das erste Mal in drei Monaten, dass ihr keine Angst haben müsst, euren Namen zu hören."

Als er die Vorsitzende der Hollywood Foreign Press Association, Meher Tatna, vorstellte, sagte Meyers: "Hier ist jemand, der Präsident ist und wirklich ein ausgeglichenes Genie." US-Präsident Donald Trump hatte das kurz zuvor für sich in einem Tweet in Anspruch genommen.

Nahezu alle Anwesenden bei der Verleihung trugen schwarze Kleider und Anzüge, um auf fehlende Gleichberechtigung von Frauen und Minderheiten hinzuweisen. Mehr dazu lesen und sehen Sie in folgender Fotostrecke:

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Roter Teppich der Golden Globes: Women in Black

Hier finden Sie die Preisträger der 75. Golden-Globes-Verleihung im Überblick:

FILM

-Motion Picture, Drama: "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

- Actor, Motion Picture, Drama: Gary Oldman, "Darkest Hour"

- Actress, Motion Picture, Drama: Frances McDormand, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri."

- Director, Motion Picture: Guillermo Del Toro, "The Shape of Water."

- Actor, Motion Picture, Musical or Comedy: James Franco, "The Disaster Artist"

- Supporting Actor, Motion Picture: Sam Rockwell, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

- Supporting Actress, Motion Picture: Allison Janney, "I, Tonya"

- Original Score-Motion Picture: Alexandre Desplat, "The Shape of Water"

- Animated Film: "Coco"

- Screenplay: Martin McDonagh, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

- Foreign Language: "In the Fade"

FERNSEHEN

- Series, Drama: "The Handmaid's Tale"

- Actor, Drama: Sterling K. Brown, "This is Us"

- Actress, Drama: Elisabeth Moss, "The Handmaid's Tale"

- TV Series, Musical or Comedy: "The Marvelous Mrs. Maisel"

- Actor, TV Series, Musical or Comedy: Aziz Ansari, "Master of None"

- Actress, TV Series, Musical or Comedy: Rachel Brosnahan, "The Marvelous Mrs. Maisel"

- Actress, Limited Series or TV Movie: Nicole Kidman, "Big Little Lies"

- Supporting Actress, Series, Limited Series or TV Movie: Laura Dern, "Big Little Lies"

- Supporting Actor, Series, Limited Series or TV Movie: Alexander Skarsgard, "Big Little Lies"

- Actor, Limited Series for Motion Picture Made for TV: Ewan McGregor, "Fargo"

aar/dpa/Reuters/AP

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Morphy72 08.01.2018
1. Türkischstämmiger Regisseur
Wäre mal wichtig zu erwähnen wie auch bei Negativbeispielen nicht vorenthalten wird. Danke SPON!
veron 08.01.2018
2. Finde ich Super!
Nicht so gut finde ich,das der deutsche Staat nicht die versprochene Aufklärung leistet wie den Opfern und Bürgern versprochen.Sondern der Staat wie es die Fakten belegen,anscheinend mehr damit zu tun hat als uns lieb ist.Das ist echt traurig.
SPONU 08.01.2018
3. Nazi Themen
...ziehen halt immer bei der US Jury. Dazu noch eine Schauspielerin mit germanischer Aura. Nächstes Jahr gewinnt wieder Frankreich für eine Romantikkomödie.
airsurfer 08.01.2018
4. schlechter Film
Ich habe mir den Film im Kino angesehen. Er besteht zu einem Drittel daraus, dass die Schauspielerin heult und es anscheinend in Hamburg nur Regen gibt, zu einem Drittel aus einer schlechten Gerichtsverhandlung, das restliche Drittel aus der Jagd nach den beiden Tätern. Das man den Film zeigt, während das eigentliche Strafverfahren noch läuft, na ja! Kein Wunder das den Film bislang nur 100.000 Besucher in den Kinos gesehen haben. Ich habe abends im Fernsehen (20.15 Uhr) schon bessere Filme gesehen.
mirage122 08.01.2018
5. Fatih Akin ist Hamburger
Er wurde hier geboren, ist hier aufgewachsen, seine Eltern kamen ursprünglich aus der Türkei. Er betont aber immer wieder, dass Hamburg seine Heimat ist. Die allerherzlichsten Glückwünsche! Vielleicht klappt das ja auch mit dem Oscar! Daumendrücken! Er ist total bodenständig und sympathisch!
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