Ernst-Busch-Schauspielschüler: Gottschalk lädt Jauch-Störer in Sendung

Bei "Günther Jauch" schritten Sicherheitsleute rabiat ein - dafür dürfen Ernst-Busch-Schauspielschüler nun ganz offiziell bei Thomas Gottschalk für einen Schulneubau in Berlin-Mitte werben. Auch der Zwischenrufer aus Jauchs Talkshow wird unter den 90 geladenen Studenten sein.

Protestzug von Ernst-Busch-Studenten (am Montag): Es geht um rund zwei Millionen Euro Zur Großansicht
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Protestzug von Ernst-Busch-Studenten (am Montag): Es geht um rund zwei Millionen Euro

Berlin/Hamburg - Diesmal ist ihr Protest in der Sendung durchaus erwünscht: Nach der Störung der ARD-Talkshow "Günther Jauch" hat Thomas Gottschalk 90 Berliner Schauspielschüler in seine Sendung geladen. Am Mittwoch können die Studenten laut ARD bei "Gottschalk Live" ihren Unmut über die Ablehnung eines zuvor zugesagten Neubaus ihrer Schule vortragen. Unter den geladenen Schauspielschülern sei auch der Student, der am Sonntag durch Zwischenrufe Jauchs Talkshow gestört hatte, sagte eine Sprecherin.

Damit ist den Nachwuchsschauspielern ein PR-Coup gelungen - denn seit vergangenem Sonntag interessieren sich nun auch überregionale Medien für einen eigentlich lokalen Berliner Konflikt.

Die renommierte Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ist bislang auf vier, teils marode Standorte verteilt. Der Bau in Niederschöneweide etwa, der noch zu DDR-Zeiten entstand, ist asbestbelastet. Daher war eigentlich schon lange beschlossen, dass die Schule in einen einzigen zentralen Neubau in Berlin-Mitte ziehen soll. Der Architekturwettbewerb war bereits entschieden, doch nun steht das Vorhaben wieder auf der Kippe. Grund: Die avisierten Kosten des Projekts stiegen auf 36,5 Millionen Euro, die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus besteht aber auf einer Höchstgrenze von 34 Millionen Euro.

Es geht nicht um die Existenz der "Ernst Busch"

Mitte Juni soll das Parlament endgültig über die Sache abstimmen - bis dahin haben die Studenten also noch Zeit, den öffentlichen Druck zu erhöhen. Den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), in Personalunion Kultursenator, haben sie ohnehin auf ihrer Seite.

Einerseits mutet die Vehemenz, mit der die Schauspielschüler um den Neubau kämpfen, ein wenig übertrieben an - schließlich ist die Institution beileibe nicht in ihrer Existenz bedroht. Andererseits geht es in dem Konflikt mit etwa zwei Millionen Euro um einen relativ geringen Betrag für eine hochangesehene Kulturinstitution - vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Schule selbst bereits konkrete Einsparungen von 1,85 Millionen vorgeschlagen hat, um ihren Beitrag zu leisten. Zudem ist der Zustand der bisher genutzten Gebäude kaum noch akzeptabel, die Kosten für eine Sanierung ungewiss.

Bei anderen Bauprojekten im Kulturbereich kommt es mitunter zu weitaus größeren Kostensteigerungen. So wurde etwa am Dienstag bekannt, dass das eben erst sanierte Schauspielhaus Stuttgart wegen Baumängeln bis mindestens März 2013 wieder geschlossen werden muss - erwartete Zusatzkosten: 5,5 Millionen Euro. Zwar wollen sich in diesem Fall die Stadt und das Land die Mehrkosten bei den Baufirmen wieder hereinholen - vorsorglich jedoch stockt Baden-Württemberg aber die Mittel im Haushalt 2013/14 entsprechend auf, sollten sich die Regresszahlungen verzögern.

fdi/dpa/dapd

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