"Gottschalk Live"-Premiere Gleich geht's weiter!

Häppchenfernsehen mit Witz: Von ständig drohenden Werbeunterbrechungen gehetzt, hechtete Thomas Gottschalk durch die erste Ausgabe seiner neuen ARD-Vorabend-Show "Gottschalk Live". Die ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nicht unlustig.

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Garantiert kein Rettungsschirm, keine Fernsehköche, pure Erholung am Feierabend kurz vor der Tagesschau, und, zur Zeit ganz wichtig, eine Wulff-freie Zone versprach Thomas Gottschalk in der ersten Ausgabe seiner neuen...

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...ähm, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, Thomas Gottschalks neue ARD-Sendung "Gottschalk Live". Ein Versuch, die Wüste des Vorabends zu bewässern. Eine letzte Chance für den Moderator, sich mit einem neuen Format wieder...

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Sie sehen das Problem: Es ist nicht möglich, auch nur einen halben klaren Gedanken zu fassen, wenn in wenigen Sekunden schon wieder die nächste Werbeunterbrechung droht. Leider ist es diese nervige Verhackstückung, die als erster Eindruck hängen bleibt von der Premiere der neuen Gottschalk-Show. Und das ist durchaus schade.

Denn in den wenigen Minuten, die dem Moderator unterbrechungsfrei zugestanden wurden, konnte man am Montagabend einen Thomas Gottschalk erleben, der präsenter und motivierter wirkte als bei vielen seiner "Wetten, dass..?"-Auftritte der vergangenen Jahre. Denn da bekam man manchmal das Gefühl, Gottschalk wisse nicht genau, welche Wette er da präsentiert - und es interessiere ihn auch nicht sonderlich. Da wirkte er verbraucht.

Auch bei "Gottschalk Live" blieb der Entertainer seinem Ruf treu, sich nicht wirklich ausführlich vorbereiten zu wollen: Den Filmerfolg "Der Schuh des Manitu" seines Talk-Gastes Michael "Bully" Herbig verortete Gottschalk mal eben kühn in den Achtzigern. "Das war 2001, Alter!", rügte Herbig, doch Gottschalk verwandelte den Lapsus sofort in einen selbstironischen Gag: Man habe ihm gesagt, er müsse sich drei Jahreszahlen merken, das habe er auch getan. Nur leider in der falschen Reihenfolge.

So konnte man sich zwischen Spots für Autoscheiben-Reparatur und Apotheken-Zeitschrift an der Gottschalkschen Spontaneität belustigen, die immer dann am meisten Freude bereitet, wenn sie offensichtlich völlig sinnfrei daherkommt. Tolle Aussicht, meinte Herbig beim Blick aus dem Studiofenster auf die belebte Straße in Berlin-Mitte, alles echt. Ja, antwortete Gottschalk, nur einige Autos da draußen lasse man bezahlt kreisen, falls der Verkehr mal zum Erliegen kommen sollte.

Dass auf Gottschalks mit Presseerzeugnissen gepflastertem Alu-Schreibtisch auch die "taz" einen Platz gefunden hat, mag als Beleg der neuen Meinungsfreude und Offenheit des Moderators gelten - dass Gottschalk dann aber doch nur die "Bild"-Zeitung in die Kamera hielt und in einem völlig überflüssigen Exkurs auch die "Freizeit Revue", das mag man ihm verzeihen. Ebenso wie die leichte Gehetztheit, die der Profi erstaunlicherweise ausstrahlte. Diese könnte mit Lampenfieber zu tun haben und damit, dass er am Anfang erst einmal das Konzept der Sendung erklären musste. Diese Zeit fehlte ihm am Schluss.

Man wird sich, wenn man Thomas Gottschalk überhaupt gerne täglich dabei zusehen will, wie er zu jedem beliebigen Thema einen sofortigen Ich-Bezug findet, an "Gottschalk Live" erst noch gewöhnen müssen. Nicht nur an die Zerrissenheit des Formats. Nicht nur daran, dass Gottschalk in kurzer Sendezeit von einem Thema zum nächsten hechten muss. Und nicht nur an die Präsenz seiner Redaktion, die ungewohnt vernehmlich im Hintergrund murmelte und klapperte und johlte.

Vor allem aber wird man sich gewöhnen müssen an einen Thomas Gottschalk, der augenscheinlich wild entschlossen ist, um jeden einzelnen Zuschauer zu kämpfen. Am Ende bat Gottschalk die Zuschauer, auch am nächsten Tag wieder einzuschalten - wenn schon nicht für ihn, dann doch für das Eisbären-Baby, das er präsentieren wolle. Einen Halbbruder von Knut! Und dann ging Thomas Gottschalk in die Knie und bat flehentlich um Quote: "Wir brauchen jeden Zuschauer!"

Man kann ihm die Bitte kaum abschlagen.


"Gottschalk Live", ARD, Montag bis Donnerstag, 19.20 Uhr, ab 23. Januar 2012

insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
hairforce 23.01.2012
1. wohlfühl Atmosphäre
Zitat von sysopHäppchenfernsehen*mit*Witz: Von ständig drohenden Werbeunterbrechungen gehetzt hechtete*Thomas Gottschalk durch die erste Ausgabe seiner neuen ARD-Vorabend-Show "Gottschalk Live". Die ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nicht unlustig.* http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,810960,00.html
Für's erste mal! Hat er gut hingekriegt der Herr Gottschalk, muss man sagen. Mal was anderes.Die Gäste waren auch gut. Die Werbedauer war erträglich.
grubbi 23.01.2012
2. kurzweilig
Zitat von sysopHäppchenfernsehen*mit*Witz: Von ständig drohenden Werbeunterbrechungen gehetzt hechtete*Thomas Gottschalk durch die erste Ausgabe seiner neuen ARD-Vorabend-Show "Gottschalk Live". Die ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nicht unlustig.* http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,810960,00.html
Ich fands auch äußerst kurzweilig. Der Stern bezeichnet die Sendung als "Katastrophe" und "Selbstbeweihräucherung Gottschalks". Das halte ich für Unfug. Die Sendung war locker und nett und hat Spaß gemacht. Nur die drei Unterbrechungen in 30 Minuten fand ich (vor allem fürs öffentlich rechtliche) unverschämt.
MaxLi 23.01.2012
3.
Zitat von hairforceFür's erste mal! Hat er gut hingekriegt der Herr Gottschalk, muss man sagen. Mal was anderes.Die Gäste waren auch gut. Die Werbedauer war erträglich.
Dem kann ich nur bergrenzt zustimmen. Grundsätzlich war die Werbedauer in Ordnung. Wenn sie denn am Stück gewesen wäre. So wurde die Sendung und vor allem das Gespräch mit Bully Herbig nur komplett zerhackt, was ich sehr schade und vor allem auch unhöflich gegenüber Herbig und den Zuschauern empfand. So wurde Bully nicht nur von Gottschalk, sondern auch noch von der Werbung und dem Wetter unterbrochen. Alles in allem: Eher eine schlechte Premiere. Warum ein Gottschalk, immerhin schon über 60 Jahre alt, unbedingt über die Scheidung eines Promi-Pärchen philosophieren wollte, erschließt sich mir auch nicht ganz. Lag aber wahrscheinlich auch am eher ereignislosen Montag. Ich werde mir die Sendung trotz allem noch noch häufiger anschauen. Auch ein Gottschalk muss sich wahrscheinlich erst mal in dieses neue Format hineinfinden. Das Konzept an sich gefällt mir. Wenn die ARD und Gottschalk es jetzt noch schaffen, trotz der kurzen Sendedauer keine "Hektik" aufkommen zu lassen, könnte das mit dem entspannten "Wohlfühlfernsehen mit Thommy" tatsächlich klappen. Ich bin gespannt.
keksen 23.01.2012
4. Unterhaltsam
Zitat von sysopHäppchenfernsehen*mit*Witz: Von ständig drohenden Werbeunterbrechungen gehetzt hechtete*Thomas Gottschalk durch die erste Ausgabe seiner neuen ARD-Vorabend-Show "Gottschalk Live". Die ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nicht unlustig.* http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,810960,00.html
Stimme mit dem Autor überein. Unterhaltsam wars, aber die Ein-Spot-Werbepausen haben schon genervt (ohne sie könnte man auch die lästigen Musikeinspieler seinlassen). Alles in allem ganz ordentlich. Die Idee mit der Redaktion im Studio fand ich auch gut. Mal was anderes.
stack 23.01.2012
5. Zu Tode gestückelt
An sich ganz nett. Aber völlig zerstückelt durch die dauernden Unterbrechungen. Bei den Privaten würde ich das zwar noch verstehen - aber nicht tolerieren. Als Gegenleistung für meine GEZ-Gebühren kann ich es aber nicht mal verstehen - und tolerieren noch viel weniger. Ciao Tommy. Ist nicht Deine Schuld...
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