Hamburg/Berlin - Bis vor kurzem war er noch der Quoten-Gott, heute ist er die heiße Kartoffel des deutschen Fernsehens. Keiner mag mehr Thomas Gottschalk anfassen und sich an ihm die Finger verbrennen. Am Mittwoch gab die ARD bekannt, dass man aufgrund schlechter Quoten "Gottschalk Live" einstellen werde, nun erklärte ZDF-Intendant Thomas Bellut, dass er eine Rückkehr des einstigen "Wetten, dass..?"-Moderators ausschließe.
Bei einem Pressegespräch in Berlin sagte der erste Mann vom Zweiten, Markus Lanz sei die "ideale Lösung" als Nachfolger. Die Marke "Wetten, dass..?" sei "vital", sagte Bellut. "Wenn wir es schaffen, dauerhaft mehr als acht Millionen zu erreichen, wäre das für uns ein großer Erfolg", so der ZDF-Mann mit Blick auf die Zuschauerzahlen. Die Erwartungen dürften nicht zu hoch geschraubt werden. Derzeit werde am Konzept der Show gearbeitet. "Internationale Top-Stars wird es weiter geben", versicherte er.
Die erste "Wetten, dass..?"-Ausgabe mit Lanz wird am 6. Oktober ausgestrahlt. Seine Late-Night-Talks wochentags im ZDF werde der Moderator behalten, allerdings trenne er sich von seiner am Freitagabend laufenden Show "Lanz kocht". Was stattdessen auf den Programmplatz komme, sei noch offen, so Bellut.
"Zeit, dass wir neue Gesichter aufbauen"
Möglicherweise wird so ein Platz für das Moderatorenduo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf frei, das derzeit bei ZDFneo im Einsatz ist. "Wir brauchen neue Ansätze im Unterhaltungsbereich und müssen weitere Experimentierfelder öffnen", orakelte Bellut. Joko und Klaas seien "Internet-Helden" und beliebt bei den jüngeren Zuschauern. "Es wird Zeit, dass wir neue Gesichter aufbauen", meint der Intendant.
Dass Bellut sich so vehement gegen eine mögliche Rückkehr Gottschalks ausspricht, mag aber nicht nur dem Wunsch nach neuen Gesichtern geschuldet sein. Der Star-Moderator kostet einfach zu viel. Das ZDF aber hat von der Gebührenkommission KEF strenge Sparvorgaben bekommen.
Beim Pressegespräch in Berlin verriet Bellut auch, wie er diese umsetzen wolle: Bis 2016 sollen 300 Vollzeitstellen abgebaut werden. Dabei handelt es sich um Planstellen und freie Mitarbeit. Betriebsbedingte Kündigungen könne er erst einmal ausschließen, so Bellut. Gleichzeitig betonte er: "Es darf nicht nur die Freien und auch nicht nur die Jungen treffen." Deshalb solle es auch ein Frühverrentungsmodell geben, durch das etwa hundert der 300 Stellen eingespart werden könnten.
cbu/dapd
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