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Gottschalks neue ARD-Show: Zugabe! Zugabe! Zugabe!

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Verdammt, ist der gut! Thomas Gottschalk stellt in Berlin seine neue ARD-Show vor, und selbst die Journalisten liegen lachend unter den Tischen. Es ist also völlig egal, welche Gäste er haben wird oder wie sein Studio aussieht. Was zählt: "Gottschalk live" wird moderiert von Thomas Gottschalk.

Gottschalks neue ARD-Show: Der Dauerbrenner Fotos
dapd

Himmelfahrt war gestern.

Die Laserschrift mit den finalen Dankesworten des ZDF an ihren Star-Moderator ist kaum verblasst, der Bühnennebel der allerletzten "Wetten, dass..?"-Sendung mit Thomas Gottschalk hat sich kaum verzogen, und da steht er schon wieder. Kein Urlaub, kein In-sich-Gehen und Verschnaufen, das ist seine Sache nicht, denn: Gottschalk macht den Dauerlauf. Runter von der Bühne, rauf auf die Bühne.

Allerdings vorerst nur eine sehr kleine. Im Humboldt-Carré stellt die ARD ihre neue Vorabendshow live aus Berlin mit Thomas Gottschalk vor, Programmdirektor Volker Herres spricht einige einleitende Worte, dann überlässt er die Präsentation dem Mann, "der es am besten kann", einem "Spätheimkehrer" zur ARD, einem großen, entspannten, blondgelockten Unterhalter in einem Tweedanzug, dem ein Monokel vom Hals baumelt: Und hier ist Thomas Gottschalk.

"Ich koste nichts und bringe nichts"

Zunächst könnte man ja noch misstrauisch sein, ob er das wirklich alles so toll findet, diese neue Sendung, diesen alten neuen Sender, ob das tatsächlich funktionieren kann mit ihm und der ARD und dem Vorabend. Wenn er sagt, er "freue sich wirklich sehr auf diese Geschichte", dann klingt das so, als sei sie ihm im Grunde herzlich egal, "diese Geschichte". Er sei "in ein Geflecht aus öffentlich-rechtlichen Gefilden geraten" und "aus Versehen" in den Verantwortungsbereich des WDR. Für die ARD sei seine Sendung "kostenneutral", was im Übrigen "eines der wenigen Wörter" sei, die er sich aus den Verhandlungen gemerkt hat, und das übersetzt Gottschalk so: "Ich koste nichts und ich bringe nichts."

Aber dann, je länger die Pressekonferenz läuft, desto klarer wird: Diese Wurstigkeit, die so weit geht, dass er sich nicht einmal den Titel seiner Show gemerkt hat, diese vollkommene Entspanntheit, die Thomas Gottschalk heute wie in seinen besten Momenten ausstrahlt, sie ist Grundlage und Hoffnung dafür und darauf, dass "Gottschalk Live" tatsächlich eine großartige Sendung werden könnte. Denn Gottschalk hat das alles nicht nötig - und um so freier kann er agieren.

Es ist denn auch im Grunde vollkommen nebensächlich, dass Thomas Gottschalk für seine neue ARD-Show eine etwa 30-köpfige Redaktion haben wird, die ihm vor und während der Sendung zuarbeitet. Es spielt auch eigentlich keine Rolle, ob Gottschalk Lady Gaga, wenn sie in Berlin weilt, bei sich zu Gast haben wird, oder mit Stephen King über dessen jüngstes Buch und die Lust am Grusel plaudern will, wie er überhaupt jeden Superstar zu sich einladen will, der gerade in der deutschen Hauptstadt ist, denn "es kommt ja hier einiges durch". Es ist bestenfalls marginal, dass das Studio, von dem es erste Bilder zu sehen gab, gestaltet sein wird wie ein großzügiges Wohnzimmer mit Ledersesseln, Bücherregalen und einem tigerähnlich gemusterten Vorleger vor dem Moderationspult.

Alles Staffage außer Gottschalk

Das alles ist Staffage und tote Materie. Lebendig wird die Sendung allein durch ihren Moderator, und wenn er es schafft, in seiner Show auch nur die Hälfte der guten Laune auszustrahlen, die er bei dieser Präsentation an den Tag legt, dann wird sie ein Erfolg. Und wenn nicht? Dann werde er sich möglicherweise "in einem Führerbunker verkriechen". Verpflichtet sei er jedenfalls zu gar nichts, "wir machen das, bis einer die Schnauze voll hat". Entweder er oder die ARD.

Die Sendung, erklärt Gottschalk noch völlig überflüssigerweise, soll irgendwo dazwischen liegen, zwischen spätem Frühstücksfernsehen und zu früher Late-Night-Show, zwischen ernst und heiter, zwischen Boulevard und Feuilleton. Und sie soll eine halbe Stunde zum Wohlfühlen sein, ab 19.20 Uhr, "wenn die Menschen angekränkelt von der Last des Tages nach Hause kommen", und wenn der müde Patriarch nach Sendungsbeginn heimkehrt - da bleibt Gottschalk seinem überkommenen Rollenverständnis treu - "wenn der Vater nach Hause kommt, weiß Mutti schon ein bisschen mehr". Über den neuesten Volksmusik-Skandal, den Papst, der per iPad einen Weihnachtsbaum entzündet, und die neueste Platte von Katy Perry. Oder über Angela Merkel, der, wie die Pressemitteilung ausdrücklich vermerkt, die Sendung wie "jedem offen" steht - wenn er oder sie nur etwas zu erzählen hat, das interessiert und bewegt.

Das muss man alles nicht wissen, denn das einzige was zählt für "Gottschalk Live", ist Thomas Gottschalk selbst und das, was ihm genau in der richtigen Sekunde einfällt und einfach so über die Lippen kommt.

Von dieser großen Kunst gibt er reichlich Kostproben, aber da es leider nicht möglich ist, Gottschalks Scherze adäquat zu verschriftlichen, müssen Sie das jetzt einfach mal glauben: Sie sind sehr lustig. Und dann noch ein Scherz. Und noch einer.

Manche Journalisten kriegen sich vor Lachen gar nicht mehr ein, und am Ende kann man diese Pressekonferenz nicht mehr unterscheiden von einer lustigen Stand-up-Nummer eines, ja, verdammt nochmal, begnadeten Entertainers. An diesem Freitag hat Thomas Gottschalk einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er in der Lage und willens ist, alles und jeden für einen guten Gag in die Pfanne zu hauen. Allen voran sich selbst.

Dieser Typ muss ins Fernsehen.


"Gottschalk Live", ARD, Montag bis Donnerstag, 19.20 Uhr, ab 23. Januar 2012

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Kann man sich mal vormerken!
ZiehblankButzemann 09.12.2011
Ja, talentiert ist der Dauerjugendliche Gottschalk auf jeden Fall. Und wenn er seinen frechen und auch manchmal ziemlich klugen Geist in die Waagschale wirft, könnte was Gutes dabei herauskommen. Schließlich ist er ja durch´s Radio bekannt geworden, auch Günther Jauch hat ihn so kennengelernt(beim Radiohören), und quatschen kann er ja sowieso, bis die Wampe kracht. Den stoppt kein Maya-Kalender. Wetten! Wetten Dass war einfach wirklich schon ein bißchen abgestanden, und der Kerkeling zu fett dafür.
2. Dr.
braintainment 09.12.2011
"Thomas Gottschalk hat sich durch seinen Wechsel zur ARD finanziell erheblich verbessert. Nach Informationen des manager magazin erhält der TV-Unterhalter künftig ein Grundgehalt von rund sechs Millionen Euro pro Jahr." Na dafür kann man doch mal in die Kamera grinsen. M.E. rausgeschmissen Geld!
3.
dim499 09.12.2011
Ein positiver Artikel über Gottschalk, cool. So wie die Rolling Stones und Paul McCartney wird Gottschalk wahrscheinlich nie wieder einen Hit landen. Ist aber egal, wenn man Exile, Sgt Peppers, oder Wetten Dass im Lebenslauf hat.
4. Gott
pepito_sbazzeguti 09.12.2011
Zitat von sysopVerdammt, ist der gut! Thomas Gottschalk*stellt in Berlin seine neue ARD-Show vor, und selbst die Journalisten liegen lachend unter den Tischen.*Es ist also völlig egal, welche Gäste er haben wird*oder wie sein Studio aussieht. Was zählt: "Gottschalk live" wird moderiert von Thomas Gottschalk. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,802751,00.html
Hoffentlich versäumt es Herr Gottschalk vor Antritt seiner neuen Arbeit nicht, endlich das lästige "schalk" aus seinem Hausnamen streichen zu lassen.
5.
Dr.No 09.12.2011
Zitat von ZiehblankButzemannJa, talentiert ist der Dauerjugendliche Gottschalk auf jeden Fall. Und wenn er seinen frechen und auch manchmal ziemlich klugen Geist in die Waagschale wirft, könnte was Gutes dabei herauskommen. Schließlich ist er ja durch´s Radio bekannt geworden, auch Günther Jauch hat ihn so kennengelernt(beim Radiohören), und quatschen kann er ja sowieso, bis die Wampe kracht. Den stoppt kein Maya-Kalender. Wetten! Wetten Dass war einfach wirklich schon ein bißchen abgestanden, und der Kerkeling zu fett dafür.
Ja, kann ich nur unterschreiben! Ich freue mich auf dieses Format!!
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