Grimme-Preis 2012: Trophäen für "Tatortreiniger" Bjarne Mädel und Tele 5

Vom Programm-Abseits zum Sieg: Die Late-Night-Comedy "Der Tatortreiniger" und die Tele-5-Satire "Walulis sieht fern" erhalten den Grimme-Preis. Ansonsten wird Qualitäts-TV wie das Cybermobbing-Drama "Homevideo" geehrt - die Privaten schnitten besonders schlecht ab.

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NDR

Bjarne Mädel als "Tatortreiniger": Comedy im Freestyle

Hamburg/Marl - Nach dem Deutschen Fernsehpreis setzt sich der Erfolgskurs für "Homevideo" (NDR/ARD) auch beim Grimme-Preis fort: Wie am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf bekanntgegeben wurde, erhält das aufwühlende Cybermobbing-Drama einen Preis in der Kategorie "Fiktion". Eine gute Wahl für den renommiertesten Deutschen TV-Preis, denn Kilian Riedhofs Film verbindet zeitgemäße Brisanz mit einer hervorrangenden, niemals effekt-orientierten Inszenierung.

Außerdem werden dieses Jahr Matti Geschonnecks "Liebesjahre" (ZDF), Dagmar Hirtz' "Die Hebamme - Auf Leben und Tod" (ZDF/ORF), Edward Bergers "Ein guter Sommer" (ARD/HR) sowie das viereinhalbstündige Erzähl-Experiment "Dreileben" (ARD/BR/Degeto/WDR) geehrt. Bei letzterem standen die Arthouse-Stars Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler gemeinsam hinter der Kamera.

Damit setzen sich die öffentlich-rechtlichen Sender eindeutig gegen die privaten durch - eine Entwicklung, die sich schon bei den Nominierungen abzeichnete. Von den 61 Produktionen, die zur Auswahl standen, stammten 53 von ARD und ZDF.

Erstaunlicherweise konnten sich die Privaten nicht einmal in ihrer Stammkategorie Unterhaltung erfolgreich behaupten: Ausgezeichnet wurde die Freestyle-Comedy "Der Tatortreiniger" (NDR) mit Bjarne Mädel, die anfänglich nur im Dritten lief, nachträglich aber ins Erste gehoben wurde, sowie das Satire-Format "Walulis sieht fern", das zu realtiv später Zeit auf Tele 5 läuft, aber inzwischen einige Fans hat.

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NDR-Comedy "Tatortreiniger": Blut spritzt, Knochen fliegen
Zwei gute Beispiele, wie man mit dem renommierten Preis auf Formate aufmerksam macht, die aus dem Programm-Abseits kommen - die aber doch enormes Potential besitzen. Wer hätte denn je gedacht, dass der als Resterampe verschriene Sender Tele 5 noch einmal eine Grimme-Auszeichnung bekommt?

Der Rest der Preise geht dann aber komplett an die öffentlich-rechtlichen Anbieter - allein im Bereich "Information & Kultur" fünf Preise: so an Rosa von Praunheims "Die Jungs vom Bahnhof-Zoo" (rbb/NDR), Jakob Preuss' "The Other Chelsea" (ZDF) sowie an "Alarm am Hauptbahnhof - Auf den Straßen von Stuttgart 21" (ARD/SWR) von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier und an "Geschlossene Gesellschaft - Der Missbrauch an der Odenwaldschule" (ARD/SWR/HR) von Luzia Schmid und Regina Schilling.

"Mein Leben - Die Fotografin Sibylle Bergemann" (ARTE/ZDF) von Maria Wischnewski und Sabine Michel erhält neben dem Grimme-Preis den Publikumspreis der Marler Gruppe. Hannelore Hoger ("Bella Block") darf sich über die besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands freuen. Sie wird für ihre Verdienste um das deutsche Fernsehen ausgezeichnet.

Die Preis-Gala findet am 23. März 2012 im Theater der Stadt Marl statt.

cbu

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