Wichtigste deutsche TV-Ehrung Böhmermanns #Varoufake holt Grimme-Preis

Er kaperte den Stinkefinger des Politikers Varoufakis und schrieb Fernsehgeschichte: Für diesen TV-Moment wird Jan Böhmermann mit dem Grimme-Preis geehrt - weitere Auszeichnungen gibt es für "Deutschland 83" und Olli Dittrich.

Moderator Jan Böhmermann
ZDF

Moderator Jan Böhmermann


Es war ein großer deutscher TV-Moment: Im März 2015 konfrontierte Günter Jauch den damaligen griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis in seiner Sendung mit dem Ausschnitt einer Rede von Varoufakis, in der er Deutschland den Stinkefinger zeigt. Alles Fälschung, sagte Varoufakis.

Und plötzlich behauptete Jan Böhmermann in einem Filmbeitrag, die Redaktion seiner ZDFneo-Sendung "Neo Magazin Royale" hätte alles nur gefälscht. Tagelang wurde über den Fake oder den Fake des Fakes diskutiert: Was stimmte, was nicht?

Jan Böhmermann und seine Crew bekommen nun für den "#Varoufake" den Grimme-Preis in der Kategorie Innovation im Bereich TV-Unterhaltung. "Es ist Jan Böhmermann und seinem brillanten Team zu verdanken, dass es für die deutsche Medienlandschaft 2015 einen Moment des Innehaltens gab. Einen winzigen Moment nur, aber immerhin, den gab es", steht in der Jury-Begründung.

Der undotierte Preis zeichnet Fernsehsendungen und -leistungen aus, die von Kommissionen als vorbildlich bewertet wurden. Er gilt als einer der wichtigsten Preise für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Vier Nominierungskommissionen beraten darüber, welche Vorschläge in die Jury-Endrunde gelangen.

2016 nominierten die Kommissionen aus mehr als 800 Vorschlägen 76 Produktionen und besondere Einzelleistungen für den 52. Grimme-Preis. Die Auszeichnungen werden zum ersten Mal in vier Kategorien verliehen: "Fiktion", "Unterhaltung", "Information & Kultur" sowie erstmals "Kinder & Jugend". Außerdem werden Einzelleistungen mit einem Grimme-Preis "Spezial" prämiert.

Und wieder Olli Dittrich

In der Kategorie Fiktion werden die dritte Staffel der ARD-Familiensaga "Weissensee", die RTL-Serie "Deutschland 83" und der Mystery-Thriller "Weinberg", der auf dem Bezahlsender TNT lief, ausgezeichnet. Mit "Patong Girl" (ZDF) ist in diesem Jahr nur ein einziger Film ausgezeichnet.

Die Vox-Serie "Club der roten Bänder", die Anfang 2016 schon mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, ist der Gewinner in der Sparte "Kinder & Jugend". In dem überraschenden Quotenerfolg geht es um den Alltag von Jugendlichen im Krankenhaus.

In der Kategorie Information und Kultur gewann Constantin Schreiber für die Moderation und Redaktion seiner n-tv-Sendung "Marhaba - Ankommen in Deutschland", die sich an Flüchtlinge richtet. "Für die Migranten, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, war 'Marhaba TV' eine perfekte Hilfestellung - und das auch noch auf kurzweilige Art und Weise", lobt die Jury.

Für seine Enthüllungspersiflage "Schorsch Aigner" erhält Olli Dittrich als Doppelgänger von Franz Beckenbauer eine Auszeichnung. "Damit ist Olli Dittrich ein Platz in den Geschichtsbüchern jetzt schon sicher", heißt es von der Jury. Es ist nicht die erste Grimme-Ehrung für Dittrich, prämiert wurde der Schauspieler und Komiker unter anderem schon für seine Rolle in "Dittsche - Das wirklich wahre Leben".

Der erstmals für besondere journalistische Leistung vergebene Grimme-Preis ging an den Südwestrundfunk (SWR) für die investigative Recherche "Tödliche Exporte" über illegalen Waffenhandel.

Die Auszeichnungen werden am 8. April 2016 im Theater der Stadt Marl verliehen, dem Sitz des Grimme-Instituts.

ipp/dpa

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