Kritik an Islam-Talk Jauch im Kreuzfeuer

Hassprediger oder Talk-Opfer? Der Auftritt von Imam Abdul Adhim Kamouss bei Günther Jauch spaltet die TV-Nation - und ruft Kritik aus allen Lagern auf den Plan.

DPA

Hamburg - "Dieser Talk ist dem Jauch völlig entglitten - unfassbar", hieß es in einem Kommentar auf der Facebook-Seite von SPIEGEL ONLINE. Er steht stellvertretend für viele kritische Äußerungen zum Islam-Talk bei Günther Jauch am Sonntag.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit: Imam Abdul Adhim Kamouss. Weshalb wurde der Geistliche eingeladen, wenn man sich mit ihm nicht wirklich kritisch auseinandersetzen will und kann? "Mir bleibt es ein Rätsel, warum Typen wie Imam Abdul Adhim Kamouss - oder auch Sheik Hassan Dabbagh bei Plasberg - überhaupt zu Talkshows eingeladen werden" oder "immer wieder fällt das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf radikale Typen wie diesen Imam herein", lauteten die entsprechenden Einwände auf Facebook.

Oder auch so: "Warum hat Herr Jauch diese eine entscheidende Frage dem Imam nicht gestellt: Stehen Sie vorbehaltlos voll und ganz hinter dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland - ja oder nein?"

Von "Bild" über "Welt" bis "FAZ" fallen die Besprechungen von Politikkommentatoren und Fernsehkritiker vernichtend aus. Die einhellige Meinung: Jauch ließ seinen Gast einfach reden, konnte ihm nicht kritisch Einhalt gebieten. Statt sich im Detail mit seinen Äußerungen auseinanderzusetzen, wurde er immer wieder in die Hasspredigerecke gestellt.

Gerade diese Pauschalisierung aber rief kritische Geister aus dem anderen politischen Spektrum auf den Plan. In die Kritik geriet dabei, dass zur Vorstellung von Imam Abdul Adhim Kamouss ein mehr als zehn Jahre altes Video herangezogen wurde, in dem er sich hilflos zur Rolle der Frau im Islam äußert. Ist das nicht beinahe diffamierend? Zumal auf YouTube Filme von Predigten zu sehen sind,in denen sich Imam Abdul Adhim Kamouss in drastischen Worten von extremistischen Islamisten distanziert. Den IS nennt er gar ein Virus und eine "giftige Pflanze".

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, weshalb man die alten Filmaufnahmen bemüht habe, äußerte sich die Sprecherin der Jauch-Redaktion mit den Worten: "In der Diskussion über den Islam in Deutschland spielt das islamische Frauenbild stets eine große Rolle. Es war uns wichtig, diesen Aspekt in der gestrigen Sendung aufzugreifen." Detaillierter wollte sich die Redaktion nicht äußern.

zsc



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
saw10 29.09.2014
1. Jauch
ist eben ein Show-Mann, der zu allen nett sein will. In einer Gesprächsrunde mit politischen Kampfthemen hat dieser Leisetreter nichts zu suchen, er wird einfach überrollt und kapituliert hilflos. Um eine derartige "Diskussion" zu steuern, bedarf es Kämpfertypen, die energisch intervenieren und steuern, aber keine Klatschmagazinpassende Weicheier.
o.kenobi 29.09.2014
2. Wen wundert das?
Wann nimmt man in TV-Deutschland endlich zur Kenntnis, dass Jauch ein Schmalspurjournalist ist? Unvergessen, wie er im Schmidt/Steinbrück-Interview jede Frage vom Zettel ablas. Wie ein kleiner Junge, dem die Schülerzeitungsredaktion aufschrieb, was er zu fragen hat. Er soll bei seinen banalen Quizsendungen bleiben - das ist seine Welt. Alles andere ist mehrere Nummern zu groß.
urknallmarinchen@yahoo.de 29.09.2014
3. Der Quizmaster ist mit brisanten politischen Themen einfach nur überfordert
Warum hat man Anne Will einst diesen Sendeplatz weggenommen? Eine eindeutige Fehlentscheidung, die sich bitter gerecht hat, denn sie ist die kritische unnachgiebige Fragestellerin, die es gestern Abend wirklich gebraucht hätte. Aber wahrscheinlich war den verantwortlichen Programmmachern ein weichgespülter Quereinsteiger (ins politische) lieber als die Profi-Talkerin Anne Will. Schuster bleib bei deinen Leisten, hat sich als Lebensweisheit daher erneut bewahrheitet.
kugelsicher, 29.09.2014
4. Nichts ist entlarvender...
als diesen beiden angesprochenen Salafisten bei ihrer, O-Ton Buschkowski, bühnenreifen Schauspielerei zu zusehen. Jeder der ein bisschen Menschenkenntnis hat, weiß nach diesem Auftritt welch geistiges Kind dieser Imam ist und welche Strategie er fährt. Von daher grundsätzlich alles richtig gemacht ihn einzuladen. Man hatte ihn etwas härter stellen müssen, aber der Grad zum parteiisch sein ist ein schmaler. Und dann wären auch alle über ihn hergefallen.
thunderstorm305 29.09.2014
5. Das war wohl nichts Herr Jauch!
Wer kommt auf die dumme Idee einen salafistischen Iman zu Jauch einzuladen? Hat man etwa erwartet dass er offen zu seiner Einstellung steht? Und wie amateurhaft war die journalistische Vorbereitung der ARD? Hier hat man einen harmlosen Beispielfilm eingespielt, der dazu auch noch veraltet war. Man hat den salafistischen Iman überhaupt nicht mit den tatsächlich wichtigen Fragen konfrontiert. Bzw. er hat jede Möglichkeit bekommen sich einer Antwort zu entziehen. Leider muss man sagen dass diese Sendung miserabel vorbereitet war und die Sache eher verschlimmert hat. Ob der Iman es zugibt oder nicht, man hat einem Hassprediger einen sehr guten PR Auftritt gewährt.
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