Jauch-Talk über den Fifa-Skandal Ein laufendes Verfahren

Noch einmal Fifa, noch einmal die gesamte Empörungsmaschine: Die heiklen Punkte sparte Günther Jauch in seiner TV-Runde lieber aus - dass zum Beispiel ARD und ZDF fast eine halbe Milliarde Euro für die WMs in Russland und Katar ausgeben.

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Jetzt also auch noch er. Das Problem, das der Talkshow-Moderator Günther Jauch in der öffentlichen Wahrnehmung zuweilen hat, hängt ja nicht immer und ausschließlich nur mit seiner Person zusammen. Manchmal ist es auch der unflexible Ausstrahlungstermin, der ihm zur Last fällt.

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Heft 23/2015
Das System Blatter

Zum Beispiel, wenn zum Thema Fifa und ihrem Chef Joseph Blatter seit dem vergangenen Mittwoch in der medialen Dauerschleife eigentlich schon alles gesagt worden ist, und diesmal auch von allen. Und der arme Jauch am späten Sonntagabend dann doch noch einmal versuchen muss, die Empörungsmaschine anzuwerfen.

So musste das ARD-Fernsehpublikum eben noch einmal durch die gesamte Mühle hindurch: Dass in der Fifa Korruption herrscht, ist zwar mittlerweile der allgemeinplatzigste Allgemeinplatz, der sich vorstellen lässt, aber solange der ewige Joseph Blatter Präsident dieses Weltverbandes ist, ist es ja auch in Ordnung, dass das immer wieder thematisiert wird.

Dass dies allerdings stets dann geschieht, wenn ein WM-Turnier möglichst weit entfernt ist, gehört ebenso zu den Regelmäßigkeiten. Wahrscheinlich wäre es zu viel verlangt, eine ARD-Talkshow über Fifa-Korruption und WM-Boykottpläne mitten in die Schland-Begeisterung hinein als Vorprogramm zum WM-Finale am 13. Juli des Vorjahres in Brasilien anzusetzen, aber das wäre wirklich mal ein mutiges Zeichen gewesen.

So drehte sich am Sonntag wieder alles um die sattsam bekannten risikoarmen Fragen: Was wusste Blatter? Ist er verantwortlich? Warum gibt es keine vernünftige Opposition? Fragen, die vor allem der stellvertretende Fifa-Kommunikationsdirektor Alexander Koch hätte beantworten müssen. Dafür jedoch war Koch entweder ein zu kleines Licht in der Fifa-Administration, oder ihm fehlte schlicht das Format.

Sein Schweizer Chef Walter De Gregorio, ein ebenso alerter wie gewiefter Schönredner, hatte Jauch als Gast kurzfristig abgesagt, so musste der Deutsche Koch den Platzhalter des Blatter-Verteidigers geben. Und dazu hätte es eines anderen Kalibers bedurft. So erschöpfte er seine Argumentation in dem lahmen Hinweis, die Fifa sei ja "so organisiert wie die Vereinten Nationen", dort könne man ja auch nicht für jedes Mitglied die Hand ins Feuer legen, "da sind ja auch Länder wie Nordkorea dabei".

Tognoni hat den Beruf des Fifa-Kritikers geschaffen

So blieb es den beiden Fachleuten in der Runde vorbehalten, die richtigen Fragen zu stellen und sie teilweise auch noch zu beantworten. Guido Tognoni war einst Blatters Marketingchef, hat es mittlerweile geschafft, für sich das Berufsbild des Fifa-Kritikers zu erfinden und ist daher derzeit der gefragteste Mann überhaupt.

Er erinnerte an die Bestechungsvorgänge, die es schon 1998 rund um Blatters erste Präsidentenwahl gab, und er brachte, sekundiert von ARD-Fifa-Reporter Florian Bauer, die Zahlung von zehn Millionen US-Dollar im Umfeld der südafrikanischen WM-Bewerbung ins Gespräch - beides Vorgänge, die Koch mehr oder weniger ins argumentative Stottern brachten. Es handele sich bei der Zehn-Millionen-Dollar-Zahlung "um ein laufendes Verfahren", wich er aus. Den Hinweis auf ein laufendes Verfahren - das haben Pressesprecher schließlich gelernt, wenn sie keine Antwort geben wollen.

Da aber nicht nur Kompetenz, sondern auch Prominenz in eine solche Runde gehört, hatte die Jauch-Redaktion auch Grünen-Politikerin Claudia Roth eingeladen, die ihre fußballerische Sachkunde unter anderem daraus zieht, dass sie einmal gemeinsam mit Uli Hoeneß zu einem Grillfest bei Manfred "Reporterlegende" Breuckmann geladen war, ein Nachmittag, der anschließend zu einem Buchprojekt verwurstet wurde. Roth mit ihrem bewährten Aufregungsgestus - "In Katar, das ist eine gekaufte WM, ich werde 2022 stattdessen auf den Weihnachtsmarkt gehen und Glühwein trinken" - erfüllte ihre folkloristische Rolle immerhin ebenso wie Sky-Chefreporter Marcel Reif, der den kritischen Geist zu geben hatte.

Reif ist ein kluger Mensch, er lebt zudem in der Schweiz, der Heimat der Fifa, aber die Sportpolitik ist nicht unbedingt seine Domäne. Dass er nicht wusste, dass die Fifa schon vor Jahren ihre Kriterien für WM-Vergaben verändert hat, spricht nicht gerade für eine perfekte Vorbereitung auf die Sendung.

Jauch malte das Bild des alleinigen Bösewichts Blatter

Und dann war da noch der Gesprächsleiter, der frühere Sportstudio-Moderator Jauch, der sich redlich an den Vorwürfen gegen Blatter abarbeitete, aber die heiklen Themen bestenfalls anriss. Blatter ist nun einmal so eine Art Claus Weselsky des Weltfußballs. Jeder haut drauf auf den Bösewicht, Blatter tut ja auch alles dafür, das ist ein leichtes Geschäft, da konnte auch Jauch problemlos mittun.

Aber wenn Bauer hervorhebt, dass "man von Glück sagen kann, dass die ARD Geld in die Hand nimmt, um kritisch über die Fifa und Katar zu berichten", dann hätte man sich über einen Einwurf gefreut, dass es dieselbe ARD ist, die gemeinsam mit dem ZDF 218 Millionen Euro für die WM in Russland ausgibt und 214 Millionen Euro für die WM in Katar. Und damit mithilft, das System Fifa grundlegend zu stützen.

Ebenso kein Wort darüber, dass die Bundeskanzlerin Blatter das Bundesverdienstkreuz umgehängt hat, dass die Sommermärchen-WM 2006 auch durch dubiose Umstände an Deutschland vergeben wurde, dass Roth 2011, als die Frauen-WM nach Deutschland gegangen war, voller Lob für den Ausrichter Fifa war. Lieber nicht.

Am Montag übernimmt dann Frank Plasberg. Thema: "Wie schmutzig ist unser Fußball?" Eine Antwort darauf wird es wahrscheinlich auch hier nicht geben. Es ist ein laufendes Verfahren.

Die Protagonisten der Fifa-Krise
Jeffrey Webb
REUTERS 
Jeffrey Webb von den Cayman Islands gilt als Vertrauter von Fifa-Boss Joseph Blatter. Jetzt wird sich der Schweizer wohl von ihm lossagen müssen. Webb, auch Fifa-Vizepräsident, ist ins Visier der Behörden geraten. Er gehört zu denen, die am Morgen in Zürich abgeführt wurden.
Eugenio Figueredo
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Auch gegen Eugenio Figueredo gehen die Ermittler vor. Er gehört ebenfalls zu den Festgenommenen. Der 83-jährige Funktionär aus Uruguay ist einer der einflussreichsten Strippenzieher in Südamerika.
José Maria Marin
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José Maria Marin, ebenfalls 83, konnte sich im Vorjahr noch im Glanz der Fußball-WM in Brasilien sonnen. Jetzt musste auch er der Polizei ins Präsidium folgen. Der Brasilianer ist im Dunstkreis von Ex-Fifa-Chef João Havelange groß geworden. Havelange ist wegen Korruption längst aus dem IOC ausgeschlossen worden.
Rafael Esquivel
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Rafael Esquivel aus Venezuela ist der dritte Südamerikaner, der von den Festnahmen betroffen ist. Seine Konten wurden von Schweizer Behörden derweil eingefroren.
Eduardo Li
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Auch Eduardo Li wurde in der Früh in Zürich im Hotel Baur Au Lac festgenommen. Li ist Chef des Fußballverbands von Costa Rica.
Jack Warner
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Wenn von Korruption und Fifa die Rede ist, fällt eigentlich immer schnell der Name von Jack Warner (Foto). Der ehemalige Vizepräsident des Weltverbands gilt als Pate der Bestechung im Weltfußball. Ob er im Rahmen der Festnahmen auch betroffen war, ist offen. Dafür wurde sein Attaché, Costas Takkas, festgenommen.
Julio Rocha
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Bekannt ist dagegen, dass Julio Rocha (l.), der ehemalige Präsident des Verbands von Nicaragua, am Morgen abgeführt wurde. Nur an einem prallt wieder alles ab.
 
 
Joseph Blatter ist laut seinem Sprecher "nicht involviert". Wie gehabt.

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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
tajmahal1111 01.06.2015
1. Gut analysiert
Am treffendsten finde ich in dem Artikel den Hinweis auf die Verwendung unserer "Demokratieabgabe", also des GEZ Zwangsbeitrages, für die FIFA von fast einer halben Milliarde Euro: dass die ARD gemeinsam mit dem ZDF "218 Millionen Euro für die WM in Russland ausgibt und 214 Millionen Euro für die WM in Katar. Und damit mithilft, das System Fifa grundlegend zu stützen". Genau das ist ein Skandal.
mike75074mike 01.06.2015
2. wie immer...nicht sehenswert
Jauch kann eben einem Monitor Bednarz oder Casdorff niemals das Wasser reichen! Da wirkt er eher wie die schrullige "hier wird sie geholfen"-Pooth oder ein verbindlicher aber meinungsschwabbeliger Elstner. Also wer Fakten Fakten Fakten will und knallhartes Nachfragen und -fassen der ist bei Jauch grundsätzlich total falsch. Am Ende ist immer alles nur noch mehr wischi-waschi als vor der Sendung. Jauch sollte bei "seiner seriösen" Dauerwerbesendung " Wer wird Millionär? bleiben und sich auch nicht aus diesem Kreis zu weit wegbewegen denn dann kommt er in ein Gewässer dem er absolut NICHT gewachsen ist: es ist als wolle er mit einem Kinderschlauchboot auf Krabbenfang in der rauhen Beringsee vor Alaska gehen. In die gleiche Kategorie nur weniger symphatisch fällt Plasberg der schnell wieder zurück ins Radio gehen sollte! Wieder ein Sendetermin den man als Blackout einstufen kann...leider sogar zur besten Sendezeit! was wenigstens bei Jauch nicht gegeben ist. Es braucht eben Journalisten von ganz anderer Güte als jene die sich aktuell in den Vordergrund gespielt haben und wahrscheinlich nur da vorne sind weil sie angepasster sind und es keine Guten unangepassten gibt oder wenn es sie geben sollte es nicht machen wollen denn denen wird wie im Krankenhaus kurz vor einer Herzoperation die Schuldfreisprechungserklärung zur Unterschrift vorgelegt. Für den ggf fähigen Journalisten kommt das wie die Einwilligung zu einer Kastration gleich...und wer will das schon außer eben so Typen wie Jauch und Plasberg?! Beide haben die Stufe der absoluten Inkompetenz nach dem Lüscher Prinzip längst erreicht und sind auch als solche entlarvt und dennoch belegen beide Sendeplätze die nur auf ein Sendealibi der jeweiligen TV Macher schliessen lassen. Sie sollen so ein Ventil für den Volkszorn sein und aufdecken und erklären meist bleibt es nur beim "entdecken ohne anzuecken". Den Sendeplatz mit einer Wiederholung von "Ein Herz und eine Seele" zu belegen würde mehr politische und gesellschaftskritische Brisanz haben als das was da aktuell über die Sender geht!
HamburgerJung2110 01.06.2015
3. Warum nicht im Sommer 2014?
Weil die Herren erst jetzt verhaftet wurden und nicht im Sommer 2014.
Hamada 01.06.2015
4. Hier ist ein anderes Problem
Mit Günther Jauch haben wir einen Dampfplauderer der alten Schule. Jedes Thema wird sofort so breit geredet, dass man am Schluss nicht mehr weiß um was es denn ging. Experten werden da als Experten vorgestellt, die in der Regel sich ein Grundwissen bei Google an gelesen haben. Wenn es nicht 3 Sat oder Arte gäbe, wüsste man nicht wie kritischer Journalismus ging. Jauch, Plasberg, Will und Illner verbreiten über Deutschland eine harmonische Dunstglocke, die einem den kritischen Verstand vernebelt.Ich weiß auch nicht wo man dieses deutsche Format hin tun soll. Soft-Unterhaltung, á la Richter Hold?
Darjaan 01.06.2015
5.
Mir wären all die Skandale um diesen Betrugssport Fußball vollkommen egal, wenn ich diesen verlogenen Sport nicht durch Zwangsgebühren fürs TV mit subventionieren müsste. Leider ist der Durchschnittsfan einfach zu dumm, mal 1 Jahr aus den Stadien zu bleiben, um dieses System abzustrafen.
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