Griechenland-Talk bei Günther Jauch Stoiber schreit den Grexit herbei

Griechenland kurz vor dem Euroaustritt? Die EU vor dem Auseinanderfallen? Die Lage in der Eurozone hat sich drastisch zugespitzt, entsprechend hitzig war die Debatte bei Günther Jauch.

Bayerns Ex-Ministerpräsident Stoiber: "So geht es wirklich nicht weiter!!!"
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Bayerns Ex-Ministerpräsident Stoiber: "So geht es wirklich nicht weiter!!!"


Gesprächsrunden, in denen kein Gespräch stattfindet, sind so enervierend wie fruchtlos. Was sich am Sonntag bei Günther Jauch abspielte, war ein Angebelle, das schwerlich sinnvoll zusammenzufassen ist.

Der Angebellte war eigentlich durchgehend der Vertreter der griechischen Regierungspartei Syriza: Wirtschaftswissenschaftler Theodoros Paraskevopoulos. Oberanbeller war der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der offensichtlich den Grexit via Talkshow herbeischreien wollte ("So geht es wirklich nicht weiter!!!"). Seine Botschaft: Die Griechen sollen raus aus dem Euro, weil sie die Regeln des Euroraums nicht einhalten.

ARD-Börsenfrau Anja Kohl hätte ihm entgegnen können, dass Deutschland von den Maastricht-Kriterien bis zum Rettungsschirm auch schon so ziemlich jeden Vertrag im Euroraum gebrochen hat - was sie vor fünf Monaten an gleicher Stelle auch gemacht hatte. Doch auch sie schoss sich auf den etwas hilflosen und reichlich verlaberten Paraskevopoulos ein. "Das Land ist nicht mehr liquide, und Sie versuchen uns klarzumachen, dass nichts passiert ist!" schimpfte sie, offensichtlich genervt darüber, dass er den Ernst der Lage nicht genügend würdigen wollte.

Syriza-Mann auf verlorenem Posten

Klaus Regling schließlich, Direktor des sogenannten Euro-Rettungsschirms ESM und an den gescheiterten Verhandlungen mit der griechischen Regierung beteiligt, begegnete dem Syriza-Vertreter mit der höflichen Verachtung des Technokraten, der gerade noch ein bisschen Mitleid übrig hat mit jenen armen Wichten, die die Rettung Griechenlands durch radikale Austeritätspolitik für eine soziale und wirtschaftspolitische Katastrophe halten.

Theodoros Paraskevopoulos: Edmund Stoiber bellte ihn an
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Theodoros Paraskevopoulos: Edmund Stoiber bellte ihn an

Paraskevopoulos stand auf verlorenem Posten. Dass der Deal "Kredite gegen Sparen" in Wahrheit eine "Rettungsweste aus Blei" sei, dass den Alten und Arbeitslosen keine weiteren Kürzungen zuzumuten seien, dass die Sparauflagen das griechische Wirtschaftsleben abwürgten und insofern die verlangten Überschüsse nicht zu erreichen seien: Bloß bruchstückhaft konnte er die Argumente liefern, die seine Partei in Griechenland an die Macht gebracht haben.

Die Ausgangsfrage der Sendung - "Showdown im Schuldenstreit - was wird aus Griechenland?" - versuchte Moderator Jauch immer mal wieder in die Runde zu werfen, ansonsten begleitete er das Gebelle und Sich-ins-Wort-Fallen seiner Gäste durch permanentes Lamentieren darüber, dass man sich doch lieber nicht so streiten und ins Wort fallen möge.

ESM-Chef lobt Rentenkürzungen

Herauszulesen war aus der Talk-Kakofonie bloß einmal mehr die hinlänglich bekannte Frontstellung: Hier die Syriza-Regierung, die die von ESM und IWF verlangte "schmerzhafte Anpassung" (Regling) für ein ruinöses neoliberales Spardiktat hält und nach Kräften bekämpft. Dort die EU-Finanzinstitutionen, die Syriza genau das vorwerfen: Dass sie die Sparpolitik nicht durchsetzen wolle.

Wie viele Syriza-Vertreter und -Sympathisanten in diesen Stunden beschrieb auch Paraskevopoulos den Schritt der griechischen Regierung, das Volk über den jüngsten Gläubigervorschlag abstimmen zu lassen, als Notwehr gegenüber einem böswilligen Verhandlungspartner: Nachdem man am vergangenen Montag bereits ein Verhandlungsergebnis erreicht habe, seien die Gläubiger am Donnerstag mit neuen drastischen Forderungen gekommen. Seitdem die Syriza-Regierung im Amt sei, so Paraskevopoulos, versuchten die europäischen Institutionen, die griechische Wirtschaft abzuwürgen, um weitere Zugeständnisse zu bekommen. Das sei eine Verschwörungstheorie, konterte Regling.

Andererseits: Dass in den europäischen Institutionen die Sektkorken knallen würden, wenn die linke Syriza-Regierung abträte, daran ließ der ESM-Chef keinen Zweifel. Er lobte es als Erfolg, dass die Einkommen und Pensionen der Griechen seit der Schuldenkrise um rund 30 Prozent gekürzt worden seien. Man brauche aber "eine Regierung, die dahintersteht".

Man müsse bereit sein, so Regling, "zusammenzuarbeiten und nicht das Wirtschaftssystem ändern zu wollen". Was sich natürlich auch verschwörungstheoretisch formulieren lässt. Nämlich so: Eine Regierung, die am Wirtschaftssystem etwas ändern möchte, bekommt von dieser EU kein Verhandlungsergebnis.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 419 Beiträge
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Seite 1
viwaldi 29.06.2015
1. .
Komisch, ändern wollen immer die das Wirtschaftssystem, die noch mehr Kohle haben wollen. Aber die, die seit Jahren dafür arbeiten müssen um anderen ihre Träume zu finanzieren, die haben keine Lust dazu. Auch das ist Demokratie, wenn die Mehrheit einfach mal sagt: es reicht. Niemand hat die Griechen daran gehindert, im Februar oder März mit den Gläubigern eine Einigung zu erzielen und diese dann als Referendum dem Volk vorzulegen. Dies aber wenige Stunden vor Auslaufen der Deadline zu machen und wochenlang die Verhandlungspartner vor den Kopf zu stoßen, die Nerven muss man erstmal haben. Am Ende hat die Syriza Regierung gezeigt, wie undemokratisch sie im Kern ist: das Volk muss jetzt bluten für ihre ideologische Verblendung und wirtschaftliche und politische Unfähigkeit. Aber das ist bei Kommunisten immer so, gar nichts neues.
kaiser-k 29.06.2015
2. Kakofonie
Herr Paraskevopoulos konnte einem bei dem Nord-Süd-Dialog tatsächlich leid tun: Die Polemik des kläffenden Stoibers (wer hat den Mann eigentlich jemals ernst genommen?) ließ diesen immer selbstgefällig zum Glas greifen, den Zuschauer eher reflexartig am Lautstärkeregler fummeln. Mit kleineren Avancen konnte der charmante Grieche bei der tiefgekühlten Frau Kohl selbst am Schluss nicht mehr landen. Und Oberkommissar Regling hätte den 'armen Griechen' sichtlich gerne im Keller mal ordentlich in die Mangel genommen, wenn ihm's die gut gelernte diplomatische Ruhe nicht verboten hätte. Tja, aber leider bestätigte auch Herr Paraskevopoulos selbst dann doch nur das Bild, das man zur Zeit von Syriza hat: ein weltfremder, verantwortungsloser Haufen weitlinker Sozialromantiker, die tatsächlich nicht begreifen (wollen), in welche Katastrophe sie ihr Land gerade steuern. Schade, er war der einzige in der Runde, mit dem man gerne mal einen Uzo oder zwei getrunken hätte.
mariameiernrw 29.06.2015
3. Die sinkenden Löhne sind ein Erfolg
Wenn man jetzt einmal jede linke Ideologie und Empörung beiseite lässt, steht fest: Die sinkenden Löhne sind ein Erfolg. Die griechische Produktivität lässt solche hohen Löhne nicht zu. In den letzten Jahren wurden hohe Steigerungsraten bei den Löhnen durch Kredite gedeckt. Doch irgendwann muss man diese Kredite auch zurückzahlen. Der ESM-Chef kann doch nichts dafür, dass die Griechen jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben.
SichtausChina 29.06.2015
4. Der letzte Satz hat es in sich!
Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern die Agenda des Konzernfeudalismus: das Volk darf demokratisch jeden wählen, der das tut was dem Großkapital nützt. Weder in Palästina, noch in Ägypten, noch in Griechenland, noch in Thailand war der Westen auf Seiten der demokratisch gewählten Regierung (in Peru, Ukraine und Iran haben die USA gar aktiv gegen die demokratisch gewählte Regierung gekämpft). Wählen ist nur gestattet, solange das Volk brav die richtigen wählt. Die Griechen hatten nie das "Recht auf Selbstbestimmung", Deutschland machte immer klar, dass die Griechische Regierung tun muss, was Merkel sagt, egal wer an der Macht ist. Und Merkel wiederum sagt bekanntlich was die USA wollen. Deren Regierung wird schon im Wahlkampf durch Milliarden"spenden" eingekauft. Aber man nennt das dann alles Verschwörungstheorie und damit erspart man sich jede Diskussion über die Bedeutung dieser Tatsachen.
Mi.St. 29.06.2015
5. Kompletter Realitätsverlust!
Stoiber: Großbritannien ist wichtiger als Griechenland, er hat Recht.2:0 für Großbritannien. Griechischer Berater der Regierung(intellektueller) Erklärt uns wie man einkauft, Man schiebt die Kreditkarte in einen BankAutomaten! Es wird Zeit das die intelligenten Griechen eingreifen!
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