SPIEGEL ONLINE: Herr Schmidt, wir wollen mit Ihnen über "Krise und Verlässlichkeit" reden, ein ganz großes Thema unserer Zeit. Mit Ihnen sollte man ja nur über die ganz großen Themen sprechen.
Schmidt: Ich wünschte, es wäre anders.
SPIEGEL ONLINE: Die Währung wackelt, Europa ebenso. Und im Fernsehen hat es die 'Großen Drei' erwischt: Erst Sie bei Sat.1, dann Thomas Gottschalk bei der ARD und zuletzt Waldemar Hartmann. Löst sich da etwas auf?
Schmidt: Ja, es ist erschreckend. Kaum macht man 22 Jahre Fernsehen, kommen erste Querschläger. Werteverfall, wohin man schaut. Ich glaube aber, ich bin von den drei Genannten der einzige, der realisiert hat, dass er in die Helmut-Kohl-Phase eingetreten ist. Es geht jetzt darum, ab und zu mal zu granteln: 'Macht mir mein Lebenswerk nicht kaputt!' Und den Zeitpunkt abzuwarten, bis die Partei einen doch wieder feiert.
SPIEGEL ONLINE: Sie vervollkommnen bei Sky jetzt also Ihr Bild für die Geschichtsbücher?
Schmidt: Ja. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass jetzt erst das Lebenswerk beginnt - und alles bisher nur Etüden waren. Wer weiß es.
Schmidt: Ich hoffe es natürlich für den Sender, damit die Sendung lange im Programm bleibt. Aber in erster Linie mache ich das für mich. Wenn viele Leute zuschauen, ist das nett. Wenn nicht, habe ich wenig Einfluss. Sonst müssen wir beginnen, am Konzept herumzubasteln, aber da ist meine Erfahrung: funktioniert nirgends.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich in der Krise also für die totale Verlässlichkeit entschieden. Es geht so weiter, wie es schon immer war.
Schmidt: Ja.
SPIEGEL ONLINE: Aber dann muss man lesen, dass Sie jetzt für jede Ausgabe wechselnde Sidekicks engagieren.
Schmidt: Die hatten wir ja in der Schlussphase bei Sat.1 auch schon, die Sie natürlich auch nicht mehr verfolgt haben.
SPIEGEL ONLINE: Doch. Olli Dittrich war praktisch Dauergast.
Schmidt: Und Klaas Heufer-Umlauf. Das machen wir so weiter und werden auch neue Leute einladen, zum Beispiel Mirjam Weichselbraun, die ist uns schon als Gast aufgefallen, sehr schnell, sehr clever.
SPIEGEL ONLINE: Vielleicht will einfach niemand die ganze Woche mit Ihnen zusammenarbeiten.
Schmidt: Das ist definitiv nicht der Fall! Dafür ist für viele so eine kontinuierliche Sache viel zu verlockend.
SPIEGEL ONLINE: Dafür nimmt man offenbar auch seelische Grausamkeiten in Kauf. Oder sind Sie eigentlich ein ganz netter Mensch?
Schmidt: Nach außen hin heißt es immer 'Oh Gott, wie kann man es aushalten?', aber intern ist es absolut umgänglich. Kein Mobbing - weil es ja auch keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Ich bin kein Mensch, der auf Konflikt aus ist. Dafür bin ich viel zu bequem.
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