TV-Entertainer Harald Schmidt "Ich bin jetzt in der Helmut-Kohl-Phase"

Neuer Sender, alte Show? Harald Schmidt startet mit seiner Sendung beim Bezahlkanal Sky. Im Interview spricht der Entertainer über Verlässlichkeit in der Krise, sein Image als mieser Chef - und verrät, wer die künftigen Giganten der deutschen TV-Unterhaltung sind.

dapd

SPIEGEL ONLINE: Herr Schmidt, wir wollen mit Ihnen über "Krise und Verlässlichkeit" reden, ein ganz großes Thema unserer Zeit. Mit Ihnen sollte man ja nur über die ganz großen Themen sprechen.

Schmidt: Ich wünschte, es wäre anders.

SPIEGEL ONLINE: Die Währung wackelt, Europa ebenso. Und im Fernsehen hat es die 'Großen Drei' erwischt: Erst Sie bei Sat.1, dann Thomas Gottschalk bei der ARD und zuletzt Waldemar Hartmann. Löst sich da etwas auf?

Schmidt: Ja, es ist erschreckend. Kaum macht man 22 Jahre Fernsehen, kommen erste Querschläger. Werteverfall, wohin man schaut. Ich glaube aber, ich bin von den drei Genannten der einzige, der realisiert hat, dass er in die Helmut-Kohl-Phase eingetreten ist. Es geht jetzt darum, ab und zu mal zu granteln: 'Macht mir mein Lebenswerk nicht kaputt!' Und den Zeitpunkt abzuwarten, bis die Partei einen doch wieder feiert.

SPIEGEL ONLINE: Sie vervollkommnen bei Sky jetzt also Ihr Bild für die Geschichtsbücher?

Schmidt: Ja. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass jetzt erst das Lebenswerk beginnt - und alles bisher nur Etüden waren. Wer weiß es.

SPIEGEL ONLINE: Die Frage ist, ob das überhaupt jemand mitbekäme. Erwarten Sie, dass sich viele Menschen ein Sky-Abo holen werden, um Sie zu sehen?

Schmidt: Ich hoffe es natürlich für den Sender, damit die Sendung lange im Programm bleibt. Aber in erster Linie mache ich das für mich. Wenn viele Leute zuschauen, ist das nett. Wenn nicht, habe ich wenig Einfluss. Sonst müssen wir beginnen, am Konzept herumzubasteln, aber da ist meine Erfahrung: funktioniert nirgends.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich in der Krise also für die totale Verlässlichkeit entschieden. Es geht so weiter, wie es schon immer war.

Schmidt: Ja.

SPIEGEL ONLINE: Aber dann muss man lesen, dass Sie jetzt für jede Ausgabe wechselnde Sidekicks engagieren.

Schmidt: Die hatten wir ja in der Schlussphase bei Sat.1 auch schon, die Sie natürlich auch nicht mehr verfolgt haben.

SPIEGEL ONLINE: Doch. Olli Dittrich war praktisch Dauergast.

Schmidt: Und Klaas Heufer-Umlauf. Das machen wir so weiter und werden auch neue Leute einladen, zum Beispiel Mirjam Weichselbraun, die ist uns schon als Gast aufgefallen, sehr schnell, sehr clever.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht will einfach niemand die ganze Woche mit Ihnen zusammenarbeiten.

Schmidt: Das ist definitiv nicht der Fall! Dafür ist für viele so eine kontinuierliche Sache viel zu verlockend.

SPIEGEL ONLINE: Dafür nimmt man offenbar auch seelische Grausamkeiten in Kauf. Oder sind Sie eigentlich ein ganz netter Mensch?

Schmidt: Nach außen hin heißt es immer 'Oh Gott, wie kann man es aushalten?', aber intern ist es absolut umgänglich. Kein Mobbing - weil es ja auch keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Ich bin kein Mensch, der auf Konflikt aus ist. Dafür bin ich viel zu bequem.

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sanctum.praeputium 04.09.2012
1. Sky probiert Harald Schmidt aus
Sky probiert Harald Schmidt aus und vice versa. Sky hat das nötige Geld, Schmidt die routinierte, postmoderne Indifferenz, und auch seine trockenen Schäfchen. H. Schmidt ist seit langem jenseits des Anspruches, ein Zielpublikum haben zu wollen.
KTRoadkill 04.09.2012
2.
Das hier liest Harald Schmidt? - Huhu ...
chico 76 04.09.2012
3. Zumindest
schon einer, der wegen Harald ein Sky - Abo abgeschlossen hat. Seine Geradlinigkeit und seine Art, Intellekt in Satire zu wandeln, heben ihn über Letterman. Das ist schon ein paar Groschen wert.
Kontroversius 04.09.2012
4. Wieso eigentlich immer noch
Da sieht man mal wieder, dass auch die SPON-Schreiberlinge immer in den gleichen Terminus fallen, statt es zu überdenken! "Dirty Harry" - dieser schlecht plazierte Vergleich einer Filmfigur aus dem US-Kino, wurde Schmidt angediehen, als er noch legendär bei SAT.1 war. Dort wurde im Einspieler die Szene mit der Butter und dem Kamm gezeigt, mit welchen er sich genüßlich, als Pomadeersatz, das Haar kämmte. Selbst seine mitunter guten und zotigen Witze - die Zeitgeistpest der "political correctness" - mit Absicht außer acht lassend, war übehaupt nicht "dirty" Aber so ist das nunmal mit dem heutigen "Qualitätsjournalismus", man trennt sich eben ungern von eingespielten Begriffen á la Deutsche Bundesbahn, Daimler-Benz, Deutsche Bundespost und auch "Dirty Harry"!
franko_potente 04.09.2012
5.
Zitat von sysopdapdDirty Harry ist zurück! Harald Schmidt startet mit seiner Show auf dem Bezahlsender Sky. Will er etwas ändern? Im Interview spricht der Entertainer über Verlässlichkeit in der Krise, sein Image als mieser Chef - und verrät, wer die künftigen Giganten der deutschen TV-Unterhaltung sind. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,853562,00.html
:-) Danke Harald!
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