Letzte "Harald Schmidt Show" Wursthautwitze und Zartbitterzwicker

Sky

Von


Schmidt macht Schluss. Und wählt als Abschiedskulisse keine bauchpinslerische Best-of-Revue, sondern ein Familienfest. In solchen Fällen ist man ja oft froh, wenn es vorbei ist.

Ein letztes Mal machte er sein Muppet-Gesicht. Gute drei Minuten zwangen die Zuschauer Harald Schmidt zu Beginn seiner letzten Sendung durch fortgesetztes Klatschen in die stumme Warteposition, und er machte mit unbewegter Miene diese Sache mit dem Mund, bei der er die Lippen zu einem schmalen waagrechten Strich verzieht, als sei er eine indignierte Handpuppe. Rührung? So weit kommt's noch.

"Das ist das Ergebnis, wenn das Publikum überwiegend aus Landbevölkerung besteht", kommentierte der abdankende Nachtsalonlöwe die überbordende Begeisterung. Machte ein paar Hoeneß-Witzchen, halb auf Kosten des verknackten Bayern-Präsidenten, halb selbstironische Kokettschnörkel des Einschaltflauterichs: "Mein Vorteil gegenüber Hoeneß: Ich werde heute entlassen." Und: "Wir haben auch viele Gemeinsamkeiten: Wir haben beide Millionen verzockt: Er Euro, ich Zuschauer."

Hauptteil der Sendung war ein leicht wirres Zusammentreffen all seiner Sky-Sidekicks und prominenter Teammitglieder: Mit Klaas Heufer-Umlauf, Olli Dittrich, Nathalie Licard, Jürgen Vogel, Pierre M. Krause und Bastian Bielendorfer saß er bei Nudelsalat und Würstchen, die Parodie familienfestlicher Beklemmung im überheizten Wohnzimmer. Man plauderte dahin, zerstach sich gegenseitig die Pointen, als seien sie schon leicht schlaffe Luftballons, sagte ironisch Spießer-Boheme-Klischeesätze über Kochinseln auf, machte Witze über Wursthaut und imitierte Ottfried Fischer.

Keine Rückblicksseligkeit, nur kurz blinkten unvergessene Highlights des Schmidtschen Show-Schaffens auf, über die sich in den letzten Jahren der klebrige Staub des Schon-irgendwie-Okay gelegt hatte. Als Salat und Würstchen mit Klatschmarsch und Wunderkerzen serviert werden, also dieselbe Schäbig-Granzdezza zelebriert wird wie beim "Traumschiff"-Käptn's-Dinner, spricht Olli Dittrich kurz Harald Schmidts Rheinfahrtssendung an, dieses großartig gescheiterte Debakel.

Ein Adieu-Fax von Theatermann Claus Peymann, das Schmidt verliest, lässt daheim auf dem Wehmutssofa rasch an die wunderbare Schmidt-Show-Folge denken, als er mit Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre dessen an Thomas Bernhard angelehnten Text "Claus Peymann kauft sich keine Hose, geht aber mit essen" in ganzer Länge aufführte - so viele doppelte Bedeutungsebenen und Bezugszwirbel wie bei Schmidt gab es nirgendwo sonst im deutschen Fernsehen. Eierköpfig genug konnte es gar nicht zugehen. Die schönsten Beispiele dafür liegen allerdings deutlich in der Vergangenheit.

Platz für ein bisschen zartbittrigen Spott gegen den eigenen Sender blieb auch noch. Weil die Abschiedssendung auch auf YouTube gestreamt wurde, wollten seine Gäste von Schmidt wissen, warum man damit erst jetzt auf den letzten Metern anfange. Sonst hätte sich jemand womöglich versehentlich noch ein Abo geholt, erklärte Schmidt maliziös und lobte die klugen Köpfe in seinem Sender, die dies zu verhindern wussten. Wie der eine komische Onkel, den es bei jedem Familienfest gibt und der einen auch kurz mal zwickt, wenn Mama nicht hinschaut. Auch wenn er zuletzt etwas milder geworden war, wird er sehr fehlen.

Diskutieren Sie mit!
13 Leserkommentare
Walther Kempinski 14.03.2014
kiefernwald 14.03.2014
Creedo! 14.03.2014
000.Zulu 14.03.2014
fpwinter 14.03.2014
pm22 14.03.2014
TICKundTOOF 14.03.2014
risc 14.03.2014
muttisbester 14.03.2014
nicolai-bruno 14.03.2014
staubtuch 14.03.2014
dr.frustus 14.03.2014
geotie 14.03.2014

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.