Von Florian Diekmann
Manuel Andrack dürfte erleichtert sein - obwohl er eine Wette verloren hat. Im aktuellen SPIEGEL hatte der Ex-Sidekick von Harald Schmidt sich darauf festgelegt, dass sein früherer Chef nach dem Aus bei Sat.1 mindestens ein Jahr nicht mit einer neuen Sendung auf dem Bildschirm erscheinen würde. Herbert Feuerstein, gewissermaßen Andracks Vorgänger, setzte dagegen und brachte einen Einsatz von einer Million Euro ins Spiel - wollte dann aber doch nur um die Ehre wetten.
Die Nachricht, dass Harald Schmidt bereits im Herbst beim Pay-TV-Sender Sky mit seiner Late-Night-Show weitermacht, hätte Andrack also theoretisch teuer zu stehen kommen können. Dabei schien seine Frage im SPIEGEL durchaus berechtigt: "Welcher Sender sollte ihn denn noch nehmen?"
Die Antwort steht nun fest. Aber es stellen sich Folgefragen: Wieso kauft der hochdefizitäre Pay-TV-Sender - im vergangenen Jahr erwirtschaftete Sky bei einem Umsatz von knapp 1,15 Milliarden Euro einen Verlust von 277 Millionen Euro - für einen vermutlich stattlichen Betrag einen Mann ein, den Sat.1 gerade wegen Erfolglosigkeit vor die Tür gesetzt hat? Warum tut sich Harald Schmidt noch einmal drei Late-Night-Shows pro Woche an - ohne die Aussicht, schnell wieder ein Millionenpublikum zu erreichen?
Aus Sicht von Sky gibt es gute Argumente für den Schmidt-Coup. Senderchef Brian Sullivan versucht derzeit, mit allerdings noch bescheidenen Mitteln, den Konstruktionsfehler zu beheben, der dem Durchbruch des Bezahlfernsehens in Deutschland bislang im Wege stand: der Verzicht auf selbstproduzierte Qualitätsformate - und damit auf eine starke Sendermarke.
Veredelung eines Nischenprodukts
Von Beginn an setzte der damals unter dem Namen Premiere firmierende Sender auf teure, aber fremde Ware: Live-Fußball und Kino-Blockbuster aus Hollywood. Nachdem letztere als Anreiz für Abonnenten in dem Maße unattraktiver wurden, in dem Filme (illegal) im Internet verfügbar waren, begab sich Sky in eine fatale Abhängigkeit von der Ware Fußball. Nicht zuletzt deshalb musste der Sender bei der jüngsten Auktion der Bundesliga-Rechte bis zur Schmerzgrenze gehen. Die Manager wussten: Bei einem Verlust der Rechte wäre der Großteil der Abonnenten wohl abgehauen.
Nur derjenige ist dazu bereit, relativ viel Geld für Pay-TV auszugeben, der sicher sein kann, dass er auch abseits des Fußballs Inhalte bekommt, die er anderswo (in dieser Qualität) nicht erhält. HBO macht das vor: Seit Jahren produziert der US-Sender aufwendige Erfolgsserien in Serie.
Unabhängig von seiner Quotenpleite bei Sat.1 eignet sich Harald Schmidt für die neue Sky-Strategie. Noch immer steht er für intellektuelles Entertainment, das in dieser Art niemand anderes bietet. Dieser Imagegewinn war bereits für die ARD und Sat.1 ein Grund, ihn zu holen - doch das Stammpublikum beider Sender konnte auf einen wie Schmidt auch verzichten.
Bei Sky hingegen scheint die potentielle Zielgruppe besser zu passen - Zuschauer mit Statusbewusstsein und passender finanzieller Ausstattung. Auch wenn nicht zu erwarten ist, dass viele Abos nur wegen Schmidt abgeschlossen werden - als Schmankerl könnte er das Gesamtpaket attraktiver machen, er veredelt also quasi ein Nischenprodukt. Und dass gerade in der Nische hohe Gewinne locken können, macht die Luxusindustrie vor. Zudem ist der Programmumbau bei Sky mit dem Einkauf des Late-Night-Talkers vermutlich noch nicht abgeschlossen.
Bleibt die Frage, wieso sich Schmidt selbst als Marken-Aufhübscher hergibt. Die Antwort darauf bleibt vorerst Spekulation. Aber vielleicht liegt Manuel Andrack ja zumindest in diesem Punkt richtig. Er sagte im SPIEGEL über Schmidt auch diesen Satz: "Zumindest hält er sich für den größten Moderator aller Zeiten."
Wer so etwas von sich glaubt, der kann wohl schlicht nicht ohne Rampenlicht.
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