Sexismus-Vorwürfe WDR löscht Plasberg-Talk aus Mediathek

Nach Beschwerden von Frauenverbänden hat der WDR eine Folge der Talkshow "Hart aber fair" aus der Mediathek gelöscht. Tatsächlich ging es in der Sendung nicht immer sachlich zu.

Hart aber fair: "Deutschland im Gleichheitswahn?" lautete der Titel der Sendung
YouTube/ Antje Lewald

Hart aber fair: "Deutschland im Gleichheitswahn?" lautete der Titel der Sendung


Sendung verpasst? Bei der ARD normalerweise kein Problem. Die Mediathek des Senderverbunds hält viele Sendungen auch lange nach der ursprünglichen Ausstrahlung online abrufbereit - aber nicht alle. Nach harscher Kritik und Beschwerden von mehreren Frauenverbänden hat der WDR nun eine Folge der Talkshow "Hart aber fair" aus dem Onlineangebot entfernt.

Unter dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn?" war in der Sendung vom 2. März 2015 über das Thema Gleichstellung diskutiert worden. Nicht immer ging es dabei sachlich zu. So sagte der FDP-Vizevorsitzende Wolfgang Kubicki beispielsweise zu Grünen-Fraktionschef Hofreiter: "Sie sehen ja schon gendermäßig aus."

Beim WDR-Rundfunkrat gingen Programmbeschwerden von mehreren Frauenverbänden ein, die sich über die Sendung beklagten. Unter anderem wurde Plasberg darin vorgeworfen, Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik lächerlich gemacht zu haben.

Kritik auch vom Programmausschuss

Laut "Bild"-Zeitung hat sich der Moderator darüber lustig gemacht, dass es in Deutschland 190 Professoren für Geschlechterforschung gibt, von denen 180 weiblich sind. Die Programmbeschwerde wurde vom WDR-Rundfunkrat jedoch abgewiesen, da die Sendung gegen kein Gesetz verstoßen habe.

Dem Medienmagazin "Meedia" zufolge heißt es im Newsletter des WDR-Rundfunkrats dennoch, der Programmausschuss habe aufgrund der massiven Kritik empfohlen, "die Folge nicht zu wiederholen und sie aus der Mediathek zu nehmen".

Gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärte Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats: "Die Auswahl der Gäste und die Gesprächsleitung waren für die Ernsthaftigkeit des Themas nicht ausreichend." Der WDR-Programmausschuss wird mit der Beurteilung zitiert, es sei "mit einem gesellschaftlichen Thema in einer unseriösen Weise umgegangen worden - nicht zuletzt durch den Moderator".

Während sich Moderator Frank Plasberg bislang nicht zu dem Thema geäußert hat, fordert Wolfgang Kubicki in der "Bild"-Zeitung, die Sendung müsse wieder "rein in die Mediatheken".Dort jedoch klafft jetzt eine Lücke zwischen der "Hart aber fair"-Sendung vom 23. Februar und der vom 9. März.

Wirklich weg ist die Aufzeichnung in Zeiten des Internets aber natürlich nicht. Auf YouTube lässt sich die fragliche Folge immer noch in voller Länge anschauen.

mak

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 248 Beiträge
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Seite 1
bambule67 22.08.2015
1. Ergänzend dazu...
...vielleicht hier: http://genderama.blogspot.de/2015/08/rundfunkrat-entscheidet-hart-aber-fair.html (Sicher nicht ganz tendenzfrei) Wie gut, daß es heutzutage nicht mehr klappt, unliebsame Sendungen für Jahrzehnte in den Giftschrank zu verbannen ;-)
FocusTurnier 22.08.2015
2. Das ist die Realität
Und wer jetzt noch meint, das Thema "Gender" hätte noch soetwas wie einen wissenschaftlichen oder gar demokratischen Anspruch, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Zensur statt Diskussion - ausgehend von einer Lobbygruppen, die dafür steht, für alle Frauen sprechen zu wollen. Wenn der Schuss mal nicht nach hinten losgeht.....
winkdon 22.08.2015
3. Mobbing von Frauenverbaenden
Es ist schon unglaublich: Da opfern wir mir nichts dir nichts die Medienfreiheit den Mobbingmethoden von Frauenverbaenden. Da werden die Dinge gestrichen, nur weil sie nicht der Vorstellung von Frauenverbaenden entsprechen. Wo ist denn da die Meinungsfreiheit geblieben? Neulich brachte das Auslandsjournal einen Bericht ueber angeblichen Menschenhandel im Zusammenhang mit prostitution in Deutschland. Voellig unsachlicher Schamrren. Wird das dann zensiert?
ketzer2000 22.08.2015
4. Zensur
Na ja, egal was in der Sendung debattiert wurde, welche Meinungen vertreten wurden, die Sendung aus der Mediathek zu nehmen ist Zensur. Orwell 1984 lässt grüßen - Neusprech wäre angesagt, damit nur noch das gesagt werden kann, was dem Mainstream entspricht.
kenterziege 22.08.2015
5. Es ist das zweite Mal in dieser Woche, dass Frauen ...
... die Pressefreiheit begrenzen wollen. Für mich macht das die Sinnlosigkeit des zwangsgebührenbezahlten TV's deutlich! Wir werden zunehmend einseitig im Sinne des sozial Erwünschten informiert. Ich halte das für ein unerträgliches Erziehungs-TV und -Radio. Diese Frauen haben jetzt eines bei mir erreicht: Ich schaue mir die Sendung auf you-Tube an und mache mir selbst ein Bild!
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