"Hart aber fair" über Rassismus Plasberg, der Brückenbauer

Frank Plasberg macht - etwas verspätet - die Özil-Debatte zum Thema und fragt: "Steckt in jedem von uns ein kleiner Rassist?" Die Diskussion verläuft überraschend zivilisiert. Ein Segen, gerade in diesen Tagen.

Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen
WDR/Dirk Borm

Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen

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Özil, Schmözil, nimmt das denn kein Ende? Die Tweets des Fußballspielers, also die Tweets, liegen nun schon eine ganze Weile zurück. Tatsächlich wirkt eine Sendung mit dem Titel "Özil und die Folgen: Steckt in jedem von uns ein kleiner Rassist?" - mit der sich Frank Plasberg nach seiner Sommerpause und über einem Monat in die Debatte einschaltet - reichlich verspätet. Und beinahe putzig im bengalischen Licht der Ereignisse, die sich derzeit in Chemnitz zutragen.

Ganz am Ende der Sendung erklärt der Psychiater und Neurologe Borwin Bandelow, geladen als externer Experte, den Rassismus zu einer anthropologischen Konstante. Unser prähistorisches Rudelgehirn nehme Fremdes prinzipiell als bedrohlich wahr und konkurriere mit unserem modernen Vernunftgehirn, das, etwa mit Blick auf Statistiken, im Fremden nichts Bedrohliches erkennen kann. Ja, es steckt in jedem von uns ein kleiner Rassist. Und der ist eigentlich ganz niedlich.

Temperatur des Abends: Gut gekühlt mit stellenweisen Schwankungen ins Lauwarme. Die Gäste sind in Siegen, Köln, Wiesbaden oder dem Ruhrpott geboren und - bis auf Karlheinz Endruschat von der SPD in Essen - allesamt "Menschen mit Migrationshintergrund". Sie wissen also, worüber sie reden, wenn sie über Rassismus reden. Parteipolitisches Gezänk bleibt aus.

Duell des Abends: Um der milden Temperatur der Sendung gerecht zu werden, sollte man lieber von einer "Meinungsverschiedenheit des Abends" sprechen. Der junge Journalist Carim Soliman gerät hin und wieder mit der jungen Bloggerin Tuba Sarica aneinander.

Sarica fühlt sich "manchmal wie ein Alien" unter den Deutschtürken, weil sie partout keine schlechten Erfahrungen gemacht haben will. Einmal stöhnt sie beim Wort "Empathie" laut auf, was ihr Soliman bis zum Ende nachträgt. Dass jemand Mitgefühl aufstöhnenswert findet.

Dilemma des Abends: Mehmet Daimagüler, in Yale und Harvard ausgebildeter Rechtsanwalt, sagt mit Blick auf die vielen Rassismuserfahrungen unter dem Hashtag #MeTwo, "wir sollten mal den Betroffenen zuhören".

All diese Berichte seien "Angebote zu einem Gespräch". Was denn nun? Zuhören? Oder mitreden? Die Debatte findet, so leicht löst sich das Dilemma, eben nicht auf Twitter statt. Sondern, beispielsweise, bei Plasberg.

Exot des Abends: Karlheinz Endruschat, SPD-Ratsherr, lebt erstens in einem Viertel, in dem die Migranten schon keine Minderheit mehr sind. Es ist zugleich eine Gegend mit nur geringem Einkommen. Er will härter gegen Familienclans vorgehen und fragt nach dem Sinn für ein Gemeinwesen, "wenn auf einem Quadratkilometer vier Moscheen" stehen. Wofür die "Empörungsindustrie" auf ihn "niedergeprasselt" sei.

Nur Daimagüler kann diesen stark angeschnittenen Ball - links, verwurzelt, offen, aber auch besorgt - aufnehmen und hebt die Debatte kurz auf die soziale Ebene. Allzu oft würden wir die "Ethnifizierung von Problemen" betreiben, die eigentlich durch mangelnde (oder nicht ergriffene) Bildungschancen entstehen würden.

Pontifex des Abends: Frank Plasberg baut eine Brücke nach der anderen. Als die Moderatorin und Schauspielerin Shary Reeves ("Wissen macht Ah!") von dem vermutlich nervigen Umstand spricht, von Fremden für ihr gutes Deutsch gelobt zu werden, hakt Plasberg ein: "Gibt es diesen Platz in Ihrem Herzen, dass Sie denken: Das ist kein Rassist, der hat einfach nicht nachgedacht?" Gibt es.

Daimagüler gesteht, auf der Autobahn auch mal "Verdammter Pole!" zu denken, wenn er von einem solchen geschnitten werde. Plasberg legt nahe, dass er womöglich schlechte Erfahrungen mit polnischen Lieferwagen gemacht habe. Daimagüler betritt die Brücke nicht: "Ich habe mich geärgert. Und das war das erste, was mir einfiel." Mit Ausnahme von Kindern seien wir wohl alle Rassisten.

Exkurs des Abends: Endruschat klagt in einem Nebensatz, von Arabern beim Gassigehen als "Hund" beschimpft zu werden. Sarica bestätigt in einem längeren Exkurs, dass die muslimische Welt tatsächlich ein schwieriges Verhältnis zu Tieren habe, insbesondere zu Hunden. Ihrem Kontrahenten Soliman ist das "neu".

Die Frage übrigens, ob Rassismus nur eine unterdrückende Funktion der Mehrheit gegenüber einer Minderheit sein kann, die Machtfrage also, wird da nur kurz gestreift. Ebenso der Unterschied zwischen Rassismus und Diskriminierung.

Zitat des Abends: Borwin Bandelow, der Experte, gestattet sich ein Gefühl. Wenn er höre, wie in Berlin nun reihenweise "die AMG-Mercedesse abtransportiert werden" von irgendwelchen Libanesen aus der Drogendealerszene, "dann freue ich mich". Plasberg wittert Gefahr, baut die Brücke: "Fühlen Sie sich schlecht danach?" Bandelow: "Nein! Richtig gut!"

Fazit des Abends: Gern wäre man bei dieser "Hart aber fair"-Redaktionskonferenz dabei gewesen: "Schon gehört, was da in Sachsen abgeht? Lasst uns den Titel ändern, dann sind wir aktuell!" Aber "Die Krawalle von Chemnitz: Steckt in jedem von uns ein Rassist?" findet keine Mehrheit. Eine weise Entscheidung zum sachlichen Gespräch. Der Rassismus bleibt, aber man lässt sich die Themen nicht von einem entfesselten Mob vorgeben.

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shapskeren 28.08.2018
1. soliman
War mehr als nervig und hat eigentlich nichts positives zur Debatte beigetragen
Pascal Meister 28.08.2018
2. So sollten Diskussionen laufen
Danke Herrn Plasberg für die sachliche Plattform. Danke Spiegel für den sachlichen Bericht darüber. Und ja, dass auch SPD-Exponenten unter Deutschen- oder Einheimischenfeindlichkeit leiden, ist wohl in der Partei nicht so ganz angekommen. Die SPD-Oberen sollen mal zuhören, was von der Bevölkerung real erlebt wird. Noch nie zuvor in der Geschichte gab es so viele Einwanderer, die ihre Kultur und/oder Religion für überlegen gegenüber derjenigen des Gastlandes gehalten haben. Schade wurde das nicht thematisiert.
prologo 28.08.2018
3. Die Lüge mit dem Rassismus
Die EU Länder befinden sich seit 2000 Jahren in einer Christlichen Kultur. Deshalb waren die Gastarbeiter im Wirtschaftswunder Deutschland auch kein Problem. Denn sie hatten alle die gleiche Kultur. Italiener, Spanier Griechen und Türken haben sich aus eigenen Kräften in Deutschland integriert. Multi Kulti hat funktioniert, wir haben deshalb griechische, italienische und türkische Lokale im Land. Selbst die Islam Türken schafften das und werden auch akzeptiert. Es gab keinen Fremden Hass und Rassismus. Es gibt immer nur Frieden und Freundschaft. Dann kam endlich die Wiedervereinigung. Es gehört zusammen, was zusammen gehört, predigte schon Willi Brandt. Kohl hat es vollbracht. Friede Freude, Eierkuchen im Land. Soli und alles was dazu gehört hat super funktioniert. Dann kommt 2015 die Flüchtlingskrise daher. Eine humanitäre Krise. Deutschland mit Mutter Theresa Merkel hat alle nach Deutschland eingeladen. Wir schaffen das. Wir bieten Asyl für politisch Verfolgte, und für Kriegsflüchtlinge. Der Beginn der Katastrophe. Das hat aber einen Exodus auch für Millionen Wirtschafts- und Armuts Flüchtlinge aus Nordafrika ausgelöst. ALLES ISLAMISTEN; EINE ANDERE KULTUR. GENAU DAS IST DAS PROBLEM. Unsere humanitären, Grüne Merkel und Gutmenschen haben das bis heute nicht begriffen. Man kann einem Land mit einer 2000 Jahren christlich sozialen Kultur, nicht eine total fremde islamische Kultur aufzwingen oder überstülpen. Das hat mit Multi Kulti gar nichts zu tun. Die Bürger wehren sich dagegen, das ist kein Rassismus, sondern Selbstverteidigung all derer. prologo
nach-mir-die-springflut 28.08.2018
4. Rassistische Wertebomben
Dasein heißt Selektion und Diskriminierung. Die Menschen sind nicht gleich, sondern ähnlich. Immer werden und wurden Menschen gruppiert. Bei der Armee nennt sich das Musterung, der angehende Rekrut erhält eine Nummer, die seine Tauglichkeitsstufe festlegt. Hast du 'ne Brille, kannst du nicht Pilot werden. Hörst du schlecht, wirst du nicht Horcher auf der U-Boot. RASSISMUS setzt die Definition voraus, und nie meinte die Diskussion um die Frage, ob es Menschenrassen gibt oder nicht eine Abtrennung von der Ethnie und Sozialisierung. Eine völlig abgestürzte Diskussion. Wer steuert eigentlich Deutschland, denn seine Einwohner sind es nicht? Aus "Illegalität Legalität machen" meint Rechtsbruch, und Rechtsbruch ist ein Verbrechen. Es war nicht geplant, Kriegsflüchtlinge aufzunehmen, sondern die deutsche Gastfreundschaft wurde und wird missbraucht, um in der Atmosphäre der Offenheit diesen Rechtsbruch zu begehen und ungefragt fremde Ethnien ins Land zu holen. Zehn deutsche Opfer dieser Migranten täglich, und wenn 15 % von ihnen kriminell sind, bedeuten diese offenen Grenzen bei 1,5 Mio. Zugereisten 225.000 Verbrecher, potentielle wie aktive. Die deutsche Kriminalpolizei spricht von 10.000 Schläfern in Sachen terroristische Anschläge. Die Chinesen fassen sich an den Kopf und fragen sich, was mit den Deutschen los ist, die sie aufgrund ihrer Technik so sehr bewundern. Wie in Schöne Neue Welt gibt's von Presse und Politik die Soma-Pillen, schön einschläfernd muss alles sein, jede Analyse meint Polarisierung, jede Polarisierung meint Rechtspopulismus, lasst uns alle unbewusst bleiben, zurück ins Ur-Chaos des Mutterschoß'. Schweden ist das Land der Schweden, Italien das Land der Italiener, Russland das Land der Russen und Russischstämmigen und so weiter. Wer eine Welt ohne Grenzen haben will, der muss dafür sorgen, dass demokratisch drüber abgestimmt werden kann, sonst bleibt die Forderung das Diktat einer Minderheit. Wenn Merkel und Nahles und Kipping und Roth 300.000 Migranten pro Jahr ins Land holen wollen, ist das überhaupt kein Problem, wenn sie sich vorher von ihrem Volk das per Volksentscheid haben bestätigen lassen. Wer so nicht sagt, ist ein Diskriminierer im Sinne des Rassisten, wie der Begriff heute gebraucht wird, ein antideutscher Rassist. Das "deutsch" in antideutsch ist austauschbar, mit der Haltung kann man auch Rede für ein anderes Land führen. Und dann mal die Kriege aufhören als Teil des Kriegsbündnisses NATO und sich nicht weiter doof stellen, weil ohne Ramstein keine Kriegsflüchtlinge, Ramstein macht diese Kriegsflüchtlinge, und Helden suchen wie mit McCain. Und nicht wie die AfD den Islam als per se rückständig und archaisch ansehen, wenn die Christen seit Jahrzehnten ihre aufklärerischen Wertebomben dorthin werfen.
TrollfIüsterer 28.08.2018
5. Rassismus ist keine Einbahnstrasse
Denn wenn 1,8 Milliarden Moslems die Nichtmoslems als "Ungläubige" bezeichnen ist das auch eine Art Rassismus, besonders dann wenn hierzulande das Nichtmögen von moslemischer Zuwanderung als "Fremdenfeindlichkeit" bezeichnet wird, obwohl niemand etwas Touristen hat die ja auch Fremde sind!
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