"Hart aber fair" zu Flüchtlingen Nicht so schlimm wie erwartet

Die Sendungsankündigung von "Hart aber fair" klang nach rechtspopulistischen Klischees, es ging um Flüchtlinge, Angst und Kriminalität. Zum Glück war nach fünf Minuten so ziemlich alles geklärt.

Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen
WDR/Oliver Ziebe

Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen

Von


In der Ankündigung zur aktuellen "Hart aber fair"-Sendung über Flüchtlinge und Kriminalität hatte die Redaktion auf ihrer Homepage von "jungen Männern, geflohen aus Krieg und archaischen Gesellschaften" geschrieben. Und weiter: "Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden? Wie unsicher wird Deutschland dadurch?"

Ein Teaser, der nach Rechtspopulismus klang und der Redaktion schon vor der Sendung viel Kritik einbrachte. Weil er ein klares Wir und Ihr aufmachte, unterschiedliche Länder als zurückgeblieben pauschalisiert wurden - und, weil das Thema seit den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln in den vergangenen Jahren in den Medien nicht nur schon zigmal durchgekaut wurde, sondern in diesem Fall auch noch besonders katastrophal verkürzt schien: Die Redaktion blickte in dem Teaser auf das Thema Flüchtlinge aus einer Perspektive, die Zuwanderung ausschließlich mit Gefahr assoziiert und den Spielraum für Bereicherung gar nicht erst aufmacht. Zudem versteckte sich in dieser Perspektive die unausgesprochene Annahme, dass ein Zusammenhang zwischen einer politischen Kategorie - dem Flüchtlingsstatus - und Kriminalität bestehe.

Interessant, wie schnell diese Annahme dann in der Sendung korrigiert wurde.

BKA-Präsident Holger Münch formulierte gleich zu Beginn, was Experten zu dem Thema immer wieder sagen, wenn ein Flüchtling eine Straftat begeht (ein Interview zum Thema lesen Sie hier): dass es völlig erwartbar ist, dass die Kriminalität bei Zuwanderern größer ist. Was aber eben nicht daran liegt, dass sie Flüchtlinge sind - sondern daran, dass bei Männern die Kriminalitätsbelastung größer als bei Frauen ist, bei jungen Männern noch mal höher. Dazu kommen die Lebensverhältnisse, der Zugang zum Arbeitsmarkt, mittelfristig die Bleibeperspektive. Damit war nach fünf Minuten so ziemlich alles geklärt.

Die Journalistin Isabel Schayani ergänzte noch, dass man an der Berichterstattung etwas über unsere Wahrnehmung lernen könne - weil bei deutschen Tätern bei Mord oft von einer Beziehungstat ausgegangen wird und die Medien dementsprechend zurückhaltend berichten. Bei Flüchtlingen hingegen - etwa, als ein Afghane im vergangenen Jahr in Kandel seine Freundin erstach - wird schnell auf eine ganze Gruppe von Menschen geschlossen.

An diesem Punkt hätte sich eine ziemlich spannende Diskussion darüber entspinnen können, wie und warum Medien über Flüchtlinge berichten und welche Stereotype implizit selbst bei einer "Hart aber fair"-Redaktion zutage treten, die sich wegen der "Vogelschiss"-Äußerung neuerdings weigert, den AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland in die Sendung einzuladen.

Stattdessen mäanderten die Gäste in der restlichen Sendezeit meistens durch ein sehr allgemeines: "Wie hältst du es mit der Flüchtlingsfrage?" Das verdeutlichte noch mal, dass die Idee vom kriminellen Flüchtling eben kein Thema, sondern ein Bild ist, das sich so gut wie kein anderes instrumentalisieren lässt - während es dahinter immer um die Frage nach einer offenen oder verschärften Migrationspolitik geht.

CSU-Generalsekretär Markus Blume und Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock stritten über die Maghreb-Staaten als sichere Herkunftsländer, dann ging es kurz um Leitkultur und die Pläne zu den umstrittenen Ankerzentren, in denen Flüchtlinge das gesamte Asylverfahren durchlaufen sollen. Und der Sozialarbeiter Asmen Ilhan erzählte von der Tabuisierung weiblicher Sexualität bei Jugendlichen und gefährlichen Ehrvorstellungen.

Das alles war nichts Neues, zudem Stoff für 30 Sendungen. Aber eben auch nicht so verkürzt, dass man Alexander Gauland ruhig wieder hätte einladen können.

Ja, man hätte einen Geflüchteten mitreden lassen sollen (stattdessen gab es seltsame Beschreibungen für Flüchtlinge, die aus Bürgerkriegsgebieten kommen: "Keine Jungs aus Kalifornien, die Surfer sind"). Und ja, das war teilweise unglaublich sprunghaft durcheinander. Auch die Grundfrage war ja immer noch falsch, nur wurde sie halt Gott sei Dank nicht konsequent verfolgt. Aber es war eben nicht so schlimm wie erwartet. Sondern schlicht anders, wie so häufig.

"Ich habe das Problem, dass wir defizitorientiert auf die Leute gucken", sagte Asmen Ilhan über den Blick, den er auf Flüchtlinge häufig erlebt. Kluger Mann. Könnte ein "Hart aber fair"-Thema drinstecken, bei dem man auch die Sendung wieder wohlwollender gucken würde.

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.