"Hawaii Five-0"-Neuauflage Vorsicht, herzlose Hula-Cops!

Mondän und multikulti: In den Sechzigern setzte "Hawaii Five-0" neue Maßstäbe im TV. Jetzt startet auf Sat.1 eine Neuauflage der Kult-Krimiserie, die bereits in den USA große Publikumserfolge feierte - und vor allem mit sadistischem Humor und knappen Bikinis auf Zuschauerfang geht.

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Von Harald Keller


Auf Hawaiis Hauptinsel O'ahu sind die Chancen relativ groß, amerikanischen Fernsehstars zu begegnen. Tom Selleck trieb hier für "Magnum" den geborgten Ferrari über die Küstenstraßen, bei "Vier auf Hawaii" bewies die junge Jennifer Love Hewitt ihr Talent. Für die Produktion von "Lost" wurde ein riesiges Ensemble nebst prominenten Gaststars benötigt.

Den Anfang machte aber 1968 "Hawaii Five-0". In einer Zeit, in der Hollywoods TV-Produzenten fernliegende Schauplätze noch vor Studiowänden inszenierten, fiel diese Krimiserie auf, denn ihre Protagonisten waren ersichtlich auf Hawaiis Straßen unterwegs. Luxushotels, Flughafen, Promenaden, auch das Landesinnere gaben prächtige Kulissen ab. Von Mondänität zeugten schon Morton Stevens' bis heute bekannte, schmissige Titelmelodie und eine rasante Vorspannsequenz.

"Hawaii Five-0", ab 1971 auch im bundesdeutschen Fernsehen zu sehen, war ein enormer Publikumserfolg und bescherte als Nebeneffekt Hawaiis Tourismusindustrie einen spürbaren Aufschwung. Die Serie brachte es auf zwölf Jahre Laufzeit und unzählige Wiederholungen. Schon 1997 gab es Pläne, "Hawaii Five-0" wieder aufzulegen; es blieb jedoch bei einem Pilotfilm. Im vergangenen Jahr nahm CBS das Vorhaben wieder auf, mit neuem Team vor und hinter den Kameras. In Deutschland ist das Ergebnis jetzt Sonntagabends ab 22.15 Uhr auf Sat.1 zu sehen.

Kriegswaffen gröbsten Kalibers

Für das Regiekonzept wurde Len Wiseman gewonnen, einst Requisiteur bei Roland Emmerich und inzwischen Regisseur von Kinofilmen wie "Underworld" und "Stirb langsam 4.0". Mehrfach lässt Wiseman durchblicken, dass ihm das Original nicht fremd ist. Der neue Vorspann zitiert den alten, und die Episoden der Neuauflage sind mit schlaglichtartigen Reminiszenzen durchsetzt - der Dienstsitz der Sondereinheit gleicht dem im Original, auch Hauptermittler McGarretts schmucker schwarzer Straßenkreuzer ist noch vorhanden, muss aber ein wenig aufpoliert werden.

Insgesamt aber vermeidet Wiseman, der auch als Koproduzent fungiert, jedwede nostalgische Anwandlung. Weshalb dieser Rückgriff auf einen inzwischen doch recht betagten Serienmythos keine plausible Begründung findet. Abgesehen vom Schauplatz und den Namen der Hauptfiguren ist alles neu, aktuell, topmodern - und zutiefst mit Zynismus durchtränkt.

In der Neuauflage suchen regelmäßig Gangster der obersten Liga und abgefeimte Terroristen auf den Inseln Fuß zu fassen. Geschossen wird, anders als in den Sechzigern, meist mit Kriegswaffen gröbsten Kalibers; in der Pilotfolge schickt ein Erzstrolch sogar einen Kampfhubschrauber los, und zwar gleich bis hinüber nach Südkorea.

In dieser Fiktion ist das organisierte Verbrechen nur noch mit einer bestens ausgerüsteten Armee zu vergleichen. Dieser Bedrohung muss man, so suggeriert die Neuauflage, nicht nur mit gleicher Armierung, sondern auch mit den gleichen Methoden begegnen. Dem vermag die Polizei nicht mehr zu entsprechen, dazu braucht es einen Ex-Militär: den kampferprobten Marineoffizier Steve McGarrett (Alex O'Loughlin). Der bekommt von der hawaiischen Gouverneurin (Jean Smart) im Zuge einer vertraulichen Unterredung absolute Handlungsfreiheit nebst voller Rückendeckung zugesichert - und nutzt dieses Privileg denn auch weidlich aus.

Ermittlungsarbeit mit Ruhe und Gelassenheit

Unbelastet von Dienstvorschriften und anderen rechtlichen Beschränkungen geht es den Verbrechern an den Kragen. Mit Durchsuchungsbeschlüssen, Haftbefehlen, dem Recht auf anwaltlichen Beistand und anderem bürokratischen Schnickschnack hält sich der neue McGarrett, ganz im Gegensatz zum überkorrekten Ur-McGarrett, nicht lange auf.

Warum beim Verhör psychologisch vorgehen, wenn man auch einen Finger in eine frische Wunde bohren, Verdächtige an den Beinen vom Hochhausdach baumeln lassen und ihnen mit Abwurf drohen kann? In Folge 3 transportieren McGarrett und Danny "Danno" Williams (Scott Caan) einen Verdächtigen eigens per Yacht hinaus aufs Meer und stoßen ihn mitten in einem Haischwarm in einen Unterwasserkäfig, um eine Aussage zu erzwingen. Die Szene ist bar jeder Handlungslogik, aber wie viele andere reich an sadistischem Humor. Selbst ein Menschenhändler von niederträchtigster Gesinnung reagiert erschüttert: "What kind of cops are you?" Garrett erwidert kalt: "The new kind."

"The old kind" war im Original Detective Steve McGarrett, der von seinem Darsteller Jack Lord ikonische Züge verliehen bekam. Unangestrengt verkörperte er eine Autorität, die sich nicht allein seinem dienstlichen Rang verdankte, denn der prinzipientreue McGarrett war Vorbild auch im Umgang mit seinen Mitarbeitern. Dazu zählten, für das Fernsehpublikum der Sechziger ein ungewohntes Bild, auch Mitarbeiter polynesischer und chinesischer Abkunft. Als in einer Folge das Teammitglied Chin Ho Kelly (Kam Fong) unter Korruptionsverdacht gerät, verhält sich McGarrett streng loyal, obgleich ihm der Gouverneur und die Presse bereits mächtig zusetzen und auf Konsequenzen dringen.

Immer wieder mal leisteten sich die Autoren spektakuläre Episoden mit feindlichen Agenten oder Landesverrätern. Insgesamt aber wurde hier halbwegs realistisch Polizeiarbeit vollzogen. Lange vor "CSI" kamen bei "Hawaii Five-0" schon Gerichtsmediziner und Kriminaltechniker zu ihrem Recht. Aus ballistischen Expertisen und akribischen Autopsieberichten bezog McGarrett die Informationen, über denen er dann stirnrunzelnd und notfalls über den Feierabend hinaus grübelte. Und damals konnte das Publikum noch darüber staunen, wenn Labortechniker aus dem Ohrenschmalz eines Ermordeten feinste Marmorstäube heraussiebten, aus denen sich Hinweise auf den Tathergang ergaben.

Entfesselte Hula-Cops und die Folter

Der Aufguss aus dem Jahr 2010 hat keinen Platz mehr für Grübler und Laborfüchse. Die gradlinig und ohne erzählerische Raffinesse abgespulten Ermittlungsschritte der entfesselten Hula-Cops dienen als Lückenfüller zwischen den turnusmäßig wiederkehrenden Action- und Folterszenen, die nicht einmal ansatzweise in politische Dimensionen oder ethische Dilemmata eingekleidet werden wie beispielsweise bei "24".

Durchgreifen wird von den Autoren als Allheilmittel hingestellt, der Rundumschlag ohne Rücksicht auf Verluste als Grundmuster effektiver Polizeiarbeit. Das ist, ohne allzu dick auftragen zu wollen, just die Mentalität, die in jüngster Zeit das politische Klima der USA vergiftete und das Land in außenpolitischer Hinsicht nachhaltig diskreditiert hat. Das Publikum sprang trotzdem darauf an. Über 14 Millionen Zuschauer sahen die Pilotfolge, die Senderkette CBS verbuchte damit eine der erfolgreichsten Serienpremieren des Jahres 2010.

Schade ist es um die Schauspieler. Hauptdarsteller Alex O'Loughlin hatte sich vor vier Jahren in "Moonlight" als empfindsamer Vampir zeigen dürfen, während er nun - ein bemerkenswerter Wandel des Männerbildes - vor allen Dingen die zwischenzeitlich mächtig gewucherten Muskeln spielen lässt. Daniel Dae Kim kennt den hawaiischen Drehort O'ahu noch von der Kultserie "Lost", in der die ganze Breite seines schauspielerischen Könnens gefragt war. In der Rolle des Chin Ho Kelly wird ihm deutlich weniger abverlangt.

Ähnlich ergeht es Grace Park in der Rolle von Kono Kalakaua, der einzigen Frau im Ermittlerteam. Park hat sich in der verschachtelten, hochintelligenten und darin "Lost" noch übertreffenden Neuauflage der Science-Fiction-Serie "Battlestar Galactica" als begabte Darstellerin erwiesen. Ihr erster Auftritt in "Hawaii Five-0" zeigt sie als schlagwütige Surferin im knapp geschnittenen Bikini. Was für ein vergeudetes Talent.


"Hawaii Five-0", Sonntag, 22.15 Uhr, Sat.1



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Seite 1
Savryn 13.03.2011
1. ...
Zitat von sysopMondän und multikulti: In den Sechzigern setzte "Hawaii Five-0" neue Maßstäbe im TV. Jetzt*startet auf Sat.1*eine Neuauflage der Kult-Krimiserie, die bereits in den USA große Publikumserfolge*feierte -*und vor allem mit*sadistischem Humor und knappen Bikinis auf Zuschauerfang geht. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,750266,00.html
Bitte liebe SPON-Redaktion, lasst die Finger von Rezensionen jenseits von französischen Kunstfilmen und Ähnlichem. Das geht bei euch irgendwie immer daneben. Der Autor Harald Keller schafft es hier in keinster Weise dem Medium Fernsehen gerecht zu werden. Anstatt "Hawaii Five-O" lege artis mit anderen Serien seiner Art zu vergleichen, versucht der Autor die schauspielerische Leistung durch Vergleiche mit vorherigen Projekten der Darsteller herabzuwürdigen. Das ein Crime-Procedural eine ganz andere Form im Rahmen der Fernsehserien darstellt als ein komplexes Charakter zentriertes Serial wird hier einfach mal vergessen. Interessant wie hier Sadismus und Zynismus in eine Serie hineininterpretiert wird, die gar keine Ansprüche darauf erhebt tiefgehend analysiert werden zu müssen. Jede relevante Fachinformationsquelle lobt "Hawaii Five-O" als eine spannende, sehr gut gemacht Serie, eine der aktuell besten in ihrem Bereich. Hmm, sehen so viele andere Rezensenten eine andere Serie oder wie? Apropos Interpretationswut: Ich kanns nur vermuten, aber wenn sie hier so dermaßen daneben lieben, wäre ich mal interessiert, wie sie eine Rezension einer Folge von "Fringe" versauen würden. Wahrscheinlich gehts da dann genau andersrum und nicht eine Nuance wird erkannt... Tja, Amateure eben...
takeo_ischi 13.03.2011
2. .
Zitat von SavrynBitte liebe SPON-Redaktion, lasst die Finger von Rezensionen jenseits von französischen Kunstfilmen und Ähnlichem. Das geht bei euch irgendwie immer daneben. Der Autor Harald Keller schafft es hier in keinster Weise dem Medium Fernsehen gerecht zu werden. Anstatt "Hawaii Five-O" lege artis mit anderen Serien seiner Art zu vergleichen, versucht der Autor die schauspielerische Leistung durch Vergleiche mit vorherigen Projekten der Darsteller herabzuwürdigen. Das ein Crime-Procedural eine ganz andere Form im Rahmen der Fernsehserien darstellt als ein komplexes Charakter zentriertes Serial wird hier einfach mal vergessen. Interessant wie hier Sadismus und Zynismus in eine Serie hineininterpretiert wird, die gar keine Ansprüche darauf erhebt tiefgehend analysiert werden zu müssen. Jede relevante Fachinformationsquelle lobt "Hawaii Five-O" als eine spannende, sehr gut gemacht Serie, eine der aktuell besten in ihrem Bereich. Hmm, sehen so viele andere Rezensenten eine andere Serie oder wie? Apropos Interpretationswut: Ich kanns nur vermuten, aber wenn sie hier so dermaßen daneben lieben, wäre ich mal interessiert, wie sie eine Rezension einer Folge von "Fringe" versauen würden. Wahrscheinlich gehts da dann genau andersrum und nicht eine Nuance wird erkannt... Tja, Amateure eben...
Dieser Rezension der Rezension mag ich mich anschliessen. Hawaii Five-0 möchte nicht mehr als eine sonnige, kurzweilige Actionserie mit schönen Menschen und flotten Spruchen sein. Und das schafft die Serie m.E. sehr gut. Auch die Darsteller sind gewohnt überzeugend. Man sollte nie ein gutes Bier kaufen und sich dann darüber beschweren, dass es kein Château Lafite ist.
johndoe2 13.03.2011
3. Bsg
Naja, wer Battlestar Galactica hochintelligent nennt, kann eh nicht ernstgenommen werden. Denn wenn am Ende sämtliche Mysterien mit "Gott war's!" und Engeln erkärt werden müssen, ist ja wohl etwas schiefgelaufen.
KleinerPrinz 13.03.2011
4. Produzenten
Zitat von johndoe2Naja, wer Battlestar Galactica hochintelligent nennt, kann eh nicht ernstgenommen werden. Denn wenn am Ende sämtliche Mysterien mit "Gott war's!" und Engeln erkärt werden müssen, ist ja wohl etwas schiefgelaufen.
Ja, leider wurde das Ende der restlichen Serie nicht gerecht. Wenn man diese jedoch ausklammert, würde ich die Serie schon als "intelligenter" als die meisten Serien bezeichnen. Mir würde eine tiefgründigere Herangehensweise an Hawaii Five-0 auch mehr gefallen - aber seien wir ehrlich - nicht-mainstream-affine Serien verschwanden in letzter Zeit schnell wieder von der Bildfläche. Als Produzent hat man vermutlich einfach keine andere Wahl mehr.
nmare, 13.03.2011
5. Dem Spiegel ist da was entgangen...
H5O schaut man bestimmt nicht wegen dem großartigen Plot. Jedenfalls nicht als Frau. Die Männer finden aber bestimmt auch was, das sie amüsiert... ;-)
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